Top-Ökonom Hans-Werner Sinn über Deindustrialisierung und Generationenkonflikt: „Deutschland ist herzkrank geworden“
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Deutschlands wohl bekanntester Volkswirt, Hans-Werner Sinn, spart in seinen jüngsten Gesprächen nicht mit Kritik an der deutschen Wirtschafts- und Energiepolitik. Der ehemalige Präsident des ifo-Instituts diagnostiziert zu Gast beim YouTube-Format „Clasen Talk“ der Bundesrepublik eine selbstverschuldete Deindustrialisierung, warnt vor einem drohenden Generationenkonflikt – und setzt auf den Volkswillen als letzte Korrekturinstanz einer ideologisch entgleisten Politik.
NIUS dokumentiert die wichtigsten Aussagen.
„Die Automobilindustrie ist praktisch das Kernstück dieser Deindustrialisierung“, sagt Sinn. „Der Chemie geht es auch noch schlecht, aber die Automobilproduktion hat seit 2018 um 22 Prozent abgenommen.“ „Das sind die beiden wichtigsten Branchen, die wir haben. Jede dieser beiden Branchen ist durch politische Vorgaben dezimiert worden. Es ist ein Programm der Deindustrialisierung.“
Der Grund sei hausgemacht: „Schon das ist zurückzuführen auf dieses grüne Narrativ, dass wir beim Klimaschutz vorangehen und anderen zeigen, welche Technologien attraktiv sind. (...) Das war von vornherein vollkommener Unsinn.“
Statt Wachstum und Innovation habe die Politik Stillstand und Abwanderung geschaffen. „Den Leuten wurde das Blaue vom Himmel versprochen. Das ist alles völlig unseriös gewesen.“ Das Ergebnis: „Deutschland ist herzkrank geworden.“
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Klimaziele: „Bevor das umgesetzt wird, platzt unser System“
Sinn hält die deutschen Klimaziele für völlig unrealistisch: „Wir haben eine Rechtssituation – sogar das Bundesverfassungsgericht hat sich eingeschaltet –, bis 2045 müssen wir bei Null angekommen sein. In 20 Jahren ist das ein Ding der Unmöglichkeit.“ Es sei „vollkommen utopisch“, so etwas vorzuschreiben: „Bevor das umgesetzt wird, platzt unser System.“
Ebenso unverständlich sei der Ausstieg aus der Kernenergie: „Dass wir unsere 17 Atomkraftwerke abgeschaltet haben, weil Frau Merkel da durchgedreht ist nach Fukushima im Jahr 2011, das ist unverständlich. Atomenergie, die da ist, erzeugt ganz billigen Strom. (...) Das ist keine sinnvolle Energiepolitik.“
„Der Volkswille wird siegen“
Für Sinn steht fest, dass die derzeitige Renten-Politik keinen Bestand haben kann. „Ich glaube nicht, dass diese Trends, die rechtlich angelegt sind, irgendeinen Bestand haben. Die ganzen EU-Verordnungen und so weiter.“ Am Ende werde sich die Demokratie selbst korrigieren: „Der Volkswille wird siegen.“
„Also irgendwo siegt der gesunde Menschenverstand und die Realität dann doch über diesen ideologisch rechtlichen Festlegungen“ so Sinn.
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„Die werden das schrecklich finden und auf die Barrikaden gehen“
Sinn warnt vor den sozialen Folgen der Alterung in der Gesellschaft: „Die Enkel werden mit dem Schock zu kämpfen haben, dass die Babyboomer nicht mehr arbeiten wollen, dass sie die alle bezahlen müssen. Sie werden die hohen Rentenlasten zu tragen haben, werden das schrecklich finden und auf die Barrikaden gehen.“ Wenn der Volkswille wieder durchschlage, werde auch die Haltung zur Arbeit umschlagen: „Work-Life-Balance ist dann Vergangenheit. Man weiß, man hat eine ganz schwierige Zeit zu durchleben und muss das Beste draus machen.“
Und weiter: „Ich gehöre zu denen, die in der Nachkriegszeit groß geworden sind – da ging es immer besser. Sie müssen jetzt in einer Welt leben, wo es allmählich ökonomisch immer schlechter wird. (...) Es geht nicht mehr um glorreiche Zukunftsszenarien, sondern um Schadensminimierung für die Generation der Enkel.“
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