Was passiert hier? Diego Faßnacht erklärt die Preisexplosion in Deutschland
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Seit der Corona-Krise sind die Preise in Deutschland stark angestiegen. Auch im Juli 2023 hielt diese Entwicklung an. Das Statistische Bundesamt meldet eine Inflation von 6,2 Prozent zum Vorjahr. Im Vorjahr waren die Preise bereits um 7,7 Prozent gestiegen. Insgesamt kletterten die Preise in Deutschland seit 2020 um 17,1 Prozent.
Doch ist die Inflation nicht eigentlich noch viel höher?
Das persönliche Inflationsempfinden kann variieren. Das liegt an der Warenkorb-Zusammensetzung des Verbraucherpreisindex. Weicht der eigene Konsum von diesem Warenkorb ab, dann war die persönliche Inflation höher oder niedriger.
Der Warenkorb sieht beispielsweise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke ein Gewicht der Konsumausgaben von 11,9 Prozent vor. Gibt man für Lebensmittel einen höheren Anteil aus, so ist es wahrscheinlich, dass die persönliche Inflation deutlich höher lag.
Wenn man beispielsweise 20 Prozent für Lebensmittel, fünf Prozent für Alkohol, acht Prozent für Restaurants und Cafés, 20 Prozent für die Nettokaltmiete und fünf Prozent für Pauschalreisen ausgegeben hat, dann ist die persönliche Inflationsrate schnell bei über sieben Prozent.
Insbesondere die Preise von Lebensmitteln sind in den vergangenen drei Jahren stark angestiegen.

Verbraucherpreisindex
Mehl ist heute 60 Prozent teurer als 2020. Der Preis von Sonnenblumenöl erhöhte sich um 77 Prozent. Der Zuckerpreis ist von allen Lebensmitteln am stärksten gestiegen: Um 81 Prozent! Insgesamt stiegen die Nahrungsmittelpreise seit 2020 um 31 Prozent.
Keine große Überraschung ist, dass Strom, Gas und andere Brennstoffe im selben Zeitraum um 55 Prozent teurer wurden. Die Strompreise stiegen gegenüber dem Vorjahr tatsächlich noch einmal um 18 Prozent.
Anderen Ländern geht es besser
Spannend ist auch der europäische Vergleich: Deutschland hat mittlerweile die 5. höchste Inflationsrate in der Eurozone. Laut dem EU-Statistikamt eurostat stiegen die Preise in der Eurozone im Juli um 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. In Deutschland hingegen kletterten die Preise laut eurostat um 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr in die Höhe.
Die Inflation ist in den letzten 12 Monaten in der Eurozone von 8,9 Prozent auf 5,3 Prozent gefallen. Also um 3,6 Prozent-Punkte. In Deutschland hingegen fiel die Inflation nur um 2,0 Prozent-Punkte. Noch erschreckender ist allerdings, dass die Preise in der gesamten Eurozone gegenüber Juni fielen, in Deutschland hingegen um 0,5 Prozent angestiegen sind.

Die Veränderung der Erzeugerpreise
Der Blick nach vorne verheißt gute und schlechte Nachrichten.
Die deutschen Erzeugerpreise sind im Juni nur noch um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Dies wirkt sich gewöhnlich mit einer zeitlichen Versetzung auch auf die Konsumentenpreise aus.
Diese Grafik zeigt gut auf, wie die Geldschwemme der Europäischen Zentralbank rund um die Covid-Jahre ein wesentlicher Faktor für die jetzige Inflation ist. Die EZB hatte innerhalb nur 2,5 Jahren die Geldmenge um 24 Prozent angehoben.

Die Geldmenge der Europäischen Zentralbank
Diese Grafik zeigt die sogenannte Geldmenge M2. Die Geldmenge M2 umfasst alle Bestandteile von M1 (Bargeld, Sichteinlagen und Sparbucheinlagen) sowie zusätzlich Zeit- und Termineinlagen, die leicht zugänglich sind.
Die Europäische Zentralbank hat mittlerweile ihren Kurs geändert, die Zinsen erhöht und den Geldregen für die Staatsfinanzen beendet. Folgend hat der durch die Geldpolitik verursachte Inflationsdruck nachgelassen.
Soweit zu den guten Nachrichten.
Die schlechten Nachrichten kommen an dieser Stelle von der deutschen Bundesregierung. Die Ampel-Koalition will den ideologischen CO2-Preis beim Tanken und Heizen mit fossilen Energien im kommenden Jahr stärker anheben als bisher geplant.
Der CO2-Preis ist defacto nichts anderes als eine zusätzliche Steuer, die den Konsum der Bürger teurer macht.
Dass in Zeiten der höchsten Inflation der vergangenen Jahrzehnte und real stark schrumpfender Löhne die deutsche Bundesregierung weiter an der Belastungsschraube drehen möchte, beweist: die Prioritäten der Regierung sind zumindest nicht stabile Lebenshaltungskosten.
Über den Autor: Diego Faßnacht ist Experte für Wirtschaft und Finanzen
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Diego Faßnacht
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