„Manlove Thursday”, „Schreie in der Nacht”: US-Veteran berichtet über systematischen Missbrauch an Jungen in Afghanistan
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Kriegsgeschichten handeln oft von Gefechten, Strategien und geopolitischen Entscheidungen. Seltener geht es um jene Beobachtungen, die Soldaten jenseits des eigentlichen Kampfgeschehens machen, etwa Begegnungen, die sich einprägen, weil sie moralisch verstören.
Der ehemalige US-Soldat Nicholas Irving schildert in einem aktuellen Podcast systematischen Missbrauch, den er während eines Einsatzes in Afghanistan an Jungen beobachtet hat. Dahinter, so Irving, steckt ein System, das – indirekt – mit der islamischen Geschlechtertrennung zu tun hat, die unter den Taliban bekanntlich in extremster Form praktiziert wird. NIUS schildert die Hintergründe dieses brutalen Unrechts.
Irving, ein vielfach dekorierter Veteran, der inzwischen als tödlicher Scharfschütze eine gewisse Berühmtheit erlangt hat, beschreibt eine Szene, die ihn nach eigenen Worten bis heute nicht loslässt: Auf einer US-Basis in Afghanistan sei er versehentlich in das falsche Zelt geraten. Eigentlich habe er dort Getränke und Verpflegung vermutet. Stattdessen sei er auf eine Gruppe afghanischer Männer gestoßen, die sexuelle Handlungen vollzogen. In diesem Zusammenhang fällt der Begriff „Manlove Thursday“, den Irving als eine inoffizielle Bezeichnung schildert, unter der solche Zusammenkünfte offenbar bekannt gewesen seien.
„Sie waren nicht am ringen ...“
„In Afghanistan gab es so etwas wie einen ‚Manlove Thursday‘. Ich bin da einmal aus Versehen hineingeraten. Ich dachte, es wäre so etwas wie ein Lagerzelt, wo wir unsere Getränke, Gatorade und Snacks aufbewahren. Aber ich war im falschen Zelt – und dort waren über zwanzig Männer, und es sah aus, als würden sie ... – nun; sie waren nicht am ringen“, erzählt Irving. Die Podcast-Folge trägt passenderweise den Titel „The GAYEST Place on Earth Will Surprise You“, auf Deutsch sinngemäß: Du wirst überrascht sein, welcher Ort der Welt der schwulste ist.
Hier die Podcast-Folge des YouTubers Ali Tabrizi:
Der YouTuber Tabrizi, in dessen Format das Gespräch erschien, ergänzt, solche Geschichten seien unter Soldaten, die in Afghanistan im Einsatz gewesen seien, nicht unbekannt. Er verweist dabei auf Berichte über einen US-Soldaten, der getötet worden sei, nachdem er versucht habe, entsprechende Vorgänge zu melden.
Tatsächlich veröffentlichte die New York Times bereits 2015 eine umfangreiche Recherche, in der Soldaten berichten, nachts Schreie afghanischer Jungen auf Militärbasen gehört zu haben. Nach Aussagen von Beteiligten sei ihnen jedoch signalisiert worden, dass ein Eingreifen nicht Teil des militärischen Auftrags sei; die Priorität habe im Kampf gegen die Taliban gelegen.
Strategische Zusammenarbeit mit lokalen Kräften sollte nicht gefährdet werden
Das Problem ist unter dem Begriff „Bacha Bazi“ bekannt, also „Knabenspiel“, eigentlich „Spiel mit Kind“. Es trat vor allem im Umfeld lokaler bewaffneter Kommandeure auf. Aus Interviews und Gerichtsunterlagen ergibt sich, dass US-Soldaten teilweise angewiesen wurden, nicht einzugreifen, wenn es zu sexuellem Missbrauch der Schutzbefohlenen kam. Begründet wurde dies damit, dass solche Vorfälle unter das afghanische Strafrecht fielen und die strategische Zusammenarbeit mit lokalen Kräften nicht gefährdet werden sollte. Ein Sprecher des US-Kommandos erklärte damals, es habe keine ausdrückliche Pflicht gegeben, solche Fälle zu melden – ausgenommen Situationen, in denen Vergewaltigung als Kriegswaffe eingesetzt wurden.

Ali Tabrizi beschreibt die schrecklichen Erlebnisse vieler afghanischer Jungen.
Der Host des Podcasts versucht darüber hinaus, eine Erklärung dafür zu liefern, warum sexuelle Gewalt gegen Jungen in Afghanistan seiner Ansicht nach verbreitet sei. Dabei deutet er die gesellschaftlichen Verhältnisse des Landes. Zunächst verweist er auf die weitgehende Verdrängung von Frauen aus dem öffentlichen Leben in streng religiös geprägten beziehungsweise schariaorientierten Gesellschaftsordnungen. Kleidervorschriften, eingeschränkte Bewegungsfreiheit und soziale Segregation führten aus seiner Sicht dazu, dass Männer kaum ungezwungene Kontakte zum anderen Geschlecht hätten.
Altgriechische „Knabenliebe“ vor Christianisierung
Daraus leite sich eine soziale und sexuelle Verschiebung ab: Bedürfnisse würden in andere Richtungen kanalisiert, wobei Jungen in bestimmten Milieus eine Ersatzrolle einnähmen – insbesondere dort, wo Machtstrukturen und männliche Dominanz stark ausgeprägt seien. Gleichzeitig beschreibt er einen Widerspruch zwischen religiöser Norm und sozialer Praxis. Während Homosexualität im traditionellen islamischen Rechtsverständnis streng verurteilt werde, werde der Umgang mit Jungen in manchen Kontexten anders interpretiert. Es handle sich, so die Argumentation, nicht um homosexuelle Beziehungen im eigentlichen Sinne, weil Jungen nicht als Männer verstanden würden.
Tatsächlich werden Jungen in solchen Machtgefügen von einflussreichen Männern nicht nur als sexuelles Objekt, sondern auch als Symbol sozialer Dominanz wahrgenommen. Die aus westlicher Perspektive dennoch homosexuelle Praxis erscheine damit weniger als Ausdruck sexueller Orientierung, denn als Bestandteil hierarchischer und rigider Strukturen.
Ein vergleichbares Phänomen kannte auch die Antike. Vor der Christianisierung war die sogenannte „Knabenliebe“ in Teilen der griechischen Welt verbreitet. So heißt es bei Spektrum der Wissenschaft: „Päderastie, Knabenliebe; homosexuelle Neigung erwachsener Männer zu männlichen Jugendlichen oder Kindern. Päderastie war in der Antike bei den Griechen, Römern, Etruskern und Galliern verbreitet“ – eine institutionalisierte Form von Homosexualität im antiken Griechenland zwischen erwachsenen Männern und männlichen Jugendlichen.
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Felix Perrefort
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