Krise in der Autoindustrie: Deutsche Zulieferer müssen Standorte schließen
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Der deutsche Autozulieferer Mahle hatte vor zwei Wochen angekündigt, sein Werk in Neustadt an der Donau zu schließen. 350 Mitarbeiter bauen dort Auto-Klimaanlagen. Jetzt planen die Mitarbeiter zu streiken. Das Unternehmen verweist auf wegfallende Aufträge, die Gewerkschaft dagegen wirft dem Management vor, ein wirtschaftlich tragfähiges Werk allein aufgrund höherer Arbeitskosten zu schließen.
Dieser Konflikt ist typisch für die Krise in der deutschen Autoindustrie. Es betrifft nicht nur Mahle. Auch Branchengrößen wie ZF und Bosch schließen Standorte in Deutschland, wie die Welt schreibt. Oft geschieht dies zugunsten günstigerer Alternativen in Ost- und Südeuropa. Gründe dafür schildert die jährliche Zuliefererstudie der Beratung Berylls von Alix Partners. Fazit: Die Autohersteller wälzen – selbst unter Druck – einen Teil der Sparmaßnahmen auf ihre Zulieferer ab.
Chinesische Hersteller sind kostengünstiger
Die Folge ist global spürbar. Obwohl weltweit vier Prozent mehr Autos abgesetzt wurden, sank der Umsatz der 100 größten Zulieferer weltweit um 2,2 Prozent auf knapp eine Billion Euro. „Angesichts sinkender Gewinne konzentrieren sich die Fahrzeughersteller wieder stärker auf Kostensenkungen. Besonders betroffen ist dabei der Materialaufwand – und damit die Zulieferindustrie“, heißt es in der Studie. Unter Preisdruck kommen die Hersteller in Asien und Europa auch, weil Fahrzeuge aus China häufig ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. „Seit dem Jahr 2000 sind die Erzeugerpreise in China deutlich langsamer gestiegen als in Deutschland oder in den USA. Deshalb verfügen chinesische Zulieferer über erhebliche Kostenvorteile gegenüber westlichen Wettbewerbern“, analysieren die Berater.
In Europa kaufen immer weniger Privatkunden Neuwagen – ein Trend, der auch mit dem hohen Preisniveau zusammenhängt. Gleichzeitig steigt das Durchschnittsalter der Autos auf deutschen Straßen kontinuierlich, und der Markt driftet immer stärker in Richtung Kleinwagen. Europäische Hersteller scheinen sich mit ihren Preisen selbst aus dem Markt zu katapultieren, während chinesische Anbieter ihren Marktanteil in Europa rasant ausbauen – wenn auch von einem noch niedrigen Niveau aus.
Klimaanlagen-Werk muss schließen
Um gegenzusteuern, versuchen die heimischen Autokonzerne massiv, ihre Produktionskosten zu senken. Weil Stellenabbau in den Werken teuer und kompliziert ist, setzen sie vor allem auf günstigere Zulieferteile. Davon ist nun auch Mahle in Neustadt betroffen. „Immer weniger Kunden sind bereit, die hohen Standortkosten in Deutschland und die daraus resultierenden Preise zu akzeptieren“, erklärte Mahle-Manager Martin Wellhöffer. Deshalb müsse das Klimaanlagen-Werk schließen, das zahlreiche Varianten für Premium-Fahrzeuge produziert – trotz effizienter Prozesse und einer innovativen Belegschaft. Nach Auslaufen der aktuellen Aufträge werde der Standort nur noch zu einem Drittel ausgelastet sein. Teile der Anlagen sollen künftig im slowakischen Werk wiederaufgebaut werden.
Engpässe in der Übergangsphase sollen laut Unternehmen vorübergehend durch Importe aus Fernost abgefangen werden. Eine Verlagerung der Produktion nach China sei jedoch ausdrücklich nicht geplant, betonte eine Mahle-Sprecherin. Der örtliche IG-Metall-Vertreter Ingo Irmischer zeigte sich hingegen enttäuscht: „Der Arbeitgeber hat weder unsere Ideen aufgegriffen noch eigene Lösungsvorschläge gemacht. Offenbar stand die Schließung intern schon lange fest.“
Bosch bleibt spitze
Im aktuellen Berylls-Ranking der weltgrößten Zulieferer rutschte Mahle leicht von Platz 31 auf 33 ab. An der Spitze steht weiterhin Bosch. Der chinesische Batteriehersteller CATL kletterte mit 20 Prozent Umsatzwachstum von Platz sieben auf drei. CATL betreibt bereits Werke in Thüringen und Ungarn. Die deutschen Zulieferer hatten dagegen vor Jahren entschieden, nicht ins Rennen um die Batterie der Zukunft einzusteigen. Einziger Lichtblick: Volkswagen baut derzeit als einziges deutsches Unternehmen im eigenen Land eine neue vollwertige Fabrik, die das auslaufende Motorenwerk in Salzgitter ersetzen soll.
Die europäischen Manager fürchten laut einer Berylls-Umfrage, dass ihr Qualitäts- und Innovationsvorsprung in den nächsten Jahren weiter schrumpft, während die Kosten nur leicht sinken. Besonders dramatisch ist der Arbeitsplatzabbau: Zum Ende des dritten Quartals 2025 arbeiteten in Deutschland rund 48.700 Menschen weniger in der Auto-Branche als ein Jahr zuvor – ein Minus von 6,3 Prozent. So wenige Beschäftigte gab es zuletzt Mitte 2011.
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