Die Angst vor Kernenergie ist tödlicher als Kernenergie selbst – und das lässt sich beweisen
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Ben BrechtkenAm 11. März 2011 wurde Japan erst von einem historischen Erdbeben und kurz darauf folgend von einem verheerenden Tsunami heimgesucht. Besonders betroffen war die kleine Küstenstadt Onagawa mit lediglich 10.000 Einwohnern. 70 bis 80 Prozent der Stadtgebäude wurden zerstört oder stark beschädigt. Große Teile des Stadtzentrums und Hafens wurden vollständig weggespült. Der rund 15 Meter hohe Tsunami sorgte für 827 Todes- oder Vermisstenfälle, fast zehn Prozent der Bevölkerung erlebten den Abend nicht.
Es hätte noch schlimmer kommen können, wäre die Stadt nicht mit einem Kernkraftwerk gesegnet gewesen. Die leicht erhöht stehende Anlage mit hinreichend hohen Schutzmauern war an diesem Tag des Schreckens der erste Zufluchtsort für Hunderte Menschen. Das Kraftwerk hielt dem Erdbeben mit einer Magnitüde von 9,0 bis 9,1 und einem gigantischen Tsunami stand. Es war das sicherste Gebäude in der ganzen Region. Es rettete zahlreichen Menschen das Leben.

Einst von einem Tsunami erfasst: Dieses Luftbild zeigt in Nuklearanlagen in Fukushima

Das Erdbeben hatte zahlreiche Häuser an der japanischen Küste zerstört.
Kein Mensch in Deutschland kennt das Kernkraftwerk in Onagawa. Dafür kennt jeder Deutsche jenes in Fukushima, dessen Schutzmauern 2011 zu niedrig waren, mit einer Kernschmelze als bestens bekannter Folge. Die politische Instrumentalisierung Fukushimas sorgte für den endgültigen Atomausstieg der Bundesrepublik und für eine Mystifizierung, die bis heute viele Köpfe vernebelt.
Tsunamis und Atommythen vernebeln die Erinnerung
Die Uhr lässt sich danach stellen. An jedem Jahrestag dieses Ereignisses findet sich garantiert eine linke Institution oder eine linke Politikeraussage, die die vielen Tsunami- und Erdbebenopfer dem berüchtigten Kernkraftwerk zuzuschieben versucht. Kernenergie soll so zur „Hochrisikotechnologie“ erklärt und gesellschaftlich unmöglich gemacht werden. Beim diesjährigen Jahrestag waren es die BR-24-Nachrichten, als öffentlich-rechtliche Organe eigentlich zur Ausgewogenheit und Wahrheitstreue verpflichtet, die den Preis für die verlogenste Berichterstattung für sich gewinnen konnten.
„Jahrestag: Japan erinnert an Atomkatastrophe von Fukushima vor 15 Jahren“, so titelte der Bayerische Rundfunk in der letzten Woche. Weiter im Text: „Japan gedenkt Opfer der Atomkatastrophe von Fukushima: Landesweit legten die Menschen Blumen und Kränze für die rund 20.000 Toten nieder. Heute vor 15 Jahren hatte ein Erdbeben der Stärke 9,0 den Nordosten Japans erschüttert. Das löste einen Tsunami aus, die Flutwelle traf unter anderem das AKW in Fukushima. Dort kam es zu einer Kernschmelze.“
Keine Rede von einer Tsunamikatastrophe, klarer Fokus auf die „Atomkatastrophe“. Der vertrauensvolle Leser muss nach so einem Text glauben, dass das Kernkraftwerk in Fukushima für Tausende Tote verantwortlich war, während Erdbeben und Tsunami nur Nebenereignisse darstellten.

Framing in deutschen Medien: Aus „Naturkatastrophe“ wird „Atomkatastrophe“.
Wie viele Menschen sind denn überhaupt wegen der Kernschmelze, wegen der radioaktiven Verseuchung, wegen der „Atomkatastrophe“ von Fukushima gestorben? Hier die Antwort: eine Person. Ein Arbeiter des Kraftwerks, staatlich anerkannt, im Jahr 2018. Die Weltgesundheitsorganisation, die Universität Tokyo, der japanische Staat, das zuständige Komitee der Vereinten Nationen – sie alle kamen zu dem gleichen Schluss: Abgesehen von dieser einen Person keine weiteren direkt zurechenbaren Opfer.
Das Kernkraftwerk in Onagawa hat zig- oder sogar hundertfach mehr Menschenleben gerettet als das zerstörte Kernkraftwerk in Fukushima. Die Angst vor der radioaktiven Strahlung, die panische Evakuierung Fukushimas hat dagegen über 2.000 Menschen das Leben gekostet. Alte Menschen, Patienten in Krankenhäusern, jeder wurde evakuiert, ohne Rücksicht auf Details wie die Sicherstellung von genügend Getränken oder Schutzvorkehrungen gegen Unterkühlung. Die Unterbringung in nicht adäquaten Einrichtungen, die Trennung von den Liebsten, der Stress und die Angst sorgten für tausendmal mehr Tote als die Kernschmelze an sich.

Das Kernkraftwerk in Onagawa
Panikmache wegen Strahlung im Alltag
Die Angst vor ionisierender Radioaktivität beruht auf mangelndem Wissen über sie und sorgt für weitaus mehr Opfer als die radioaktive Strahlung selbst. 84 Prozent der Strahlung, der wir Menschen ausgesetzt sind, ist natürlicher Herkunft. Sie ist genauso gefährlich oder ungefährlich wie aus Atomenergie resultierende Strahlung. Kosmische Strahlung, terrestrische Strahlung, unsere Lebensmittel, weitere Einflüsse aus der Umwelt, noch nie hat ein Öko einen „Nein, danke!“-Sticker dafür entworfen, sie sind aber allgegenwärtig. 15 Prozent der Strahlung haben wir der Medizin zu verdanken und, jetzt kommt es, nur 0,3 Prozent Atombomben, Nuklearunfällen, Kernkraftwerken und Atommüll zusammen! 0,3 Prozent, die 100 Prozent der Panik auf sich ziehen.
Kardiologen und Radiologen, Piloten und Stewardessen sind in ihren Berufen einer höheren Strahlungslast ausgesetzt als Mitarbeiter eines Kernkraftwerks oder Menschen, die in direkter Nachbarschaft eines solchen wohnen. Die ewig nervtötende Frage nach dem Lagerort für Atommüll kann also selbstbewusst mit „meinetwegen in meinem Garten“ beantwortet werden.
Die tödliche Bilanz: Kernkraft versus Erneuerbare
Kernenergie ist statistisch sicherer als Wind- und Solarenergie. Selbst dann, wenn die wenigen Dutzend bis wenigen Tausend Tschernobyl-Toten mit einberechnet werden, liegt die Kernenergie bei 0,01 bis 0,07 Todesfällen pro produzierter Terawattstunde, während es bei Windkraft bis zu 0,15 und bei Solarenergie sogar bis zu 0,44 Todesopfer sind. In Deutschland sterben innerhalb weniger Jahre mehr Menschen bei der Montage von Photovoltaikanlagen als in über 60 Jahren des Betriebs von Kernkraftwerken. In über 60 Jahren „Hochrisikotechnologie“ gab es keinen einzigen zurechenbaren Toten durch zu hohe Strahlungsbelastung und nur vier verstorbene Arbeiter. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

„Atomkraft nein Danke“: Ideologie in deutschen Köpfen.
Weil die Kernenergie so eine sichere Form der Energiegewinnung ist, ist der Kampf gegen sie nicht nur ein Kampf gegen günstigen, jederzeit verfügbaren Strom, sondern auch ein Kampf gegen Menschenleben, gegen viele Menschenleben. Die Vorteile der Kernenergie hören nämlich nicht bei der Vermeidung von Todesfällen auf, richtig glänzen kann sie bei der Rettung von Menschenleben, deren Zahl weit über die paar Hundert Einwohner Onagawas hinausgeht.
Wie Kernkraft Millionen rettet
Der amerikanische Klimaforscher, Columbia-Professor und jahrzehntelange Direktor des „Goddard Institute for Space Studies“ der NASA James E. Hansen fand mit Berechnungen im Jahr 2013 heraus, dass Kernenergie bis dahin 1,8 Millionen Menschenleben gerettet habe. Zusammen mit seinem Kollegen Dr. Pushker Kharecha kalkulierte er, was die Auswirkungen gewesen wären, wenn von 1971 bis 2009 die durch Kernkraftwerke gewonnene Energie durch fossile Kraftwerke ersetzt worden wäre. Kohle, Gas und Öl sind vergleichsweise wahrlich tödliche Formen der Energieerzeugung. Bei ihnen geht es nicht um die Zahl hinter dem Komma, sondern um Zahlen wie 32, 24, 18 und bei Gas um fast drei verlorene Menschenleben je produzierter Terawattstunde Energie. Wo Kernenergie verschwindet oder gar nicht erst gebaut wird, regieren die fossilen Energieformen, mit allen Konsequenzen.
Für Deutschland konkret bedeutet das laut eines Arbeitspapiers dreier US-Wissenschaftler aus dem Jahr 2020 über 1.000 vermeidbare Todesfälle pro Jahr, weil die Kohlekraftwerke vermehrt für Luftverschmutzung sorgen. Hansen und Kharecha kamen zu dem Schluss, dass Kernenergie in Zukunft noch bis zu sieben Millionen Menschenleben durch die Verdrängung der Fossilen retten könnte.

Ein generationelles Trauma: Die Sperrzone von Tschernobyl Jahre nach der Explosion 1986.
Die Kernschmelze von Fukushima sorgte für einen Todesfall, Tschernobyl hat je nach Quelle ein paar Dutzend bis ein paar Tausend Menschen auf dem Gewissen. Das ändert nichts daran, dass Kernenergie statistisch sicherer als Windkraft und Solarenergie ist. Das darf nicht davon ablenken, dass Kernenergie Millionen Menschenleben gerettet hat und retten wird, weil sie gesundheitsschädliche Kohle-, Gas- und Ölanlagen verdrängt.
Nicht die Strahlung, nicht der Atommüll und auch nicht die Kernschmelze kosten Menschenleben in dem Ausmaß wie die Sprengung oder Verhinderung von Kernkraftwerken. Kernenergie ist keine Hochrisikotechnologie. Hochriskant ist nur die Angst vor ihr.
Auch bei NIUS: Ausstieg aus der Kernenergie: Ein „strategischer Fehler“, für den keiner zur Rechenschaft gezogen wird
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