Angriff wegen Israel-Flagge bei ESC-Show in Köln: Hier spricht der betroffene Moderator Gerd Buurmann
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Bei der traditionellen Eurovision-Preview-Show in Köln kam es am 16. Mai 2026 zu einem heftigen Zwischenfall. Etwa zehn Minuten nach Beginn der Veranstaltung stürmte ein junger Mann auf die Bühne, riss die Israel-Flagge herunter und floh. Wenig später kehrten zwei linke Aktivisten zurück, es kam zu Handgreiflichkeiten: Moderator Gerd Buurmann stellte sich schützend vor die wieder aufgehängte Israel-Flagge, hielt sie fest und verhinderte, dass sie ein zweites Mal entfernt wurde. Dabei brach das komplette hintere Bühnenbild zusammen.
Hier erzählt Gerd Buurmann im Interview mit NIUS, was genau am Samstag passiert ist.
NIUS: Was genau ist bei Ihrer Eurovision-Preview-Show in Köln am Samstag, den 16. Mai 2026, passiert?
Gerd Buurmann: Ich moderiere seit 13 Jahren in Köln eine Preview-Show zum ESC, bei der alle Flaggen der teilnehmenden Länder auf der Bühne hängen. Um 19:15 Uhr, etwa zehn Minuten nach Start, rannte ein junger Mann auf die Bühne, riss die Israel-Flagge herunter und floh. Ich war geschockt, mein Kollege moderierte weiter. Ich schickte sofort Nachrichten an Freunde und bat um eine neue Flagge, da mir das wichtig war.
Während die Flagge fehlte, kamen zwei Frauen zu mir und sagten ängstlich: „Warum habt ihr nicht die Polizei gerufen? Warum macht ihr einfach weiter?“ Nach 20 bis 25 Minuten brachte mein Freund zwei neue Israel-Flaggen. Eine hängte ich wieder auf, die andere trug er selbst. Das Publikum applaudierte.
Später hängten Aktivisten Palästinenser-Flaggen im Zuschauerbereich auf. Dann kamen erneut zwei junge Männer auf die Bühne und griffen nach der Israel-Flagge. Ich stellte mich dazwischen und dachte: „Nein, jetzt so nicht.“ Mein Kollege lockerte die Situation mit einem Witz auf. Als sie wieder nach der Israel-Flagge griffen, hielt ich die Flagge fest. Es kam zum Gerangel, wodurch das gesamte hintere Bühnenbild zusammenbrach. Der Mann, der die Ersatzflagge gebracht hatte, rief: „Dann geht doch nach Gaza!“ Die Angreifer skandierten dagegen „Free Palestine“ und verließen schließlich unter Tumulten den Saal. Die zerrissene Flagge legten wir bis zum Ende auf unsere Moderations-Couch.
NIUS: Konnten Sie die Täter erkennen?
Gerd Buurmann: Ja, zwei junge Männer, Anfang 20, dunkelblond, mit Parkas. Typische deutsche, linke Aktivisten, wie man sie an deutschen Universitäten sieht. Keine Palästinenser, ich bin mir eigentlich sicher. Vor dem Theater steht seit etwa zwei Wochen eine Gaza-Mahnwache mit Zelt und Infostand. Dort vermute ich den Ursprung.
„Erst später kam die Erkenntnis, wie gefährlich es eigentlich war“
NIUS: Wie haben Sie die Situation persönlich erlebt? Hatten Sie Angst?
Gerd Buurmann: Im Moment selbst war es ein Automatismus. Ich dachte nur: Das geht so nicht. Erst später kam die Erkenntnis, wie gefährlich es eigentlich war. Ich wollte die Show unbedingt weiterführen. Der ESC ist für mich eine Friedensveranstaltung und ich wollte den Abend nicht von ein paar Idioten kaputtmachen lassen. „The show must go on.“ Glücklicherweise wurde niemand verletzt.
NIUS: Ist so etwas bei Ihren früheren Shows schon einmal vorgekommen?
Gerd Buurmann: Nein, das war das erste Mal. Gerade in den beiden Jahren nach dem 7. Oktober 2023 war es ruhiger als erwartet. Dieses Jahr, obwohl die Lage eigentlich entspannter sein müsste, kam der Angriff.
„Der Hass richtet sich heute nicht nur gegen Juden, sondern gegen die westliche Kultur insgesamt“
NIUS: Wie bewerten Sie die generelle Entwicklung des Antisemitismus? Der Historiker Michael Wolffsohn hat letzte Woche bei Constantin Schreiber gesagt, die Existenz jüdischen Lebens sei weltweit so bedroht wie noch nie zuvor in der Geschichte. Er spricht von einem globalen antisemitischen Tsunami und sieht für die jüdische Diaspora in Europa und den USA keine Zukunft mehr. Das waren erschreckende Worte eines sehr klugen Historikers. Was ist Ihre Meinung dazu?
Gerd Buurmann: Wir erleben eine Radikalisierung eines harten Kerns aus linker Szene und Teilen der muslimischen Community. Je mehr die Linke Israel moralisch zum „Urbösen“ erklärt und dessen bloße Existenz als Problem darstellt, desto aggressiver werden sie, weil Israel trotz allem überlebt. Das erinnert an historische Muster des Judenhasses.
Der Hass richtet sich heute nicht nur gegen Juden, sondern gegen die westliche Kultur insgesamt, deren Wurzeln neben Athen und Rom auch in Jerusalem liegen. Der Westen hasst sich selbst, seine Identität, seine Grenzen und Werte und projiziert diesen Selbsthass auf Israel und das jüdische Volk. Deshalb boykottieren plötzlich Länder den ESC, nur wegen Israels Teilnahme. Michael Wolffsohns These vom globalen antisemitischen Tsunami und der Bedrohung jüdischen Lebens in der Diaspora ist leider nachvollziehbar. Wenn der Westen weiter in Dekadenz und Selbsthass versinkt, wird es für Juden nirgendwo gut.
„Das ist ein schlimmer Befund für Deutschland“
NIUS: Was nehmen Sie aus dem Vorfall mit?
Gerd Buurmann: Man benötigt bedauerlicherweise Security, sobald jüdisches Leben oder Israel-Symbole öffentlich gezeigt werden. Das ist ein schlimmer Befund für Deutschland. Ich bin stolz, dass ich die Flagge verteidigt habe, würde aber jedem raten, solche Situationen möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen. Wir sind auf einem neuen, erschreckenden Level angekommen.
NIUS: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Buurmann.
***
Gerd Buurmann ist ein deutscher Schauspieler, Moderator, Regisseur, Autor und Comedian. Nach einem Auslandsaufenthalt in den USA zog er nach Köln, wo er an der Universität studierte und sich als vielseitiger Bühnenkünstler selbstständig machte. Er moderiert seit über 13 Jahren gemeinsam mit Torsten Schlosser die beliebte ESC-Preview-Show im Bürgerzentrum Ehrenfeld und ist bekannt für seine klaren Positionen gegen Antisemitismus. Sie finden seinen X‑Account hier.
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