Plan von Habecks Netzagentur: Jetzt soll auch die Industrie produzieren, wenn der Wind
Ein Beitrag von
„Waschen, wenn der Wind weht“ ist zum geflügelten Wort von Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) geworden, um den entscheidenden Nachteil der sogenannten Energiewende zu erklären: Wind und Sonne stehen nur je nach Wetterlage zur Verfügung. Entsprechend sollen sich Verbraucher in Zukunft nicht mehr nach ihrem Bedarf richten, sondern nach dem Wetter.
Geht es nach der Bundesnetzagentur, sollen sich auch Industriebetriebe in Zukunft mehr nach der Verfügbarkeit von Strom und der Auslastung der Stromnetze richten – die Habeck-Behörde will mehr Anreize schaffen, damit sich große Stromverbraucher „systemdienlich“ verhalten und auch möglichst dann Strom verbrauchen, „wenn der Wind weht“ – oder eben ihre Produktion herunterfahren, wenn das nicht der Fall ist.
So steht es im „Eckpunktepapier zur Fortentwicklung der Industrienetzentgelte im Elektrizitätsbereich“, das die Bundesnetzagentur am Mittwoch veröffentlicht hat. Verbände sind nun aufgerufen, bis Mitte September die Vorschläge zu bewerten.

Robert Habeck ist als Minister verantwortlich für die Bundesnetzagentur.
Einfach erklärt: Wenn der Wind weht und die Sonne scheint und sehr viel erneuerbarer Strom zur Verfügung steht, wird dieser oft gar nicht in Gänze abgenommen, was zwar den Strompreis senkt, jedoch große und teure Netzkapazitäten nötig macht – nehmen nun große Stromverbraucher besonders viel Strom ab, sind diese großen Netzkapazitäten in der Form nicht mehr nötig und machen den Gesamtbetrieb des Netzes günstiger. Mit einem Rabatt will das die Netzagentur zukünftig anreizen.
Dasselbe passiert umgekehrt, wenn Strom gerade teure Mangelware ist, weil Wind und Sonne gerade nicht liefern: Dann tun (eigentlich) große Stromverbraucher, die auf Strom verzichten und ihre Produktion drosseln oder verschieben, dem Netzbetrieb gut und machen ihn in der Gesamtschau günstiger.
„Die alten Netzentgeltrabatte entsprechen nicht mehr den Anforderungen eines Stromsystems, das von hohen Anteilen erneuerbarer Stromerzeugung geprägt ist. Wir wollen zukünftig systemdienliches Verbrauchsverhalten der Industrie besonders anreizen. Industrie und Gewerbe sollen reduzierte Netzentgelte zahlen, wenn sie in Situationen mit hohem Stromangebot mehr Strom verbrauchen. Andersherum erhalten sie auch dann eine Reduktion der Netzentgelte, wenn sie in Zeiten eines knappen Stromangebots weniger Strom verbrauchen“, erklärt Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur.

Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur
„Systemdienliches Verhalten“ ist ein Begriff, den man bisher vor allem aus der sozialistischen DDR kannte – im Zeitalter von Wind und Sonne sollen sich nun jedoch nicht nur Privatverbraucher, sondern auch Industriebetriebe an Wind und Wetter orientieren.
„Übergang von einem starren in ein flexibles System“, nennt Müller das. Im Grundsatz ist vorgesehen, so die Mitteilung der Behörde, eine Stärkung des Marktsignals anhand der Netzentgelte vorzunehmen.
Aktuell fördert die Bundesnetzagentur noch, wenn Industriebetriebe möglichst gleichbleibend („Bandlast“) und planbar Strom beziehen, so wie auch der deutsche Kraftwerkspark über Jahrzehnte aufgestellt war. Die Zeiten, in denen Strom schlichtweg zur Verfügung stand, unabhängig vom Wetter, scheinen dank der Energiewende nun jedoch vorbei zu sein.
Mehr NIUS: Aktionären droht Totalverlust! Varta plant radikale Sanierung mit Schuldenschnitt
Mehr NIUS:
DIHK warnt vor nächster Gefahr für die Wirtschaft: Energiedeckel gefährdet Millionen Jobs
Arla übernimmt größte deutsche Molkerei: Milram wird dänisch
Interne Prognose: Bundesagentur für Arbeit mehr als fünf Milliarden Euro im Minus
Hightech wird um Deutschland herum geboren
Wirtschaftsrat-Boss warnt: „Deutschland fährt auf Verschleiß“
Europa hat ein Gründerproblem: Brüssel plant neue Rechtsform „EU Inc.“
Arbeitslosenquote sank im Mai nur um 0,1 Prozentpunkte
Krise in der Autoindustrie: Deutsche Zulieferer müssen Standorte schließen
Mehr NIUS:
Hightech wird um Deutschland herum geboren
Wirtschaftsrat-Boss warnt: „Deutschland fährt auf Verschleiß“
Europa hat ein Gründerproblem: Brüssel plant neue Rechtsform „EU Inc.“
Arbeitslosenquote sank im Mai nur um 0,1 Prozentpunkte
Krise in der Autoindustrie: Deutsche Zulieferer müssen Standorte schließen
US-Unternehmen Nvidia wertvoller als alle deutschen Firmen zusammen
Metallindustrie-Präsident Dinglreiter: „Die Lage ist dramatisch“
Wirtschaftsweisen halbieren Wachstums-Prognose auf 0,5 Prozent
Redaktion
Artikel teilen
Kommentare