Fünf Jahre nach der Ahrtal-Flut: 185 Tote, ein Vermisster und offene Fragen
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Fünf Jahre sind seit der Flutkatastrophe im Ahrtal vergangen. Hinter sich gelassen hat Deutschland die Katastrophe längst noch nicht. Ein Frührentner wird immer noch vermisst, wieder aufgebaut ist bei Weitem noch nicht alles und auch die Verantwortung für das politische Versagen in der Flutnacht wurde nie aufrichtig aufgearbeitet. Ein Rückblick.
Eine Jahrhunderkatastrophe
185 Menschen verloren in jener Julinacht des Jahres 2021 ihr Leben. Doch die Tragödie ist bis heute nicht abgeschlossen. Ein Mann, der mit seinem Wohnmobil im Ahrtal unterwegs war, gilt noch immer als vermisst. Der Frührentner wollte seinen Lebensabend als Dauercamper auf dem Campingplatz Sahrtal bei Kreuzberg, einem Ortsteil von Altenahr, verbringen. Sein Zuhause war ein Wohnwagen mit Vorzelt, idyllisch gelegen unweit des Sahrbachs, ein kleiner Bach, der in die Ahr fließt. Trotz jahrelanger Suchmaßnahmen fehlt von ihm jede Spur.
Für seine Angehörigen hat die Katastrophe nie aufgehört. Auch für viele andere endete sie bis heute nicht. Die Flut zerstörte die Infrastruktur einer ganzen Region: Zehntausende Häuser wurden beschädigt oder weggerissen, Brücken stürzten ein, Straßen wurden überspült und Schulen verwüstet.

16. Juli 2021, Foto nach einem massiven Erdrutsch im Stadtteil Blessem in Erftstadt.
Fünf Jahre nach der Jahrhundertkatastrophe ist der Wiederaufbau vielerorts noch immer nicht abgeschlossen. Von rund 30 zerstörten oder schwer beschädigten Straßenbrücken wurden bislang 14 wiederhergestellt, weitere befinden sich im Bau oder in Planung. Die meisten betroffenen Schulen werden noch saniert oder neu errichtet. Zwar fahren die Züge auf den betroffenen Bahnstrecken inzwischen wieder, doch bei kommunaler Infrastruktur, Krankenhäusern und Kirchen dauern zahlreiche Wiederaufbauprojekte bis heute an.
Vieles ist noch immer Baustelle. Insbesondere die öffentliche Infrastruktur und der Hochwasserschutz beschäftigen Kommunen und Anwohner bis heute.

Ein verrosteter Heizofen steht in einem von der Flut zerstörten Haus in Schuld. Nach der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal vom Juli 2021 sind in vielen Ortschaften noch immer Wiederaufbauarbeiten im Gange.
Die Frage nach der Verantwortung
Die Flutkatastrophe im Ahrtal ist bis heute untrennbar mit der Frage der politischen Verantwortung verbunden. Untersuchungsausschüsse haben sich mit Warnketten, Behördenversagen und unterlassenen Evakuierungen beschäftigt. Aus der Katastrophe wurden Konsequenzen gezogen – etwa Cell Broadcast, ein Mobilfunkdienst zur massenhaften Übermittlung von Warnnachrichten direkt an Mobiltelefone in einem betroffenen Gebiet, der Ausbau von Sirenen sowie Reformen im Bevölkerungsschutz. Dennoch bleibt bei vielen Betroffenen der Eindruck, dass die Verantwortlichen nie wirklich zur Rechenschaft gezogen wurden.

Touristen gehen 5 Jahre nach der Flutkatastrophe vom 14. Juli 2021 durch Bad Münstereifel.
Fragwürdig ist zudem, dass der Wiederaufbau des Ahrtals teilweise dafür genutzt wurde, linke Buntheitsideologie in den Mittelpunkt zu rücken. „Ahrtal wieder bunt“ lautete ein entsprechender Hashtag.
Es hätte Zeit gegeben, die Bevölkerung zu warnen
Auch die Verantwortung der Landesregierung wurde nie wirklich kritisch aufgearbeitet. Als die Menschen ertranken, war Ministerpräsidentin Malu Dreyer nicht zu erreichen. Obwohl sich das Unheil längst anbahnte, legte sie sich offenkundig schlafen. „Okay, schönen Abend!“, schrieb sie um 21:45 Uhr ihrem Innenminister Roger Lewentz. Erst um 5:33 Uhr meldete sie sich wieder. Gegen 1 Uhr hatte Lewentz ihr geschrieben: „Liebe Malu, die Lage eskaliert. [...] Es kann Tote geben/gegeben haben.“ Doch Dreyer war nicht erreichbar.

Malu Dreyer (SPD) trug Regierungsverantwortung als sich die Katastrophe ereignete.
Als sie sich gegen Viertel vor zehn verabschiedete, war bereits ein Hubschrauber zu einem Aufklärungsflug gestartet. Wenig später teilte die Besatzung dem Innenministerium mit, bei der Flut handele es sich um die „wahrscheinlich schlimmste Lage“ in der Geschichte von Rheinland-Pfalz.
In einer Rekonstruktion der Flutnacht urteilt die FAZ: „Ministerpräsidentin Malu Dreyer sagte, das Ausmaß der Flut sei schlicht nicht absehbar gewesen. Doch die Warnungen des eigenen Landesamts kamen rechtzeitig. Es hätte Zeit gegeben, die Bevölkerung zu warnen.“
Vor fünf Jahren hat die Jahrhundertkatastrophe im Ahrtal schmerzlich offenbart, wie verletzlich unser Land im Fall einer Naturkatastrophe ist, und wie lang und beschwerlich der Weg ist, bis ihre behebbaren Schäden beseitigt sind.
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