„Gemeinnutz vor Eigennutz“: Bischof warnt mit NSDAP-Parole vor AfD
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Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige warnt in einem Hirtenbrief öffentlich vor der AfD. Als Ausweg aus der aktuellen „Weltlage“ propagiert er ausgerechnet den Spruch „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“. Die Parole findet sich im Gründungsprogramm der NSDAP.
In seinem Brief zur „österlichen Bußzeit 2026“ schreibt Feige, „beim Blick auf die Weltlage könnte einem angst und bange werden“. Konflikte und auch gewalttätige Auseinandersetzungen seien „an der Tagesordnung“.
„Auch in unserer Gesellschaft“, so Feige weiter, „folgt man eher Stimmungen als Argumenten, verbreiten sich Hass und Hetze.“ Menschen aber wären, das habe sich während der DDR und NS-Diktatur gezeigt, „verführ- und manipulierbar“.
Hiervon geht Feige zur AfD und zur kommenden Landtagswahl über: „Nimmt man den Entwurf der AfD in Sachsen-Anhalt für ein mögliches Regierungsprogramm nach der Landtagswahl ernst, wäre es hier mit der freiheitlichen Demokratie und dem Pluralismus, der Religionsfreiheit, wie wir sie kennen, und der Toleranz vorbei, müssten wir uns wieder auf autoritäre Verhältnisse einstellen und neu lernen, was es für uns als Christen und Christinnen heißt, zusammen mit vielen anderen als Feinde betrachtet und diskriminiert zu werden. Was bis vor kurzem undenkbar erschien, ist inzwischen zu einer möglichen Bedrohung geworden.“

Bischof Gerhard Feige schwenkt in der Kathedrale Sankt Sebastian in Magdeburg Weihrauch.
Katholische Soziallehre als Ausweg aus dem Höllental der Ungewissheiten
Hiernach zeichnet Feige einen Ausweg aus dem Höllental: die „katholische Soziallehre“ – ein zentraler katholischer Leitgedanke, über den auch CDU-Mann Armin Laschet sagt: „Die Christliche Soziallehre weist der Union bis heute den Weg.“
Feige führt deren Prinzipien auf – Personalität, Subsidiarität, Solidarität und Gemeinwohl. Das Prinzip des Gemeinwohls beschreibt er schließlich mit dem Satz: „Man könnte auch sagen: ‚Gemeinnutz geht vor Eigennutz.‘“

Bundeskanzler Friedrich Merz begrüßt Feige 2025 auf der Gedenkveranstaltung für die Opfer des Terroranschlags auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt.
Das Prinzip verwendete ausgerechnet die NSDAP zentral in ihrem 25-Punkte-Programm vom 24. Februar 1920. Es ist das Gründungsprogramm der Partei. Im Punkt 24 zum Thema Religion erklärte sie, dass man „die Freiheit aller religiösen Bekenntnisse im Staat“ fordere, „soweit sie nicht dessen Bestand gefährden oder gegen das Sittlichkeits- und Moralgefühl der germanischen Rasse verstoßen“.
Auch NSDAP vertrat „Standpunkt des positiven Christentums“
Die NSDAP selbst erklärte, „den Standpunkt eines positiven Christentums“ zu vertreten, „ohne sich konfessionell an ein bestimmtes Bekenntnis zu binden“. Den „jüdischmaterialistischen Geist in und außer uns“ aber würde man „bekämpfen“.

Das Gründungsprogramm der NSDAP von 1920 hatte 25 Punkte.
Der Programmpunkt schließt mit den Worten, dass die „dauernde Genesung unseres Volkes“ nur „von innen“ heraus auf der Grundlage „Gemeinnutz vor Eigennutz“ erfolgen könne. Als sie ab 1933 an der Macht war, prägte die NSDAP den Spruch zudem auf Münzen.
Die NSDAP selbst hat den Leitsatz nicht erfunden, sondern sein Ursprung wird dem französischen Staatstheoretiker und Aufklärer Charles de Secondat, Baron de Montesquieu, zugeschrieben. Der schrieb in seinem 1748 veröffentlichten Hauptwerk „Vom Geist der Gesetze“: „Das Wohl des Einzelnen muss dem öffentlichen Wohl weichen.“
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