12. Oktober 1990: Der Tag, der Wolfgang Schäubles Leben für immer veränderte
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Er war eine Institution der Bundesrepublik, ein Mann, der ein halbes Jahrhundert deutscher Zeitgeschichte mitgeprägt hat – jetzt ist er tot. Wolfgang Schäuble starb am Abend des 2. Weihnachtstags im Kreise seiner Familie. Der CDU-Politiker ist friedlich eingeschlafen. Wie Bild berichtet, soll er in den vergangenen Jahren gegen eine Krebserkrankung gekämpft haben, von der nur sein engstes Umfeld wusste.
Schäubles widmete all seine Energie der Politik. NIUS dokumentiert sein Leben in Bildern.
1972 – der erste Wahlkampf

„Unser Mann für Bonn“
Willy Brandt (SPD) ist Bundeskanzler, als Wolfgang Schäuble 1972 das erste Mal für den deutschen Bundestag kandidiert. Seine politische Laufbahn begann er als Mitglied der Christlich Demokratischen Union (CDU) und wurde schnell zu einem der langlebigsten Mitglieder eines demokratischen deutschen Parlaments. Sein Engagement in der Politik war von Anfang an sichtbar, und sein Einfluss wuchs mit jedem Jahrzehnt.
1981 – 1984: Aufstieg und Einfluss
In den frühen 80er Jahren diente Schäuble als Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, eine Position, die seinen weiteren politischen Aufstieg markierte.
Oktober 1990: Wiedervereinigung Deutschlands
Als Innenminister unter Kanzler Helmut Kohl war Schäuble maßgeblich an den Verhandlungen des Einigungsvertrags beteiligt, der die formelle Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten am 3. Oktober 1990 besiegelte. Schäubles juristische Expertise und sein politisches Geschick trugen wesentlich dazu bei, die komplexen Herausforderungen dieser historischen Phase zu meistern und die Grundlage für das wiedervereinte Deutschland zu legen.

Im Palais Unter den Linden in Berlin besiegelten am 31. August 1990 die Regierungen beider deutscher Staaten den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik am 3. Oktober 1990.

12. Oktober 1990: Der Tag, der Wolfgang Schäubles Leben für immer veränderte
Nur wenige Tage nach der Wiedervereinigung wurde Schäuble Opfer eines Attentates. Der Bundesinnenminister war von einem Tag auf dern anderen querschnittsgelähmt. Das Attentat fand während einer Wahlkampfveranstaltung in Oppenau (Baden-Württemberg) statt.

Oktober 1990: Während einer CDU-Wahlkampfveranstaltung in Während einer Oppenau/Südbaden wird Schäuble von einem Attentäter ins Gesicht geschossen. Foto: Cornelius Meffert/Stern/ddp/Picture Press
Der Täter eröffnete aus nächster Nähe das Feuer auf Schäuble. Die Schüsse trafen ihn im Gesicht und Rücken und führten zu einer sofortigen und dauerhaften Querschnittslähmung ab dem dritten Brustwirbel.

Schäuble wurde sofort in die Universitätsklinik Freiburg verlegt.
Der Täter, der unter Verfolgungswahn litt, wurde später in die Psychiatrie eingewiesen.

Der Tatort des Anschlags
Trotz der schweren Verletzungen setzte er seine politische Arbeit fort und ließ sich nicht von seinem Weg abbringen.
Dezember 1990: Politische Verantwortung trotz Reha
Wolfgang Schäuble trat bereits wenige Wochen nach der Tat bei einer Pressekonferenz in seienr Rehaklinik an die Öffentlichkeit. Diese Pressekonferenz fand im Dezember 1990 statt und zeigte Schäuble, wie er sich trotz seiner Verletzungen und der anhaltenden Genesung seiner politischen Verantwortung stellte.

Bereits sechs Wochen nach dem Anschlag hielt Schäuble eine Pressekonferenz in seiner Reha-Klinik ab.
Schließlich war er noch Innenminister. Auch nach dem Anschlag blieb er in diesem Amt und setzte seine Arbeit fort.

Berlin oder Bonn als deutsche Hauptstadt? Schäuble diskutierte im Bonner Bundestag mit.
1991-2000 Fraktionsspitze der CDU-CSU im Bundestag
Unter Bundeskanzler Helmut Kohl konnte Schäuble Reformen bei Steuern, auf dem Arbeitsmarkt sowie bei der Sozialversicherung umsetzen.

Nach dem Attentat auf Schäuble jubelten die CDU-Anhänger bei einem seiner ersten Auftritte.
Diese Maßnahmen zielten darauf ab, die wirtschaftliche und soziale Integration der beiden Teile Deutschlands nach der Wiedervereinigung zu fördern und die deutsche Wirtschaft im Kontext der zunehmenden Globalisierung zu stärken.

Von 1996 bis 1998 war Schäuble Fraktionschef der CDU

Schäuble war als Fraktionschef nah an den Geschicken von Kanzler Kohl beteiligt.
1999 – 2000: CDU-Spendenaffäre
1998 wurde die Regierung von Helmut Kohl abgewählt, Schäuble wurde CDU-Chef und Oppositionsführer im Bundestag. Die CDU-Spendenaffäre erschütterte die deutsche Politik.

Schäuble mit Merkel während der CDU-Spendenaffäre
Schäuble gab Kontakte zum Waffenhändler Schreiber zu und räumte den Empfang einer nicht verbuchten Parteispende von 100.000 DM ein, was zu Rücktrittsforderungen und letztlich seinem Rücktritt als Partei- und Fraktionschef führte.
2001: Wahlkampf mit Angela Merkel, aber noch nicht für Merkel

Zusammen mit Angela Merkel bildete Schäuble 2002 ein Wahlkampf-Team.
2005-2017: Ministerjahre unter Merkel

2010: Finanzminister Schäuble im Zentrum der Krise
2017 – 2021: Präsident des Bundestages
Gegen Ende seiner Karriere diente Schäuble als Präsident des Bundestages, eine Position, die er bis 2021 innehatte. Selbst politische Gegner würdigten ihn für diese Phase seiner Karriere als fairen Demokraten, der Freude an der Debatte hatte.

Bundestagspraesident Wolfgang Schaeuble, CDU, vereidigt Angela Merkel, CDU, im März 2018 als Bundeskanzlerin.

Wolfgang Schaeuble (CDU) erhält Applaus nach seiner Wahl zum Bundestagspräsidenten während der ersten Plenarsitzung des Deutschen Bundestages im Oktober 2017.
Dezember 2022: 50 Jahre Mitgliedschaft im Bundestag
Im Dezember 2022 feierte Wolfgang Schäuble ein besonderes Jubiläum im Parlament: Er feiert den 50. Jahrestag als Abgeordneter – länger hat nie ein deutscher Politiker im Bundestag gesessen. Zugleich feierte er seinen 80. Geburtstag.

Im Dezember 2022 feierte Schäuble seine 50-jährige Mitgliedschaft im deutschen Parlament.
In den vergangenen fünf Jahrzehnten konnte er in Offenburg 14 Mal das Direktmandat für das Parlament gewinnen, er hat also jedes einzelne Mal seinen Wahlkreis direkt gewonnen und ist nie über die Landesliste in den Bundestag eingezogen.

Fraktionsübergreifend erhielt Schäuble damals für seine langjährige Tätigkeit im Bundestag Standing Ovations.
Schäubles Privatleben
Fernab der politischen Bühne fand Schäuble seinen „Ruhepol“ in der Familie. Er heiratete 1969 Ingeborg Hensle zusammen hatten sie vier Kinder und vier Enkelkinder.

Wolfgang Schäuble mit seiner Ehefrau Ingeborg
Auch die Ehefrau der Polit-Legende war zuletzt angeschlagen. Im Sommer 2023 war sie mit dem Fahrrad schwer gestürzt, Ärzte kämpften um ihr Leben. Schäuble hatte sich umso mehr aus der Politik zurückgezogen, um sich mehr um sie zu kümmern. Doch der Krebs verlangte ein anderes Schicksal.

Ingeborg Schäuble war mehr als ein Jahrzehnt Chefin der deutschen Welthungerhilfe.
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