So viel zur Pressefreiheit in Deutschland: Filmball entzieht NIUS die Akkreditierung
Ein Beitrag von
Helena GebhardAuch NIUS wollte in diesem Jahr vor Ort über das 50-jährige Jubiläum berichten. Man akkreditierte sich und die Bestätigung erschien flugs im E-Mail-Postfach. So weit, so gut. Doch kurz vor dem großen Event hieß es plötzlich: NIUS muss draußen bleiben.

Gute Laune beim Deutschen Filmball 2025 im Hotel Bayerischer Hof in München
Hier ist die Geschichte über ein Hausverbot durch die Hintertür in drei Akten:
1. Akt: Akkreditierung beantragt und bestätigt – NIUS ist dabei
Am 9. Januar 2026 füllt NIUS das offizielle Akkreditierungsformular für die Veranstaltung aus. Eine gute Woche später, am 16. Januar, kommt die Antwort. Am frühen Abend bestätigt die zuständige Agentur die Akkreditierung schriftlich. Gültig für NIUS.DE, für den Roten Teppich und für den Ballsaal. Namentlich akkreditiert: Helena Gebhard, Redaktion NIUS. Die E-Mail lässt keinen Interpretationsspielraum. Im Anhang befinden sich der detaillierte Ablaufplan des Abends sowie ein Auszug aus der Gästeliste. Hinweise zum Dresscode, zu Presseabläufen und sogar zu den gewünschten Instagram-Hashtags sind ebenfalls enthalten:

Entsprechend groß ist die Freude: NIUS auf dem roten Teppich des Deutschen Filmballs.
2. Akt: Die nachträgliche Absage – NIUS ist doch nicht dabei
Am darauffolgenden Montag folgt eine kurze, sachliche Rückfrage an die Agentur. Eine reine Organisationsfrage: Wie denn die Akkreditierung für Kamera oder Fotograf geregelt sei. Einen Tag später, am Dienstag, dem 20. Januar, meldet sich die Filmball-Agentur telefonisch aus Hamburg. Die Nachricht kommt überraschend: Die Akkreditierung müsse leider zurückgezogen werden. Eine konkrete Begründung gibt es nicht. NIUS weist darauf hin, dass Kosten für das bereits gebuchte Hotel entstehen werden. Man werde das klären, hieß es, und eine schriftliche Absage werde folgen.
Sie folgt – wenige Stunden später:

Auffällig: Wer die Mail liest, erfährt nur durch den Betreff, dass es sich überhaupt um eine Absage handelt. Im Text selbst ist von der vorherigen Akkreditierung keine Rede. Stattdessen wird pauschal erklärt, die Zahl der Anfragen sei sehr hoch gewesen, aus Platzgründen habe man nicht jedem Gesuch entsprechen können.
3. Akt: Man übernimmt lieber die Kosten, als NIUS vor Ort berichten zu lassen
Auf die Bitte um eine schriftliche Bestätigung für die Übernahme der Reisekosten folgt eine weitere Mail. Darin bestätigt die Agentur schriftlich, dass, wie zuvor telefonisch besprochen, die Kosten für Hotel und Anfahrt übernommen werden:

Man könnte es auch so formulieren: Lieber übernimmt man die Kosten, als NIUS vor Ort berichten zu lassen.

Peter Schauerte, Präsident der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft e. V. (SPIO), dem Veranstalter des Deutschen Filmballs
Auf NIUS-Anfrage, wer seitens der SPIO für die Organisation des Filmballs sowie für Entscheidungen über Presseakkreditierungen verantwortlich ist, steht eine Antwort bislang aus.
Der Zeitpunkt dieser Entscheidung ist interessant. Denn sie fällt nur wenige Tage nachdem Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther NIUS öffentlich als „Feinde der Demokratie“ bezeichnet hat. Kurz darauf verliert NIUS die Akkreditierung für eines der prominentesten gesellschaftlichen Ereignisse des Landes. Ob das Zufall ist, muss jeder für sich beurteilen. NIUS war akkreditiert. Und wurde wieder ausgeladen.
Auch bei NIUS:
Cancel Culture: Hausverbote und Absagen gehören für Comedian Nikolai Binner zum Alltag
Weitere Artikel zum Thema
30, weiblich, traurig – warum sind junge Frauen so verloren?
Sind die Deutschen glücklich? „Allein wenn Du hier Straßenbahn fährst, wirst du dreimal angeschrien“
„La ilaha illallah“, es gibt keinen Gott außer Allah: Tausende Muslime versammeln sich in Kassel zum öffentlichen Fastenbrechen
„Das ist Betrug”: Bürger über die zweckentfremdeten Schulden
Studie bestätigt Minirock-Comeback alle 20 Jahre
Im Norden die AfD, im Süden die Grünen: Wie das Ergebnis der Landtagswahl in Baden-Württemberg die Stadt Mannheim teilt
Immer mehr Konsumenten: Crack-Alarm in Berlin
Helena Gebhard
Autor
Artikel teilen
Kommentare