Rubio löst Cowboy-Debatte aus: Spanische Erfindung oder Mythos amerikanischer Vielfalt?
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Sara DouedariSelten hört man aus der aktuellen US-Politik etwas, das Europa schmeichelt. Umso überraschender war die Aussage von Außenminister Marco Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz: Die Vereinigten Staaten seien „immer ein Kind Europas“ gewesen. Besonders Spanien hob er hervor. Pferde, Viehwirtschaft, Rodeo – selbst der Cowboy, so Rubio, sei letztlich ein spanisches Exportprodukt.
Eine steile These, historisch aber keineswegs aus der Luft gegriffen.
Widerspruch kam prompt von der demokratischen Abgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez, die vom linken Flügel ihrer Partei immer wieder als Präsidentschaftskandidatin ins Spiel gebracht wird. Bei einer Konferenz in Berlin kritisierte sie Rubios „exklusive Berufung auf die westliche Kultur“ und spottete, Mexikaner und Nachfahren versklavter Amerikaner hätten beim Thema Cowboy ebenfalls ein Mitspracherecht.
Wer hat nun recht?

Cowboy und Pferd als Ikone des amerikanischen Westens.
Die Pferde brachten die Spanier mit
Die Figur des Cowboys (auch: Buckaroo) ist aus zahllosen Romanen und Westernfilmen vertraut: als Reiter, der durch weite Landschaften zieht, Vieh treibt und das Lasso schwingt. Wer nach den Wurzeln sucht, muss nicht lange forschen. Schon die Begriffe erzählen die Geschichte: „Buckaroo“ ist eine Verformung von „vaquero“. „Lasso“ stammt von „lazo“, „lariat“ von „la riata“, „rodeo“ ist unverändert spanisch. Selbst „Mustang“ geht auf „mesteño“ zurück – ein Begriff aus der kastilischen Viehwirtschaft des Mittelalters.
Hinzu kommt eine einfache Tatsache: Weder Pferde noch Rinder waren ursprünglich Teil der nordamerikanischen Tierwelt. Beides brachten die Spanier mit. Hier liegt Rubio historisch völlig richtig. Ohne sie gäbe es keinen Cowboy – zumindest nicht in der Form, wie wir ihn kennen.
Selbst eine Anekdote über Kolumbus verweist auf diese Verbindung. Für seine zweite Reise wählte er edle Zuchtpferde aus, die jedoch in Cádiz durch robustere Tiere ersetzt wurden. Gerade diese widerstandsfähigen Pferde legten später den Grundstein für jene Reitkultur, die wir mit dem Westen verbinden.
Andalusien goes Wild Wild West
Neben der Reitweise folgt auch die Ausrüstung einem iberischen Vorbild. Sporen, Sättel, breitkrempige Hüte – vieles erinnert eher an Andalusien als an Arizona. Wer heute El Rocío bei Sevilla besucht, erkennt die visuelle Nähe sofort. Der Mythos vom amerikanischen Westen trägt deutlich mediterrane Züge.
In Mexiko vermischten sich spanische Siedler mit der lokalen Bevölkerung. Die Viehwirtschaft wurde von Indigenen mitgetragen, später von Kreolen organisiert. Als Texas Teil der USA wurde, arbeiteten viele Mexikaner weiterhin als Cowboys.
Nach dem Bürgerkrieg suchten auch zunehmend afroamerikanische Männer im Westen Arbeit. Bis zu ein Viertel der Cowboys sollen Schwarze gewesen sein, dazu kamen zahlreiche Latinos und Indigene. Der reale Cowboy war also ethnisch vielfältiger als sein filmisches Abbild – ein Punkt für Ocasio-Cortez.

Cowboys beim Bullenreiten während des „PBR Monster Energy Buck Off“ im Madison Square Garden in New York. Die Veranstaltung ist Teil der professionellen Rodeo-Serie Professional Bull Riders.
Aus dem sozial wenig angesehenen Beruf wurde eine heroische Figur
Dass der Cowboy im klassischen Western fast immer weiß ist, sagt weniger über die Realität des 19. Jahrhunderts aus als über die Mythenproduktion des frühen 20. Jahrhunderts. Journalisten und Schriftsteller formten aus einem schlecht bezahlten, sozial wenig angesehenen Beruf eine heroische Figur: freiheitsliebend, individualistisch und staatsfern. Ein politisches Symbol seiner Zeit.
Damals passte es zur Ideologie einer Partei, die für weniger staatlichen Eingriff eintrat. Die Frage nach dem Ursprung des Cowboys wird heute nicht nur historisch, sondern auch politisch stärker diskutiert.
Historisch betrachtet lässt sich daher beides festhalten: Seine Ursprünge liegen in der iberischen Reit- und Viehkultur. Seine konkrete Ausprägung im amerikanischen Westen entstand durch spanische, mexikanische, indigene und afroamerikanische Einflüsse.
Der amerikanische Cowboy ist weder ausschließlich spanisch noch ausschließlich amerikanisch. Er ist das Resultat einer kulturellen Übersetzung – und das über Kontinente hinweg.
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