Zum ersten Mal sind Aprilscherze von normalen Politiker-Aussagen nicht mehr zu unterscheiden
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Der Aprilscherz ist tot – wie die politische Satire. Seit das, was man in den Nachrichten oder aus den Parteien hört, an Irrsinn kaum noch zu überbieten ist, fällt es Spöttern schwer, das alles noch irgendwie zu überzeichnen. Schon morgen kommt jemand mit einer noch verrückteren Äußerung um die Ecke.
Eigentlich dachte man ja, mit dem Ende der Ampel hätten wir das Schlimmste hinter uns. Hunderttausende Kilometer entfernte Länder, eine 360-Grad-Wende, von Atomstrom verstopfte Netze, Grundlasthühner, Firmen, die nicht insolvent gehen, sondern nur aufhören zu produzieren. Politiker, die sich als „so etwas wie euer Häuptling“ vorstellen. Ein Karl Lauterbach, der jeden Tag wirr vor sich hinredet, eine Renate Künast, die neben einer Statue von Abraham Lincoln posiert und dazu schreibt: „Washington in Washington. Und ich.“
Wie gesagt, man dachte, es sei vorbei. Das war ein Irrtum, muss ich zugeben. Heute gehen aufgrund einer frei erfundenen Geschichte eines Haltungsportals Millionen Menschen auf die Straße oder lassen sich einreden, schlimme schweinische Bilder im Internet seien mindestens genauso schlimm wie echte Sexualverbrechen, und gehen demonstrieren, während allein 700 Gruppenvergewaltigungen im Jahr einfach ignoriert werden – die falschen Täter …
Ein Wolf am Jungfernstieg
Ein Wolf schnürt durch die Millionenstadt Hamburg. Nicht durch einen Vorort – durch zentrale Viertel. Er fällt sogar eine Frau an und beißt ihr ins Gesicht. Den Problembären hat man damals in Bayern erschossen, aber beim Wolf ist der Deutsche sensibel: Das Bundesnaturschutzgesetz verbiete den präventiven Abschuss eines streng geschützten Tieres, meint Hamburgs Zweite Bürgermeisterin, Katharina Fegebank. Eine aktive Treibjagd in der Stadt wäre „ein unkalkulierbares Risiko“ gewesen, es hätte zu Unfällen oder Panikreaktionen kommen können.
Den Gag des Postillon, nun setze man in Hamburg Grizzlybären aus, um Wölfe fernzuhalten, könnten die Fegebanks dieses Landes als Inspiration ernstnehmen, auszuschließen ist das nicht mehr.

Ein Scherz des Postillon – noch ...
Der Satire-Account Annalena Baerbock Parody auf der Plattform X twittert mit Bezug auf die Pläne der Justizministerin Stefanie Hubig: „Videos mit Versprechern von mir sind Deepfakes. Zukünftig wird die Verbreitung hart bestraft.“ Derweil stottert sich die wahre Baerbock in Englisch durch New York.
Mit Weidel nicht sprechen, aber mit al-Scharaa
Ein Witzbold postet in den sozialen Netzwerken eine Einladung zu einer Podiumsdiskussion von Kanzler Friedrich Merz mit AfD-Chefin Alice Weidel (Moderation: Hans-Georg Maaßen). Thema: „Koalition oder Kooperation?“

In Wirklichkeit grüßt Merz die Oppositionsführerin nicht einmal. Und mehrmals schwor er, dass es gar niemals zu einer Zusammenarbeit mit der Partei, die er – wie den bösen Voldemort – meist nicht einmal beim Namen nennt, kommen werde, weil man „gar nichts gemeinsam“ habe. Dem Kopfabschneider al-Scharaa schüttelt er aber herzlich die Hand.
Die Junge Freiheit macht mit einem Aprilscherz auf, dem zufolge die Tagesschau ihre Zuschauer künftig duzen werde, um „auf Augenhöhe zu kommunizieren“. Schließlich habe man schon die Begrüßung „Guten Abend, meine Damen und Herren“ abgeschafft. Letzteres stimmt, und ersteres ist durchaus keine fantasievolle Satire – schon jetzt werde ich morgens von den einst noch halbwegs seriösen Nachrichtenmenschen bei NDR 2 angekumpelt.

Aber das sind ja Qualitätsmedien, die zum 10. Todestag des FDP-Politikers und langjährigen Außenministers Hans-Dietrich Genscher vermelden, vor zehn Jahren sei „Wolfgang Genscher“ gestorben. Danke für die Aufklärung, lieber Hessischer Rundfunk! Macht dann 18,36 Euro, richtig?

Kennen Sie „Wolfgang Genscher“?
Schweinkram im Internet schlimmer als reale Vergewaltigung?
In Deutschland können neun Jugendliche im Stadtpark ein Mädchen gruppenvergewaltigen und kommen, bis auf einen, straffrei davon – wie viele Sexualverbrecher mit Migrationshintergrund, denen oft ihre kulturelle Prägung zugutegehalten wird. Ein „Täterparadies“ aber wird Deutschland erst, wenn unbelegte Vorwürfe gegen einen Ex-Ehemann nicht zur – von der Influencerin „Leonie Löwenherz“ geforderten –öffentlichen Kastration des Angeklagten (nicht Verurteilten) führen, wie im Fall Fernandes/Ulmen geschehen.
Bei X repostet die Grüne Renate Künast einen Beitrag dieses Inhalts: „Der Vorname des mutmaßlichen Täters, der Anlass für die Aktuelle Stunde im Bundestag ‚Gewalt gegen Frauen‘ war, lautet übrigens: ‚Christian‘“. Zehntausende, die nicht Christian heißen, sondern einen eher orientalische Vornamen tragen, haben nicht ausgereicht, um über „Gewalt gegen Frauen“ zu sprechen. Man kann es sich nicht ausdenken.
Der Hinweis auf die Unschuldsvermutung bringt einem prompt den Vorwurf ein, „Täterschutz“ zu betreiben. Aus der Politik kommen keine Mäßigungsaufrufe, vielmehr rufen genau die, die sonst immer vor einem „Generalverdacht“ warnen, dazu auf, alle Männer als potenzielle Sexualverbrecher zu betrachten. Ricarda Lang sagt im Talk: „Jeder von uns kennt wahrscheinlich auch Täter“, meint damit aber wohl nicht einen Parteifreund, der eine üble Intrige anzettelte, um einen Rivalen von einem aussichtsreichen Listenplatz zu verdrängen.

Männer sind (fast alle) Schweine – das ist das neue Narrativ.
Hier denkt man in viel größeren Zeiträumen
Ein Meme behauptet bei X, die Schweizer Bahn, im Gegensatz zur Deutschen Bahn für ihre Pünktlichkeit bekannt, werde von nun an auf die Sekunde pünktlich sein, während unsere Regierung erst einen „Herbst der Reformen“ ausruft, woraufhin einfach nichts passiert und ein halbes Jahr später allerlei Maßnahmen angepeilt werden, um den Leuten noch mehr Geld abzupressen.

Auf die Sekunde pünktlich – während Deutschland lahmt.
Was der Finanzminister aber dann so verkauft: „Wir wollen dafür sorgen, dass Menschen, die jeden Tag schuften, mehr Geld in der Tasche haben.“ Genau, und deshalb will Lars Klingbeil jetzt das Ehegattensplitting ebenso abschaffen wie die Mitversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung, dazu noch die Mehrwertsteuer erhöhen sowie die Steuer auf Spirituosen, zuckerhaltige Getränke und so weiter.
Dreist behauptet er dann, er treffe „viele Frauen“, die sagen, „ich würde ja gerne mehr arbeiten, aber dafür müsst ihr das Ehegattensplitting abschaffen, weil es gerade uns steuerlich überhaupt keine Anreize gibt, mehr zu arbeiten.“ Als würde man zum Ehegattensplitting gezwungen.
„Die Nato ist ohne Amerika besser dran“
Wenn die Grüne Jette Nietzard („Männer, die ihre Hand beim Böllern verlieren, müssen zumindest keinen Wehrdienst leisten“) von einer Journalistin gefragt wird, „Was würden Sie Eltern sagen, deren Kind durch eine Messerattacke von Migranten gestorben ist?“, dann sagt sie: „Ich finde es dumm, auf eine solche Frage zu antworten.“ Nicht dumm findet sie hingegen, sich in Social Media mit einem Video zu melden, in dem sie sich über „Männer“ beschwert, die „in den Fühlinger See gepisst oder sogar gekackt“ haben.
Wir leben in einem Land, in dem eine ehemalige „Nato-Chefstrategin“, Stefanie Babst, einen komplett irren Satz wie „Die Nato ist ohne Amerika besser dran“ sagen darf. Und der Co-Vorsitzende der größten Oppositionspartei will die US-Truppen aus Deutschland rauswerfen.
Der Cicero ließ sich zum 1. April eine Geschichte mit dem Titel „Geheimes Strategiepapier aufgetaucht: AfD will sich aufspalten und Koalition mit Union bilden“ einfallen. Das ist auch nicht verrückter als das, was nicht nur in der AfD los ist.
Unsinn noch und nöcher
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Hakan Demir wurde kürzlich mit diesem Satz zitiert: „Wenn Sie eine Idee nur mit der Hilfe von Rechtsextremen umsetzen können, dann ist sie vielleicht einfach falsch und sollte auch nicht weiter verfolgt werden.“

Richtiges ist falsch, wenn die Falschen zustimmen.
Ein recht unterkomplexes Politikverständnis, sollte man meinen. Nicht nur, dass sich Demir nicht vorzustellen vermag, dass andere auch mal recht haben könnten. Auch das, was man selbst als richtig erkennt, soll falsch sein, wenn es die „Falschen“ auch so sehen. Jedenfalls, wenn es darum geht, die „Brandmauer“ zu erhalten, damit das Land weiter links regiert werden kann, auch wenn man selbst gerade mal bei 12 Prozent liegt.
Was man inzwischen täglich zu hören oder zu lesen bekommt, lässt sich von spöttisch gemeinten Sprüchen oder Memes schlicht nicht mehr unterscheiden. Das Auswärtige Amt hat einmal versucht, gegen den Baerbock-Satire-Account vorzugehen, weil das, was dieser postete, von vielen Leuten für bare Münze genommen, also der damaligen Außenministerin ohne weiteres zugetraut wurde. Die Realität hat die Satire längst eingeholt. Nur zum Lachen ist sie immer weniger.
Lesen Sie dazu auch: Baerbock, Paus, Habeck endlich weg: Das Ende der deutschen Peinlichkeit
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