Irre Kampagne des Verkehrsministers: Respekt gehört in jedes Reisegepäck
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Es ist eine Kampagne, die einen ratlos macht. Eine gemeinsame Kampagne des Bundesministers für Verkehr und der Initiative „Mehr Achtung“. Sie wirbt für mehr Respekt in Bussen und Bahnen, mehr Rücksicht im Straßenverkehr – sie wirbt für die Macht der Freundlichkeit. Man könnte sie mit folgendem Satz zusammenfassen: Respekt gehört in jedes Reisegepäck.
Es ist eine staatliche, also steuergeldfinanzierte Initiative, deren Rechtfertigung mit Zahlen unterlegt wird:
- 2.987 Mitarbeitende (früher: Mitarbeiter) in Bussen und Bahnen wurden 2025 zwischen Januar und Oktober Opfer von Straftaten
- 1.231 Fälle von Körperverletzung wurden registriert
- darunter 324 Fälle von gefährlicher Körperverletzung
- Seit 2015 ist die Zahl körperlicher Übergriffe auf DB-Mitarbeitende um 37 Prozent gestiegen.
Eine Überschrift der Kampagne lautet: „Ticketkontrolle ist kein Grund für Kontrollverlust“. Wie wahr, wie wahr, ruft da mein gesunder Menschenverstand. Und liest dann mit Staunen die Erklärung dazu. Die Plakatkampagne unter dem Motto „Mehr Respekt in Bussen und Bahnen“ erinnert daran, dass wir alle mit mehr Miteinander besser fahren und ankommen. Mit Motiven, die den ersten Artikel des Grundgesetzes ins Zentrum stellen, stärkt sie das Bewusstsein, dass sich kein Mensch Respekt erst verdienen muss.

(Quelle: www.mehrachtung.de)
Warum sagen sie uns das? Und wem sagen sie es?
Sie sagen es deswegen (Original-Zitat):
„Eine Zugchefin von DB-Fernverkehr wurde auf einer Fahrt nach Hamburg von einem Reisenden gewaltsam an die Wand gedrückt. Zugbegleiterin Melanie B. (Name geändert) wurde schon von Fahrgästen angespuckt, geschlagen und zu Boden geworfen. Was Melanie B. und der Zugchefin geschehen ist, ist leider keine Ausnahme. Zwei Drittel der Mitarbeitenden in Bus und Bahn fühlen sich auf der Arbeit immer unsicherer. Jede und jeder Zweite hat mittlerweile einen körperlichen Angriff erleben müssen. 85 Prozent der Befragten waren Beleidigungen und Bedrohungen ausgesetzt …“
Hier mag ich die Aufzählung des alltäglichen Schreckens in Bussen und Bahnen nicht fortsetzen. Nur die letzte Zahl hole ich nochmal heraus, um sie festzuzurren: 85 Prozent aller Bahnmitarbeiter haben schon Beleidigungen und Drohungen erlebt – eine unfassbar hohe Zahl, finde ich.
Da können einem die Bahnmitarbeiter nur leidtun.

(Quelle: www.mehrachtung.de)
Und diese neue Kampagne soll nun den bedrohten Mitarbeitern in Bus und Bahn helfen?
Ich sage es direkt und ohne Umschweife: Eine Kampagne zu mehr Freundlichkeit im öffentlichen Verkehr muss sich an die wenden, die sich im öffentlichen Verkehr nicht freundlich benehmen. Die aggressiv auftreten und Mitarbeiter bedrohen und verletzen. Denen man erklären muss, dass man eine Person, die eine Uniform trägt, nicht beschimpfen darf – nur weil sie oder er eine Berufsbekleidung anhat.
Und damit sind wir beim Kern dieser irren Kampagne. Sie kann keine Wirkung erzielen, wenn man nicht ausspricht, wer die Täter sind. Es sind nicht die braven Bahnfahrer, die ich zum Beispiel jeden Tag in der Berliner S-Bahn beobachte. Aus den braven werden manchmal auch weniger Brave, natürlich. Aber das sind die Ausnahmen.
Warum sagt der Verkehrsminister nicht, vor wem die Bahnangestellten Angst haben und wer sie (in der Mehrheit) belästigt? Er sagt es nicht, weil es nicht opportun ist. Weil man angeblich nicht aussprechen darf, was viele jeden Tag sehen, hören, erleben.
Die „Mehr Respekt“-Kampagne ist rausgeschmissenes Geld. Rausgeschmissenes Steuergeld.
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