Aiwanger-Bruder bekennt sich zu Auschwitz-Flugblatt: „Ich bin der Verfasser“
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Dramatische Wende im Auschwitz-Flugblatt-Skandal um Hubert Aiwanger! Zunächst hieß es laut der Süddeutschen Zeitung, der Chef der Freien Wähler habe das Pamphlet verfasst. Doch nun meldet sich sein Bruder zu Wort und räumt ein, er sei der Verfasser des antisemitischen Flyers.
Nun soll es der Bruder gewesen sein. Helmut Aiwanger (53) sagte in einem Telefonat mit der Mediengruppe Bayern, er sei der Urheber des Schreibens, welches 35 Jahre alt ist. „Ich bin der Verfasser dieses in der Presse wiedergegebenen Flugblatts. Vom Inhalt distanziere ich mich in jeglicher Hinsicht. Ich bedaure die Folgen der Aktion“, beteuerte er gegenüber der Mediengruppe Bayern.

Die Süddeutsche Zeitung hatte am Freitag ein Flugblatt veröffentlicht und Aiwanger vorgeworfen, es verantwortet zu haben.
Bayerns Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger hat die Vorwürfe heute zurückgewiesen, als Schüler ein antisemitisches Flugblatt verfasst zu haben.
Ein Gutachten eines Sachverständigen im Auftrag der Süddeutschen Zeitung komme laut dem Blatt zu dem Ergebnis, dass Aiwangers Facharbeit am Gymnasium von 1990 und das besagte Flugblatt aus dem Schuljahr 1987/88 auf Schreibmaschinen gleichen Typs geschrieben wurden. Es sei laut der Zeitung „sehr wahrscheinlich“, dass beides auf ein- und derselben Schreibmaschine angefertigt wurde. Dass im Haushalt der Aiwangers auch andere Personen in Frage kamen, die Schreibmaschine dafür benutzt zu haben, beachtete die Süddeutschen Zeitung offenbar nicht.
#Aiwanger: Stell dir vor, du bist Stellv. Ministerpräsident und hast sechs Wochen vor wichtigen Wahlen den Zuspruch deines Lebens. Weil dein pubertierender Bruder mit 17 eine grobe Dummheit begangen hat, putzt über 35 Jahre später eine der größten Zeitungen Deutschlands die…
— Dr. Fabian Mehring, MdL (@FabianMehring) August 26, 2023
Der ehemalige Chefredakteur und Herausgeber des Stern, Andreas Petzold, schrieb auf dem Kurznachrichtendienst X (früher Twitter).
„Bin ziemlich sicher, dass die SZ-Chefredaktion (Judith Wittwer + Wolfgang Krach) den Samstagabend im Krisenmodus verbringt. Jetzt geht es bei der erforderlichen Reaktion der SZ um Tempo, Transparenz, Verantwortlichkeit und Konsequenz.“
Bin ziemlich sicher, dass die SZ-Chefredaktion (Judith Wittwer + Wolfgang Krach) den Samstagabend im Krisenmodus verbringt. Jetzt geht es bei der erforderlichen Reaktion der SZ um Tempo, Transparenz, Verantwortlichkeit und Konsequenz. #Aiwanger pic.twitter.com/0KUn970L9e
— Andreas Petzold (@andreaspetzold) August 26, 2023
Zur Begründung, warum Helmut Aiwanger diese Hetzschrift formuliert hatte, gab der Niederbayer an, es sei eine Art Protest gewesen. „Ich war damals total wütend, weil ich in der Schule durchgefallen bin und aus meinem Kameradenkreis herausgerissen wurde“, sagte Helmut Aiwanger am Telefon gegenüber der Mediengruppe Bayern. „Damals war ich auch noch minderjährig. Das ist eigentlich alles, das ich dazu sagen kann.“
Die beiden Brüder waren 1987/88 gemeinsam in der elfte Jahrgangsstufe des Burkhart-Gymnasiums in Mallersdorf-Pfaffenberg.

Im Burkhart-Gymnasium in Mallersdorf-Pfaffenberg gingen beide Aiwangers zur Schule.
Aiwanger hatte sich am Samstag Nachmittag zu dem Vorwurf geäußert. „Ich habe das fragliche Papier nicht verfasst und erachte den Inhalt als ekelhaft und menschenverachtend“, teilte der Freie-Wähler-Chef über einen Sprecher in einer schriftlichen Erklärung mit. „Der Verfasser des Papiers ist mir bekannt, er wird sich selbst erklären“, so der stellvertretende Ministerpräsident von Bayern weiter. „Weder damals noch heute war und ist es meine Art, andere Menschen zu verpfeifen,“ ergänzte er.

Hubert Aiwanger (Freie Wähler), Wirtschaftsminister von Bayern.
Aiwanger weiter: „Bei mir als damals minderjährigen Schüler wurden ein oder wenige Exemplare in meiner Schultasche gefunden.“ Daraufhin sei er zum Direktor einbestellt worden. Man habe ihm mit der Polizei gedroht, wenn er den Sachverhalt nicht aufkläre.
„Meine Eltern wurden in den Sachverhalt nicht eingebunden. Als Ausweg wurde mir angeboten, ein Referat zu halten. Dies ging ich unter Druck ein. Damit war die Sache für die Schule erledigt. Ob ich eine Erklärung abgegeben oder einzelne Exemplare weitergegeben habe, ist mir heute nicht mehr erinnerlich. Auch nach 35 Jahren distanziere ich mich vollends von dem Papier.“
Die Süddeutsche Zeitung hatte am Freitagabend ein Flugblatt veröffentlicht, das Aiwanger in der 11. Klasse verantwortet haben soll. Das Schriftstück lobt unter der Überschrift „Bundeswettbewerb – Wer ist der größte Vaterlandsverräter?“ unter anderem einen „Freiflug durch den Schornstein in Auschwitz“ als Preis aus. Aiwanger bestreitet also nicht, das Dokument besessen zu haben – wohl aber ausdrücklich, es verantwortet oder verbreitet zu haben.

„Ich habe das fragliche Papier nicht verfasst und erachte den Inhalt als ekelhaft und menschenverachtend“, teilte der Freie-Wähler-Chef über einen Sprecher in einer schriftlichen Erklärung mit.
Die SZ titelte am Freitagabend: „Belastendes Dokument: Aiwanger soll als Schüler antisemitisches Flugblatt verfasst haben“. In dem Text werden anonyme Zeugen zitiert, die Aiwanger belasten. Namentlich wird kein Ankläger genannt. Aiwanger hatte sich auf SZ-Anfrage über einen Sprecher dementieren lassen und rechtliche Schritte im Fall einer Publikation angekündigt.
Im Oktober wird in Bayern ein neuer Landtag gewählt. Aiwanger ist seit 2018 Vize-Regierungschef unter Ministerpräsident Markus Söder. Söder hatte Aiwanger am Samstagvormittag aufgefordert, sich öffentlich zu erklären. Dem ist der FreieWähler-Chef nun nachgekommen.
Fabian Mehring, Abgeordneter für die Freien Wähler in Bayern, schrieb beim Twitter-Nachfolger X, Aiwanger habe vor der Fraktion „persönlich und glaubhaft versichert“, nicht Urheber des Flugblatts zu sein.
Mehrere Juristen erhoben Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Berichterstattung. Die SZ müsse erklären, woraus sich bei einem „Uralt-Fall des seinerzeit noch minderjährigen Aiwangers ein aktuelles öffentliches Interesse an der Berichterstattung ergeben soll“, bemerkte der Strafverteidiger Udo Vetter, der als Lehrbeauftragter für Medienrecht an der Hochschule Düsseldorf tätig ist.
Lesen Sie auch: Nach Vorwürfen gegen Aiwanger: Alarmstufe Rot bei Markus Söder wegen Auschwitz-Flugblatt
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