Vielfalt ist kein Erfolgsfaktor für die deutsche Wirtschaft – Qualität schon
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„Made in Germany – Made by Vielfalt“ nennt sich eine Kampagne, mit der deutsche Familienunternehmen und zwei Unternehmer-Verbände aus Ostdeutschland vor den Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg für das eintreten, was sie für Toleranz und Offenheit halten. Den berühmten Spruch „Made in Germany“ kennt jeder. Der stand einmal für höchste Qualität, überlegene Technologie und Innovation. Und der soll jetzt durch die nicht sonderlich elegante Devise „Made by Vielfalt“ ersetzt werden. Hinter der Initiative stecken 40 bekannte (Claas, Rossmann, Vorwerk, Stihl) und nicht so bekannte (aceg, Beumergroup, wepa, wocco) Unternehmen, die eine jetzt nicht so tolle Agentur damit beauftragt haben, Menschen und damit Wählern Angst zu machen.

Ja, genau: Angst. Denn in Wahrheit ist alles ziemlich primitiv: Die Wähler in Sachsen, Thüringen und Brandenburg sollen Angst davor haben, dass ihre Arbeitsplätze in Gefahr sind. Dass die Wirtschaft abkippt. Dass unser Wirtschaftssystem und damit unser Wohlstand in Gefahr sind. Dass die Renten der Babyboomer nicht mehr sicher sind, weil die Industrie bald über zu wenig Fachpersonal verfügen wird und immer weniger Beschäftigte immer mehr Rentner finanzieren müssen.
„Vielfalt ist die Grundlage für den Wohlstand Deutschlands“
Diese Erkenntnis einer bevorstehenden ökonomischen Apokalypse ist den Initiatoren der Kampagne offenbar genau jetzt wie Schuppen von den Augen gefallen. Nachdem es mit der Wirtschaft seit 2019 abwärts geht, Pleiten und Insolvenzen täglich zunehmen, Betriebe aufgeben und Unternehmen verschwinden, ist 40 Familienunternehmen exakt jetzt aufgefallen, dass etwas im Staate Deutschland faul ist. Dass wir kein Wachstum mehr haben und von Ländern wie Italien und Frankreich abgehängt werden. Aber zum Glück ist das alles halb so schlimm – denn die Unternehmer haben auch eine Patentlösung parat, die sich erfreulicherweise sofort umsetzen lässt.

Immer mehr Geschäfte und Betriebe müssen Insolvenz anmelden.
Diese Lösung besteht aus – ta da – Toleranz, Offenheit und Vielfalt. „Der Wirtschaftsstandort Deutschland“, heißt es, „braucht unsere pluralistische, offene, europäisch orientierte Gesellschaft. Vielfalt ist die Grundlage für den Wohlstand Deutschlands.“
So einfach ist das also: Etwas mehr Vielfalt – und die Probleme der deutschen Wirtschaft sind geritzt. Rede da noch mal einer von komplexen Antworten auf komplexe Fragen. Die sind anscheinend gar nicht nötig, wenn es auch primitiv geht. Wenn die gefühligen Schlagworte einer x-beliebigen Medienagentur Wählerwillen, Sachverstand und darüber hinaus auch noch Recht und Ordnung ersetzen sollen.
Wie sagen Amerikaner, wenn einer komplett mit irgendwas gescheitert ist und dann mit rotem Kopf dasteht? Nice try. So ist das hier auch. „Made by Vielfalt“ ist ein netter, wenn auch sprachlich missglückter und intellektuell korrumpierter Versuch, wirtschaftliche Probleme mit Methoden zu lösen, die nicht funktionieren. Methoden, die in einer Ideologie (Ökosozialismus) wurzeln und auf einer fraglichen Weltanschauung basieren. Aber nicht auf ökonomischer Erkenntnis.
Die Parole ist unverschämt und führt in die Irre
„Made by Vielfalt“ ist aber in allererster Linie auch eine Unverschämtheit und eine Zumutung an die Menschen und Bürger in unserem Land, denn die Parole unterstellt: Wir alle wären von vornherein gegen Vielfalt und Chancengleichheit. Wir wären nicht offen, nicht tolerant, nicht aufgeschlossen – sondern zugeknöpft, vernagelt, fremdenfeindlich, intolerant, ungerecht und eingenäht. Kein Wort davon ist wahr. Nicht ein einziges.
In Deutschland arbeiten 13 Millionen Migranten, das sind 25 Prozent der arbeitenden Bevölkerung. Und diese Zuwanderer, die wir seit Jahrzehnten willkommen heißen, arbeiten keineswegs nur in Billigjobs, sondern quer durch die Bank in gutbezahlten und anspruchsvollen Tätigkeiten. 13 Prozent der Ärzte in Deutschland sind Zuwanderer, bei Wissenschaftlern, IT-Fachkräften und Ingenieuren sind es 15 Prozent, bei Forschern und Professoren 20 Prozent und bei Managern immerhin noch 10 Prozent. Kein Mensch kann also behaupten, wir wären nicht vielfältig.
Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere ist die, dass allein Vielfalt und Toleranz die deutsche Wirtschaft nicht retten werden. Denn auch die besten Zuwanderer können in einer Wirtschaft, die unter ungünstigen Standortbedingungen leidet, nichts ausrichten. Eine galoppierende Bürokratie, himmelhohe Energiepreise, exorbitante Unternehmenssteuern, ein intransparentes und verworrenes Steuerrecht, ein inflexibles Arbeitsrecht und andauernde Eingriffe des Staates in die Wirtschaft sind die wahren Probleme am Standort Deutschland.
Die Kampagne offenbart die Doppelmoral der Unternehmen
Aber davon wollten die 40 Familienunternehmen lieber nicht reden, denn das hätte Mut und Chuzpe verlangt. Da hätten sie sich mit grünen Behörden, gierigen Steuereinnehmern, verbiesterten Bürokraten und administrativen Zeloten einmal ein bisschen anlegen müssen. Das aber war aber weder die Absicht der Familienunternehmen noch der beiden nicht sonderlich bekannten Unternehmerverbände.
Die wollten nämlich gar nicht auf wirtschaftliche Probleme hinweisen, weil sie selbst in Deutschland gar nicht mehr so viel herstellen, sondern längst da produzieren, wo die Umweltauflagen geringer, die Steuern tiefer, die Löhne niedriger und die Behörden geschmeidiger sind. Der Mähdrescherhersteller Claas z. B. hat 60 Prozent seiner Produktion nach Frankreich, Russland, Indien und die USA ausgelagert. Oder der Staubsauger- und Vielfaltsspezialist Vorwerk, der fertigt 70 Prozent seiner Produkte in China, Frankreich und Italien. Oder der Motorsägen-Gigant Stihl, ein werteorientiertes Familienunternehmen, wenn es je eines gab, das 80 Prozent seiner Sägen in den USA, Brasilien, China und Österreich produziert.
Ein letzter Versuch, die Ampel-Politik zu retten
Aber die Familienunternehmen hatten mit ihrer Kampagne auch keine Kritik am Standort Deutschland im Sinn, sondern ganz was anderes: Schützenhilfe für die Politik. Sie wollten nicht mit Argumenten streiten, sondern mit gefühliger Ideologie wabern, weil sie dachten, sie könnten so den drohenden Untergang der Ampel-Parteien bei den Wahlen im Osten verhindern. Weil sie annehmen, dass die kümmerliche Image-Kampagne einer drittklassigen Agentur den Wählerwillen beeinflussen könnte. So, als könnten die Menschen im Osten nicht selbst entscheiden, welche Partei sie warum wählen. Als bräuchten sie nach Jahrzehnten der DDR-Diktatur und 16 alternativlosen Merkel-Jahren schon wieder jemanden, der ihnen sagt, wo es politisch langgeht.

Christian Lindner, Olaf Scholz und Robert Habeck bei ihrer Haushalts-PK im Juli 2024.
Das wird nicht funktionieren. Die Wähler wissen sehr genau, was sie wollen, und sie kommen ohne Image-Kampagnen zu ihrer Wahlentscheidung. Wie hat der amerikanische Präsident Abraham Lincoln einmal gesagt: „You can fool some of the people all of the time, and all of the people some of the time, but you can not fool all of the people all of the time.“ (Man kann einige Leute immer und alle Leute eine Zeitlang verschaukeln, aber alle Leute immer verschaukeln kann man nicht.) Das werden offene Familienunternehmen und tolerante Ampelparteien noch vielfältig erfahren.
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