Rodungsunternehmer Kamphuis über den Bürokratie-Irrsinn im Berufsalltag: „Am Anfang habe ich mehr Zeit im Büro verbracht als auf der Baustelle“
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Bürokratie statt baggern, schneiden, roden. Seit einem Jahr arbeitet Sebastian Kamphuis aus dem Märkisch-Oderland selbstständig in der Flächenrodung, muss sich jedoch häufiger mit undurchsichtigen Behördenauflagen beschäftigen, als selbst mit anzupacken. Die größten Probleme für ihn: „Schnelligkeit und Kommunikation“.
Dabei ist er das erste Glied in der Kette. Bevor Grundstücke neu bebaut werden können, müssen sie nicht selten von Büschen, Bäumen und Sträuchern aller Art befreit werden. Ein Job, der auf die Leidenschaft von Jungunternehmern wie zugeschnitten scheint: „Es macht mir wahnsinnig viel Spaß, einfach alles platt zu machen.“
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Doch erdrückt wird er stattdessen von unklar definierten Auflagen und langen Wartezeiten in der Behördenkommunikation. Er erinnert sich: „Am Anfang habe ich mehr Zeit im Büro verbracht, mit den ganzen Vorbereitungen, mit dem Dokumentieren, mit dem Stellen von Anträgen, als ich tatsächlich hier auf der Baustelle verbracht habe.“ Ihm als Jungunternehmer hätten es die Behörden nicht leicht gemacht – schon bei der Einstellung von Mitarbeitern. Dafür benötige es eine extra Unternehmensnummer, auf dessen Ausstellung Kamphuis über drei Monate warten musste. Gleichzeitig drohten Strafen, wenn die Nummer nicht rechtzeitig vorliegt: „Das kann doch eigentlich nicht sein“.
Mehr Schreibtisch als Baustelle
Auf seine drei Mitarbeiter sei er angewiesen, um sich zuhause um den „Papierkrieg“ zu kümmern, wie er den Umgang mit Auflagen und Co. nennt. Vorher sei die Belastung noch höher gewesen, „da waren es dann halt manchmal 16- bis 20-Stunden-Tage“. Wer im Handwerk etwas aufbauen wolle, merke schnell, „wie sehr er an den Schreibtisch gebunden sei“. „Egal wann, egal wo und egal was – wir haben eine Dokumentationspflicht“, sagt Kamphuis.

Kamphuis Arbeitsgerät ist nicht nur die Kettensäge.
Neben der massiven Zeitverzögerung durch ewige Behördenketten kritisiert der Rodungsexperte auch die Missverständnisse in der Zuständigkeit. Üblicherweise arbeite er mit der Unteren Naturschutzbehörde, dem Grünflächenamt oder der Gemeinde zusammen. Die Vorgaben, die aus diesen Behörden kämen, seien jedoch teilweise widersprüchlich: „Der eine sagt so, der andere sagt so, wen nehme ich denn jetzt“, fragt sich der Handwerker.
Manche Vorgaben sind nicht nur kompliziert, sondern sogar widersprüchlich
Doch die Vorgaben sind nicht nur je nach Behörde unterschiedlich, sondern werfen im Detail meist noch mehr Fragen auf. Kamphuis denkt dabei an die Gartenfrage. So sei die Rodung während der Schonzeit von Vögeln allgemein untersagt, „ausgenommen sind gärtnerisch genutzte Flächen. Das Problem für Kamphuis: „Jetzt definiere du mir doch mal eine gärtnerisch genutzte Fläche. Das kann doch alles Mögliche sein!“ Weil es keine klaren Vorgaben gibt, könne er in solchen Momenten zwar ins Risiko gehen, riskiert bei Beschwerden aber wiederum teure Strafen.

Hat drei Mitarbeiter, packt am liebsten aber selbst mit an: Jungunternehmer Sebastian Kamphuis.
Doch selbst da, wo keine Regulierung notwendig gewesen sei, habe das Amt willkürlich eingeschritten: Nachdem er eine Fläche von drei Bäumen und Brombeerbüschen befreit habe, habe sich ein Nachbar beschwert und das zuständige Grünflächenamt hinzugerufen. Der Vorwurf: Die Bäume seien geschützt gewesen. Der Kunde sei zwar mit einem blauen Auge davongekommen, eine Strafe habe er aber dennoch bezahlt. Dabei ist sich Kamphuis sicher: Die Bäume waren „komplett tot“.
Sein Fazit: Das große Regelwerk „hält die Leute eher von der Arbeit ab, als dass es ihnen die Arbeit erleichtert.“ Damit sein Alltag wieder mehr mit dem Ursprung seines Berufes zu tun hat, wünscht sich Kamphuis einen unkomplizierten Weg mit den Vorgaben – wenn sie nicht gleich ganz gestrichen werden können. Aber: „Wenn ich jetzt einen Antrag stelle für eine Baumfällung, darf das Ding maximal drei Tage dauern.“
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