Sag mir, wo die Fahnen sind, wo sind sie geblieben?
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Dieses Foto macht einen wehmütig – und traurig zugleich. Beim Sommermärchen 2006, der WM im eigenen Land, war ganz Deutschland im Fußballfieber. Überall wehten schwarz-rot-goldene Fahnen: an Fenstern, auf Balkonen, in Vorgärten. Autos waren geschmückt, Kinder wedelten mit Kinderfahnen, an Fahrrädern, in Geschäften, in Zügen, auf Hüten, auf Hosen, auf Hacken. Ganz Deutschland war ein Fahnenmeer. Die Band Uwu Lena sang den Song „Schland o Schland“ – er wurde der Ohrwurm des Sommermärchens.
Heute singt uns keiner in WM-Stimmung. Kai Havertz, Leroy Sané, Deniz Undav und Nick Woltemade müssen die Fans in Stimmung bringen, andersherum tut es kaum einer. Statt Jubelstimmung und Vorfreude auf das größte Fußballereignis der Welt, scheint es, als läge Mehltau über dem Land, wie der Unternehmensberater Roland Berger einmal formulierte. Er meinte damit den wirtschaftlichen Niedergang und die daraus resultierende schlechte Stimmung. Das war 2002, aber heute ist es nicht besser.

WM 2006: Eröffnung des Fan-Festes am Brandenburger Tor
Wer bringt das Sommermärchen-Gefühl zurück?
Wie soll die deutsche Nationalmannschaft gewinnen, wenn niemand in Deutschland wenigstens ein Stück dieses WM-Gefühls von 2006 verbreitet? Haben die Deutschen keine Lust mehr auf Fußball? Liegt es daran, dass die WM diesmal so weit weg in den USA, Kanada und Mexiko stattfindet? Und deshalb die TV-Live-Zeiten nicht ganz so mundgerecht sind wie sonst? Quatsch! Millionen TV-Zuschauer meiner Generation sind morgens um 3 Uhr aufgestanden, wenn Cassius Clay (später Muhammad Ali) seine Gegner live im Deutschen Fernsehen verprügelte. Da störte sich keiner an der Zeit.
Nein, das sind alles Nebenkriegsschauplätze, sagt mir mein gesunder Menschenverstand. Was sich in diesen 20 Jahren seit dem Sommermärchen fundamental verändert hat, ist etwas anderes. Die Deutschen trauen sich nicht mehr, Patriotismus zu zeigen. Oder kleiner gesagt: Sie trauen sich nicht mehr, mit Schwarz-Rot-Gold ihre Freude, ihre Hoffnung, ihre Liebe für das eigene Land zu zeigen.

WM 2006: „Die Welt zu Gast bei Freunden“
Die deutsche Fahne – das Symbol unserer Freiheit
Schwarz-Rot-Gold, diese wunderbaren Farben der Freiheit, würden eine rechte Gesinnung zeigen, hätten etwas „Rassistisches“, Nationalistisches – und ähnlicher Unsinn. Es erinnert mich an den genialen Song von Marlene Dietrich (der oft gecovert wurde): „Sag mir, wo die Blumen sind, wo sind sie geblieben?“ Am Ende sind die Blumen weg und alles andere in dem Lied auch.
Das aber gilt nicht für unsere Fahnen, dieses schöne Symbol unserer Demokratie und unserer Freiheit.
Alle Nationen dürfen ihre Fahnen feiern. Wir auch.
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