„Omas gegen Rechts“ bringen neuen KI-Chatbot heraus
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Die Hürther Ortsgruppe des NGO-Verbands „Omas gegen Rechts“ hat einen KI-Chatbot namens „Klara Klartext“ eingerichtet. Dieser soll Nutzern dabei helfen, „politische Aussagen einzuordnen“, „Parolen zu kontern“ und „Unterrichtsmaterial zu entwickeln“. Das Problem: Der vermeintlich „faktenbasierte“ Chatbot gibt vor allem linkspopulistische Narrative von sich.
Sie spricht mehrere Sprachen, darunter Arabisch und Paschtu, und soll dabei helfen, „politische Aussagen, Programme und öffentliche Debatten besser zu verstehen“, und das angeblich ganz ohne „parteipolitische Einflussnahme“. Außerdem soll sie freundlich und „wachsam“ sein: „Klara Klartext“, die neue virtuelle KI-Assistentin der „Omas gegen Rechts“.

Die „Omas gegen Rechts“ sind bundesweit organisiert und in zahlreichen Städten aktiv. Sie setzen sich für linke Anliegen ein, etwa für die Aufrechterhaltung der Brandmauer, die Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens oder gegen Abschiebungen.
Interessierte Nutzer sollen durch den Chatbot nicht nur dabei unterstützt werden, „Manipulation“ zu erkennen und „souverän auf Populismus und Falschaussagen zu antworten“, auch Lehrkräfte sollen das Tool nutzen können, um beispielsweise altersgerechte Unterrichtsmaterialien zu erstellen. Zur Auswahl stehen dabei drei verschiedene Modi: „Auf Parolen reagieren“, „Politische Aussagen erklären“ und „Für Lehrer:innen und Pädagog:innen“.
Kein eigenes KI-Programm
Laut Website greift „Klara Klartext“ für ihre Antworten auf die KI von OpenAI zurück – also die gleiche Technologie, die auch ChatGPT antreibt. Ein individueller Befehl („Prompt“) legt dabei lediglich fest, in welchem Ton und mit welcher Ausrichtung „Klara Klartext“ reagiert.
Der Befehl, den die „Omas gegen Rechts Hürth“ dem Chatbot gegeben haben, kann transparent auf der Website des KI-Bots eingesehen und kopiert werden. Im Prompt heißt es an das KI-Programm unter anderem: „Deine Aufgabe ist es, Nachrichtenartikel klar, objektiv und mit Blick auf demokratische Werte zu interpretieren“, „Zeige auf, wo mögliche Desinformation, rechte Narrative oder Spaltungsversuche vorkommen könnten“ oder „Schlage Wege zur Überprüfung vor – z. B. durch seriöse Medien, Faktenchecks oder wissenschaftliche Quellen.“
Welche Plattformen für die „Omas gegen Rechts“ in Hürth als „seriöse Medien“ gelten und welche wissenschaftlichen Quellen der Bot heranzieht, bleibt dabei unklar.

Auf diesem Befehl basiert der KI-Chatbot „Klara Klartext“.
Im Impressum der KI-Website findet sich die „WE AID gGmbH“, ein Unternehmen, das NGOs unterstützt und ihnen dabei hilft, „Spenden für gemeinnützige Zwecke“ zu sammeln oder bereits gesammelte Spenden an andere gemeinnützige Organisationen „im In- und Ausland weiterzuleiten“.

Online wirbt die Initiative „WE AID gGmbH“ mit einem Spendenaufruf, um 5000 Euro für den Chatbot und die Initiative in Hürth zu sammeln.
„Klara Klartext“ im NIUS-Test
Wer derzeit versucht, dem KI-Chatbot eine Frage zu stellen, kommt nicht weit: Auf der Seite erscheint lediglich ein rotes „Error“-Fenster. Um dennoch herauszufinden, wie „Klara Klartext“ auf politische Fragen reagiert, hat NIUS den öffentlich einsehbaren Prompt direkt in ChatGPT getestet und dem System in allen drei Modi fiktive Fragen gestellt.

Wer „Klara Klartext“ aktuell eine Frage stellt, bekommt als Antwort nur eine „Error-Meldung“.
3 Fragen, 3 linkspopulistische Antworten
Obwohl der Chatbot sowohl „faktenbasiert“ als auch „klar, objektiv und mit Blick auf demokratische Werte“ arbeiten soll, zeigte er sich deutlich politisch gefärbt.
NIUS stellte dem Bot unter anderem folgende fiktive Nutzerfrage:
„Mein Arbeitskollege sagt, dass der deutsche Staat ihm durch Steuern große Teile seines Gehalts wegnehmen würde und dass er gegen seinen Willen arbeitslose Migranten mit seinen Steuern aushalten würde. Zudem äußert er sich regelmäßig negativ über den Islam und sagt, dass dieser Frauen unterdrücken würde und nicht mit westlichen Werten kompatibel sei. Wie soll ich reagieren?“
Darauf antwortete der Bot unter anderem, Deutschland habe zwar „vergleichsweise hohe Sozialabgaben“, doch „Arbeitslosengeld oder Bürgergeld erhalten nicht nur Migranten, sondern Menschen unterschiedlichster Herkunft“. Außerdem hieß es: „Der Anteil von Sozialausgaben speziell für Migranten wird in politischen Debatten oft stark vereinfacht oder emotionalisiert dargestellt.“
Dass Migranten und Asylbewerber statistisch gesehen besonders häufig im Leistungsbezug sind, ließ der Bot dabei aus.

NIUS konfrontierte den Chatbot mit fiktiven Szenarien.
Stattdessen empfiehlt er, die Person zu fragen: „Geht es dir generell um hohe Steuern oder speziell um Migranten?“ Denn: „Das hilft oft, pauschale Schuldzuweisungen sichtbar zu machen.“
Außerdem schlägt er die Formulierung vor: „Man kann Probleme bei Integration kritisieren, ohne ganze Bevölkerungsgruppen abzuwerten.“ Wenn Gespräche „menschenfeindlich“ würden, könne man sagen: „Ich möchte nicht, dass Menschen generell abgewertet werden.“
„Problematische AfD-Punkte“ und Verharmlosung von Mobbing durch arabische Kinder
Auch in einer zweiten fiktiven Situation zeigt sich diese politische Schlagseite. NIUS stellte dem Bot die Frage:
„Mein zehnjähriger Sohn wird in der Schule gemobbt und von seinen arabischen Klassenkameraden als ‚Kartoffel‘ und ‚Weißbrot‘ beschimpft. Zudem wird er auf dem Schulhof ausgeschlossen, weil er deutsch ist und nicht mit den anderen Kindern auf Arabisch sprechen kann. Ist das Rassismus?“
Darauf antwortete der Bot unter anderem: „Wichtig: Nicht ‚arabische Kinder‘ sind das Problem, sondern konkretes verletzendes Verhalten einzelner Kinder.“ Dass an immer mehr Schulen von Konflikten berichtet wird, bei denen Kinder mit Migrationshintergrund Kinder ohne Migrationshintergrund ausgrenzen oder beschimpfen, erwähnt der Bot nicht.

Der Bot der „Omas gegen Rechts“ Hürth spielt Mobbing gegen weiße Kinder herunter.
Stattdessen schlägt er vor, den Mobbern zu sagen: „Wir wollen keine Schuldzuweisung gegen Herkunftsgruppen. Wir wollen, dass alle Kinder lernen: Niemand wird wegen Sprache, Herkunft oder Aussehen ausgeschlossen.“
Zudem gibt es auf der Website den vorformulierten Reiter „problematische AfD-Punkte“. Klickt man darauf, erscheint die Frage: „Was sind die problematischsten AfD-Programmpunkte und was macht sie problematisch?“
NIUS stellte diese Frage mit dem genannten Prompt ebenfalls an ChatGPT. Die KI nannte daraufhin sechs Punkte, die sie als vermeintlich problematisch einordnet: „Migration und Asyl“, „Demokratie und Verfassungsschutz“, „EU und Euro“, „Sozial- und Steuerpolitik“, „Klima und Energie“ sowie „Frauen-, Familien- und Gleichstellungspolitik“.

„Problematische Punkte“ der AfD sind hier bereits vorprogrammiert: der „Klara Klartext“-Chatbot.
Als Begründung nennt die KI unter anderem Aussagen wie: „Die AfD will zentrale EU-Strukturen zurückbauen und fordert im Grundsatzprogramm ein Ende des Euro bzw. eine Volksabstimmung darüber“, „Die AfD fordert harte Abschottung, massive Rückführungen und sehr restriktive Asylpolitik“ oder „Die AfD vertritt ein stark traditionelles Familienbild“.
Dass diese Standpunkte nicht verboten sind, sondern Teil des demokratischen Diskurses, erwähnt der vermeintliche Demokratie-Bot nicht.
KI soll gegen „falsche Argumente der AfD-Sympathisant*innen“ helfen
Auf der Website der „Omas gegen Rechts Bundesweit“ wurde bereits im März 2026 über eine Auftaktveranstaltung zur KI-Assistentin „Klara Klartext“ in Hürth berichtet. Passend zum Weltfrauentag hieß es dort: „echte Frauenpower!“
Auch die Ortsgruppe Ahrensburg der „Omas gegen Rechts“ bewirbt den KI-Bot auf ihrer Website.
Obwohl in den Leitlinien des KI-Chatbots unter anderem von „demokratischer Verantwortung“ und „Förderung kritischen Denkens“ die Rede ist, bewirbt die Ortsgruppe das Angebot als „Argumentationshilfe“ gegen „provokante und falsche Argumente der AfD-Sympath*innen“.
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Joelle Rautenberg
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