Iran-Krieg treibt Energie- und Düngemittel-Preise: Im Sommer droht Teuerungswelle bei Lebensmitteln
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RedaktionDie Sperrung der Straße von Hormus treibt die Energiepreise weltweit nach oben – und sorgt bei Landwirten und Lebensmittelproduzenten für Verunsicherung. „Deutschland bezieht zwar viele Agrarwaren aus dem direkten Umfeld. Die Herstellung von Nahrungsmitteln und Getränken ist jedoch energieintensiv“, sagt Konsumgüterexperte Christoph Treiber, Partner der Beratung OC&C, zum Handelsblatt. Die Energiepreise bestimmten deshalb einen erheblichen Teil der Kosten.
Frosta-Chef Felix Ahlers beobachtet den Krieg im Iran mit Sorge: „Wir rechnen mit Auswirkungen auf die globalen Lieferketten und erwarten entsprechende Kostensteigerungen.“ Wie stark diese ausfielen, lasse sich jedoch schwer abschätzen, sagt der Chef des Herstellers von Tiefkühlkost.
Die Preise für Öl und Erdgas gehen seit Anfang März steil nach oben. Durch die Straße von Hormus werden ein Fünftel der globalen Menge an Rohöl und ein Drittel aller Düngemittel transportiert. Selbst bei einem schnellen Kriegsende könnten Minen und beschädigte Infrastruktur die Ölförderung und den Seeverkehr noch für Monate beeinträchtigen.

An Tankstellen schossen nach dem Angriff durch Trump die Preise in die Höhe.
Tiefkühlbranche ist besonders energieintensiv
Pasteurisieren, trocknen, backen – die Produktion von Käse, Bier oder Gebäck frisst viel Energie. Die rund 6000 Betriebe der deutschen Ernährungsindustrie benötigen 6,4 Prozent des gesamten Energieverbrauchs der deutschen Industrie, ermittelte das Statistische Bundesamt. Nicht eingerechnet ist der Lebensmittelhandel, der Strom etwa für die Kühlung benötigt.
Die Tiefkühlbranche gilt als besonders energieintensiv. Bei Frosta entfallen 8,5 Prozent der internen Herstellungskosten auf Energie und Transport. Nicht nur für Frosta, auch für die Zulieferer steigen nun die Energiekosten. Zutaten werden direkt nach der Ernte schockgefroren. Fisch, Fleisch oder Gemüse kommen zum Teil per Schiff aus Asien.
Auch die Preise für Diesel haben angezogen. Das belastet die deutschen Landwirte. „Gerade jetzt für die Frühjahrsbestellung sind die sprunghaften Preissteigerungen beim Diesel besonders schmerzhaft“, sagt Bauernpräsident Joachim Rukwied.

Düngemittel der Marke Piamon.
Seit Kriegsbeginn sind die Preise für Stickstoff-, Harnstoff- und Schwefeldünger um bis zu 45 Prozent gestiegen. Kunstdünger hängt vom Erdgas als Rohstoff und Energieträger ab. Das treibt die Kosten in der Landwirtschaft: Beim Getreideanbau etwa machen Düngemittel sonst ein Fünftel aller Betriebskosten aus. Landwirt Gernot Lindemann-Berk aus Frechen zum Handelsblatt: „Die Preissprünge bei Dünger treffen uns hart und kommen zur Unzeit.“ Er hat seine Düngervorräte bereits aufgebraucht. Doch bis in den Sommer benötigen viele Kulturen weitere Tranchen. Wird zu wenig gedüngt, entwickelt Weizen zu wenig Eiweiß und taugt nicht mehr für Brot.
Die Bundesvereinigung der Ernährungsindustrie (BVE) warnt vor einem „Kosten-Tsunami“, sollte die wichtige Passage am Persischen Golf länger unpassierbar bleiben. Noch seien die Auswirkungen im Supermarkt für Verbraucher nicht spürbar. Doch ab Sommer könnte sich das ändern.
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