Rolltreppen-Debakel in Berlin: „Das ist beschämend, was in der deutschen Hauptstadt passiert“
Am Berliner Hauptbahnhof und am Bahnhof Südkreuz sind seit Wochen zahlreiche Rolltreppen außer Betrieb. Besonders dramatisch ist die Lage im Hauptbahnhof: 35 von insgesamt 52 Rolltreppen funktionieren derzeit nicht. Auch im Südkreuz sind zehn Anlagen betroffen. Für einen Bahnhof, den täglich Hunderttausende Reisende nutzen, bedeutet das massive Einschränkungen – vor allem für Menschen mit Gepäck, Kinderwagen oder eingeschränkter Mobilität. NIUS war live vor Ort.
Vor Ort zeigt sich, wie stark der Ausfall den Alltag der Reisenden beeinflusst. Viele müssen auf Aufzüge ausweichen oder Treppen steigen. Eine Mutter mit Kinderwagen berichtet: „Also für mich finde ich das richtig anstrengend, weil man manchmal keine Hilfe von fremden Leuten bekommt, und ich bin auf den Fahrstuhl angewiesen. Das finde ich richtig doof.“ Häufig kommt es zu langen Wartezeiten vor den Aufzügen. „Ich musste richtig lange warten – gefühlt 20 Minuten“, sagt sie.
Auch andere Reisende äußern Unverständnis. „Für die Leute, die darauf angewiesen sind, ist das ja eine Katastrophe“, sagt ein Passant. Ein anderer meint: „Das ist auf Deutsch gesagt Mist, dass so was in der Hauptstadt passiert.“
Sehen Sie hier, was Reisende gegenüber NIUS schildern:
Bundesweit 70 Rolltreppen betroffen
Auf Anfrage von NIUS teilte die Bahn mit, dass sie gemeinsam mit dem Hersteller KONE inzwischen bundesweit die betroffenen Anlagen überprüft habe. Von rund 1.000 Rolltreppen im Netz der Bahn müssen 70 Anlagen „sehr aufwendig repariert“ werden. Bei einzelnen Anlagen geht die Bahn sogar davon aus, dass sie komplett ersetzt werden müssen.
Besonders stark betroffen ist Berlin. Nach weiteren Prüfungen mussten am Hauptbahnhof sogar acht zusätzliche Rolltreppen vorsorglich stillgelegt werden, sodass sich die Zahl der defekten Anlagen auf 35 erhöhte.

Gesperrte Rolltreppen im Berliner Hauptbahnhof.
Die Bahn will nun „schnellstmöglich“ mit den Reparaturen beginnen, sobald die notwendigen Ersatzteile verfügbar sind. Für die Arbeiten wurde eine Task Force eingerichtet. Wie lange die Reparaturen dauern werden, lässt sich derzeit allerdings nicht sagen. Nach Angaben der Bahn hängt die Geschwindigkeit der Arbeiten vor allem davon ab, wie schnell die erforderlichen Ersatzteile beschafft werden können.
Kein Zeitplan für Reparatur
Zur Ursache erklärt die Bahn, bei einigen Anlagen habe sich ein Defekt durch abrupte Stopps im laufenden Betrieb bemerkbar gemacht. Aus Sicherheitsgründen seien daraufhin baugleiche Rolltreppen überprüft und teilweise vorsorglich außer Betrieb genommen worden.
Auch das Bundesverkehrsministerium verweist auf diese Darstellung. Ein Sprecher erklärte auf Anfrage von NIUS, es sei „sehr ärgerlich“, dass so viele Rolltreppen außer Betrieb seien – insbesondere für mobilitätseingeschränkte Menschen. Die Bahn habe dem Ministerium versichert, dass sie aufgrund des Defekts zu diesem Schritt gezwungen gewesen sei und nun gemeinsam mit dem Hersteller „mit Hochdruck an der Wiederinbetriebnahme“ arbeite.
Wann die Rolltreppen wieder vollständig funktionieren werden, bleibt offen. Die Bahn nennt bislang keinen konkreten Zeitplan.
Währenddessen versucht das Unternehmen, die Situation vor Ort abzufedern. Am Berliner Hauptbahnhof helfen rund zwei Dutzend Service-Mitarbeiter den Reisenden beim Tragen von Gepäck. Mobilitätseingeschränkte Fahrgäste können außerdem Unterstützung über die Mobilitätsservice-Zentrale der Bahn anfordern.
Für viele Reisende bleibt die Situation dennoch frustrierend. Eine Passantin bringt es knapp auf den Punkt: „Das ist ein bisschen beschämend. Hauptstadt – und alles kaputt.“
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Emanuela Sutter
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