AfD-Parteitag in Essen: Vor der Halle tobt das Chaos, in der Halle übt man sich in Geschlossenheit
Am Ende hatten die Proteste der linken Szene nicht die erwünschte Wirkung: Das zentrale Vorhaben, am Samstag den Parteitag der AfD zu verhindern, scheiterte. Seit den frühen Morgenstunden hatten sich rund 20.000 linke Demonstranten auf die Straßen rund um das Messegelände in Essen begeben, um durch Sitzblockaden und zum Teil auch gewalttätige Angriffe der Polizei und der AfD das Leben gleichermaßen schwer zu machen.

Der U-Bahnhof nahe des Parteitags wurde zuvor von der Stadt in „Vielfalt“ umbenannt.
Sobald ein AfD-Mitglied erblickt oder erkannt wurde, begann das Geschrei, die jeweilige Person wurde markiert. Drei AfD’ler mussten am Morgen in einer Bäckerei in Sicherheit gebracht werden und dort der Dinge verharren. Mehrere Autos wurden umzingelt, um die Anreise von Personen zu verhindern. Doch die Polizei griff in fast allen Fällen rechtzeitig ein. Der Großteil der anreisenden Parteimitglieder hatte ohnehin sichere Routen zur Anreise gewählt. Der Politiker Oskar Lipp war einer der Personen, die in der Bäckerei eingesperrt waren für circa 45 Minuten, wie er gegenüber NIUS berichtet:
Die meisten Delegierten der AfD erreichten so unter massivem Polizeischutz pünktlich die Halle. Die Gewalt fokussierte sich später vor allem gegen die Beamten, die von Linksextremisten massiv attackiert wurde. Immer wieder kam es zu Beleidigungen und Übergriffen durch autonome Splittergruppen. Gegen Mittag musste ein schwer verletzter Polizist ins Krankenhaus eingeliefert werden. Insgesamt wurden mindestens elf Polizisten verletzt, es gab zahlreiche Festnahmen.

Mit nur wenigen Minuten Verspätung lief der AfD-Parteitag sonst reibungslos ab.
Weidel und Chrupalla bilden für weitere zwei Jahre die Parteispitze
Der Parteitag der AfD begann schließlich mit einer kurzen Verzögerung: Schon gegen 10 Uhr waren über 500 der 600 Delegierten im Saal anwesend. Gegen 10:31 Uhr eröffnete Bundessprecherin Alice Weidel den Parteitag vor rund 560 Delegierten. Personell waren die Weichen früh gestellt. Die favorisierten Kandidaten für den neu zu wählenden Bundesvorstand, auf die sich Parteinetzwerke zuvor in Hintergrundgesprächen geeinigt hatten, kamen in den Abstimmungen fast alle durch.
Der für zwei Jahre gewählte Bundesverstand liefert personell entsprechend kaum Überraschungen. Und auch eine Einzelspitze lehnt die AfD-Basis weiterhin ab: Alice Weidel und Tino Chrupalla bleiben die beiden Bundessprecher und erzielten mit 79,77 bzw. 82,72 Prozent mehr als zufriedenstellende Ergebnisse. Demonstrativ nannten sich die beiden alten und neuen Parteichefs gegenseitig „mein geliebter Tino“ und „meine geliebte Alice“.

Während auf vergangenen Parteitagen der AfD noch die eine oder andere Wortmeldung versuchte, in wenigen Minuten die gesamte geopolitische Weltlage zu erklären, blieben am Samstag in Essen die großen Irrheiten aus. Die Partei versucht merklich, sich zu professionalisieren und Streitigkeiten wieder nach innen zu verlagern. Auch jüngere Leute wie der stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Sebastian Münzenmaier, oder der Brandenburger Landeschef René Springer treiben diese Entwicklung bewusst voran.
Journalisten wurden bepöbelt
Inhaltlich lieferte die Partei in ihren Reden Altbekanntes: Man wetterte gegen die „Deutschlandabschaffer“ vor der Halle, verurteilte die desaströse Politik der Ampel-Regierung, warnte vor einer „De-Industrialisierung des Landes“ und forderte eine sofortige Wende in der Migrationspolitik, dessen Ursprünge man im „Merkelschen Willkommensputsch“ der Union von 2015 verortete. Professioneller zeigt sich die Partei, zahmer werden will sie nicht.

Die AfD-Deligierte Beatrix von Storch musste zum Teil durchs Gebüsch, um ihr Auto zu erreichen – geschützt von mehreren Polizisten.
Mehrere Redner warnten vor einer „Melonisierung“ der Partei. „Wir wollen keine Melonisierung der Partei“, erklärte etwa Parteichef Tino Chrupalla. Man dürfe sich nicht verbiegen. „Melonisierung“ ist ein mittlerweile beliebtes Schlagwort in der AfD. Der Vorwurf: Italien Ministerpräsidentin Giorgia Meloni rücke immer weiter in die Mitte, an der ausufernden Migrationskrise in Italien habe sich nichts verändert.
In der Grugahalle blieb also alles ruhig, während vor dem Messegelände bis zum Nachmittag das Chaos herrschte. Die Polizei setzte an zahlreichen Stellen Pfefferspray und Schlagstock ein, um Durchbrüche der Linksextremisten zu verhindern. Immer wieder berichteten auch Pressevertreter über Übergriffe, so etwa die Zeit-Journalistin Mariam Lau.
Linksextremisten spielten sich als Polizei auf und wollten Journalisten kontrollieren. Auch NIUS-Reporter wurden bepöbelt. Am Sonntag wird das bunte Treiben aller Voraussicht nach weitergehen. Die nächsten Demonstrationen sind bereits angekündigt.
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