Keir Starmer kniete für George Floyd, schwieg aber monatelang zu Henry Nowak
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Der 18-jährige Henry Nowak stirbt auf der Straße, gefesselt von der Polizei, während sein Mörder danebensteht. Der britische Premierminister Keir Starmer sagt nichts. Bis der Druck zu groß wird.
Der Fall des ermordeten Henry Nowak erschüttert weiterhin Großbritannien. Auf kürzlich veröffentlichten Bodycam-Aufnahmen ist zu sehen, wie er auf dem Boden liegt und die Polizeibeamten mehrfach um Hilfe anfleht: „I can’t breathe“ („Ich kann nicht atmen“). Doch statt Hilfe zu erhalten, wird er verhaftet. Kurz darauf verstirbt er. Der Täter, der 23-jährige Sikh Vickrum Digwa, wurde mittlerweile zu lebenslanger Haft mit einer Mindeststrafe von 21 Jahren verurteilt.
„I can’t breathe“ – es sind dieselben letzten Worte wie bei George Floyd. Doch die politischen Reaktionen sind vollkommen unterschiedlich.

Fünf Stichwunden erlitt Henry Nowak und starb gefesselt auf der Erde.
Wut auf der Straße – und im Netz
Nach der Urteilsverkündung tritt Henrys Vater Mark Nowak vor die Kameras. Seine Bitte: „Wir wollen nicht, dass Henrys Tod genutzt wird, um weitere Spaltung, Hass oder Spannungen zu schüren. Wir wollen, dass seine Geschichte unsere Straßen für alle sicherer macht.“
Trotzdem versammeln sich am Abend des 2. Juni 2026 über 1.000 Menschen vor der Polizeiwache in Southampton. Es gibt eine Schweigeminute für den Ermordeten, immer wieder sind „Shame on you“-Rufe zu hören. Später marschieren Gruppen zu dem Wohnviertel, wo Henry Nowak ermordet wurde. Die Demonstranten fordern die Polizisten dazu auf niederzuknien. Immer wieder rufen sie „I can’t breathe“.

Rund 1.000 Demonstranten versammelten sich vor der Polizeistation in Southampton.
Dann kippt die Stimmung. Im Stadtteil Saint Denys werden Polizisten mit Steinen beworfen. Beamte rücken mit Plexiglasschilden vor. Im Portswood-Viertel, unweit des Tatorts, eskaliert die Lage weiter. Demonstranten bewerfen die Einsatzkräfte mit Stühlen, Steinen und Leuchtfackeln. Müllcontainer werden angezündet, Beamte werden beschimpft. Die Polizei setzt Pfefferspray ein. Straßen werden abgeriegelt, Polizeihubschrauber kreisen über der Stadt.

Bei den Protesten wurden nach offiziellen Angaben 11 Polizisten verletzt.
Im Netz überschlagen sich die Reaktionen. Auf Social Media werden Polizisten, die nicht einmal am Einsatz beteiligt waren, mit Namen, Adressen und Fotos veröffentlicht. Die Hampshire Police Federation spricht von Aufrufen zur „Selbstjustiz“ und fordert Politiker und Influencer auf, Verantwortung zu übernehmen.
Ein Beamter, der tatsächlich vor Ort war, tritt still und leise zurück – ohne jede Konsequenz. Drei weitere sind weiter im Dienst. Alle gelten bislang nur als Zeugen.
Was Keir Starmer DAMALS sagte – und was er HEUTE sagt
Als der Afroamerikaner George Floyd am 25. Mai 2020 in Minneapolis gestorben war, reagierte Keir Starmer, damals Oppositionsführer, sofort.
Im Unterhaus sagt er, Floyds Tod habe „ein Licht auf Rassismus und Hass geworfen, den viele in den USA und darüber hinaus erleben“. Er schreibt dem Premierminister Boris Johnson einen Brief: „Ich habe meine Erschütterung und Wut über die Tötung von George Floyd zum Ausdruck gebracht. Großbritannien hat eine moralische Verpflichtung, sich zu äußern.“

Dann kniet er nieder. Das Foto geht um die Welt. Henry Nowak stirbt am 3. Dezember 2025. Keir Starmer sagt – nichts. Die offizielle Begründung: Öffentliche Aussagen könnten das laufende Verfahren beeinflussen.
Erst am 1. Juni 2026, dem Tag der Urteilsverkündung, und nachdem der öffentliche Druck aufgrund des veröffentlichten Bodycam-Materials zu groß wird, bricht Starmer sein Schweigen auf X:

„Henry Nowak war freundlich, nachdenklich und sehr geliebt. Das Bodycam-Material ist erschütternd. Es ist absolut richtig, dass das IOPC dies untersucht. Es gibt ernste Fragen, die die Polizei beantworten muss.“
Einen Tag später, am 2. Juni, sagt er Journalisten, er habe sich „krank gefühlt“, als er die Videoaufnahmen sah. Er fordert eine Untersuchung, wie „Vorwürfe des Rassismus“ die Entscheidungen der Polizisten beeinflusst haben könnten.
Deutliche Worte von Reform UK und Restore UK
Nigel Farage, Parteichef von Reform UK, nannte das Bodycam-Material „das schockierendste Diskriminierungsmaterial, das man je gesehen haben wird“ und sagte: „Ein weißer Junge wird von Polizisten gefesselt, denen eine Rassismusanschuldigung wichtiger war als ein Mord. Das muss ein Wendepunkt sein. White lives matter too.“ Farage lobte zwar Henrys Familie für ihre „außerordentlich würdevolle“ Haltung, rief aber andere dazu auf, mit „reiner eiskalter Wut“ zu reagieren. Er behauptete, die größte Angst eines Polizisten sei heute, wegen rassistischen Verhaltens gemeldet zu werden.

Nigel Farage, Vorsitzender der britischen Reform-Partei
Restore Britain, eine Abspaltung von Reform UK unter Führung von Rupert Lowe, ging im Fall Nowak noch deutlich weiter als Farage. Lowe forderte auf X die Todesstrafe für Digwa: „Eine Restore-Britain-Regierung würde Vickrum Digwa mit Zustimmung des britischen Volkes hinrichten. Henry Nowak wurde fünfmal gestochen – zweimal in die Beine, einmal ins Gesicht, und ein tödlicher Stich in die Brust.“ Er fügte hinzu: „Statt einen Krankenwagen zu rufen, filmte Digwa Henry. Digwa gab das Messer seiner Mutter, die es mit über 20 weiteren Waffen bei sich zu Hause versteckte. Diesen Wilden am Leben zu lassen, dient niemandem.“

Rupert Lowe, ehemaliges Mitglied von Reform UK, gründete die neue Partei Restore Britain.
Lowe forderte außerdem, dass die Polizisten, die „Henry sterben ließen“, wegen fahrlässiger Tötung strafrechtlich verfolgt werden – und dass „Digwas ausländische Familie“ abgeschoben werde.
Starmer kritisiert Farage – der reagiert sofort
Keir Starmer verurteilte die Aussagen seiner politischen Gegner: „Farage reagiert völlig falsch. Ich fange bei der Familie an – sie wollen das nicht aufgebauscht haben. Und Farage liegt völlig falsch, wenn er das nutzt, um Spaltung zu erzeugen. Er würde in jedem Fall falsch liegen – aber wenn Henrys Familie sagt: ‚Bitte tut das nicht, es ist unser Sohn‘, dann sollten wir als Politiker und als Menschen dort ansetzen, wo sie ansetzen.“

Premierminister Keir Starmer und Innenministerin Shabana Mahmood
Er warf den Demonstranten vor, „Spaltung zu schüren“, entgegen dem ausdrücklichen Wunsch der Familie Nowak. Die direkte Verurteilung der Gewalt überließ er seiner Innenministerin Mahmood, die die Ausschreitungen als „inakzeptabel“ bezeichnete.
Farage ließ das nicht gelten und konterte: „Erinnert ihr euch an die Reaktion auf George Floyd? Binnen weniger Tage kniete Keir Starmer nieder. Black Lives Matter explodierte im ganzen Land. Churchills Statue wurde beschmiert. Und was ist die öffentliche Reaktion unserer Anführer auf Henry Nowak? Schweigen. Absolutes Schweigen.“
Das Schweigen der deutschen Medien
Als George Floyd 2020 starb, berichteten deutsche Medien wochenlang. Der Hashtag #BlackLivesMatter trendete überall, Deutschland kniete mit. Ganz anders im Fall Henry Nowak. Über seinen Tod wurde, wenn, nur vereinzelt berichtet, und sogar jetzt, wo die britische Gesellschaft vor der nächsten Zerreißprobe steht, findet kaum Berichterstattung in der deutschen Medienlandschaft statt.
So berichtete die Tagesschau das erste Mal am 2. Juni unter der Überschrift „Britische Polizei nach folgenschwerem Fehler unter Druck“ über Henry Nowak und weist direkt im ersten Absatz darauf hin, dass „Rechte versuchen, die Tat politisch auszuschlachten“. Bei ZDF heute wurde sogar erst am 3. Juni erstmalig über den Mord, der im Dezember 2025 stattfand, berichtet.
Das ist kein Zufall. Das ist ein Muster. Und es ist dieselbe Frage, die sich gerade Großbritannien stellt: Warum wurde über diese beiden Fälle so unterschiedlich berichtet?
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Christopher Hayn
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