Zu wenig sauberer Strom: 1 Milliarde Steuergeld für „grünen Stahl“, den wir gar nicht produzieren können
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1 Milliarde Euro hatte Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) im April 2023 freudestrahlend an Gunnar Groebler, den Vorstandsvorsitzenden eines der größten deutschen Stahlkonzerne, überreicht, um die Produktion von „grünem“, also CO2-armem Stahl vorantreiben. Salzgitter-Chef Groebler schimpft nun aber, dass sein Unternehmen zwar in zwei Jahren bereit wäre, den ersten grünen Stahl zu produzieren, aber dafür die von der Ampel-Regierung versprochene saubere Energie fehlt!
„Wir sind jetzt an dem Punkt, wo wir ab 2026 Grünen Stahl produzieren könnten – sowohl technologisch als auch von den Menschen, die bei uns arbeiten – aber der grüne Strom, der grüne Wasserstoff wird nicht da sein, sodass wir da noch hängen“, sagte Groebler im neuen ARD-Talk von Caren Miosga, Habeck saß ihm direkt gegenüber.

Salzgitter-Chef Gunnar Groebler
Das große Problem: Der grüne Strom fehlt nicht nur, er ist wegen der Energiepolitik der Bundesregierung im weltweiten Vergleich auch noch sündhaft teuer!
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„Global nicht wettbewerbsfähig“
„Das ist eines unserer Probleme, dass wir in dieser Übergangsphase hin zu erneuerbaren Energien mit einem Strompreis konfrontiert sind, der uns global nicht wettbewerbsfähig macht“, so Groebler weiter.
Das war das große Versprechen der Energiewende, dass Wind und Sonne keine Rechnung schicken, dass Energie durch erneuerbare Energien günstiger wird. Daran glaubt Robert Habeck auch weiterhin, wie er sagte: „Ich bin der festen Überzeugung, dass wir mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien die wahrscheinlich ökonomisch beste Lösung haben.“
Habeck gab derweil vor laufender Kamera zu, nicht zu wissen, wie hoch der Strompreis für Unternehmen ist.

Auf dem Gelände der Salzgitter AG wird viel gebaut, um einen Teil der Stahlproduktion von CO2-Emissionen zu befreien.
Netzentgelte treiben Strompreise
Richtig ist, dass die Kosten für die Herstellung für Strom aus Wind und Sonne – die sogenannten Gestehungskosten – sehr günstig sind. Was in der Rechnung aber gerne ignoriert wird, ist, dass dafür das Stromnetz radikal umgebaut werden muss: 500 Milliarden Euro werden allein dafür in den kommenden Jahren fällig sein, wie die Bundesnetzagentur vor kurzem mitteilte. Auch die Zuschüsse für die Betreiber von Windparks und Solarflächen fressen jedes Jahr Milliarden auf, mehr als 18 Milliarden Euro allein 2024. Auch die Eingriffe in die Stromproduktion, um das Stromnetz zu stabilisieren, werden dank Wind und Sonne immer aufwändiger und teurer (2022: 4,2 Milliarden Euro).
Heißt: Auf die günstigen Gestehungskosten werden immer mehr sogenannter Netzentgelte aufgeschlagen, die den Preis auf der Stromrechnung dann in die Höhe treiben. Es ist also richtig, dass Wind und Sonne keine (oder nur eine kleine Rechnung) schicken, die Rechnung der Übertragungsnetzbetreiber für die Integration des Sonnen- und Windstroms ins System ist dafür aber umso höher.
Auch Habeck ist das klar: „Ohne den Netzausbau ist auch keine Lösung.“ Und weiter: „Die Frage würde ich so formulieren: Ist der Gedanke richtig, dass wir die Kosten, die der Netzausbau hat, jetzt sofort den Verbrauchern oder auch der Industrie aufbrummen? Das, meine ich, ist nicht notwendigerweise die beste und klügste Antwort.“
Woher das Geld für den Hunderte Milliarden Euro teuren Netzausbau dann kommen soll, sagte der Wirtschaftsminister nicht.
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Julius Böhm
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