„Als Wähler bleibt fast nur noch diese Alternative übrig“ – Schriftsteller Uwe Tellkamp erklärt den AfD-Höhenflug
Ein Beitrag von
- Bestseller-Autor Uwe Tellkamp war zu Gast bei „Schuler! Fragen, was ist“.
- Er verteidigt Menschen, die AfD wählen.
- Eine andere Option gebe es ja nicht, um Kritik an der Politik zu äußern.
In der Debatte um die hohen Umfragewerte der AfD hat Bestseller-Autor Uwe Tellkampf („Der Turm“, „Der Schlaf in den Uhren“) Verständnis für Menschen geäußert, die die AfD wählen. In Gespräch mit der Interview-Plattform „Schuler! Fragen, was ist“ sagte Tellkamp, „küchenpsychologisch“ leuchte ihm vieles an den hohen AfD-Werten ein. „Wenn sie nicht damit einverstanden sind, was derzeit an Hauptpolitik gemacht wird, dann bleibt ihnen als Wähler fast nur noch diese Alternative übrig. Sie können natürlich auch Kleinstparteien wählen, die keinen Einfluss bekommen, also ihre Stimme verschenken. Wenn sie nicht wollen, dass gegendert wird, wenn sie nicht wollen, dass Migration weiter so läuft, wie bisher oder noch schlimmer, dann haben sie fast keine andere Option mehr.“
„Denkverbote und Brandmauern“ wurden CDU zum Verhängnis
Dass Unzufriedenheit mit der Bundesregierung nicht zu weiteren Zuwächsen bei der Union führt, liegt nach Ansicht von Tellkampf daran, dass die Union für Fehler der Vergangenheit verantwortlich gemacht werden. „Die Union steht meines Erachtens zwischen Baum und Borke. Sie hat sich dahin auch selbst manövriert unter den Merkel-Jahren mit Denkverboten und den so genannten Brandmauern nach links und nach rechts. Wobei es ja inzwischen schon so ist, dass die Brandmauer nach links zum Beispiel in Thüringen sehr löchrig ist, denn dort haben wir eine linke Minderheitsregierung geduldet von der CDU. Und das zweite ist: Die Union wird für vieles verantwortlich gemacht, was zurzeit schiefläuft und was in den Merkel-Jahren passiert ist: Die Anbiederei an den links-grünen Zeitgeist kommt eindeutig für viele Menschen von dort. Und es wird der Verrat an klassisch konservativen Positionen der Union nicht verziehen.“
Tellkamp kritisierte auch den Umgang der Medien mit der AfD. Anstatt mit den Vertretern der Partei zu sprechen, werde meist nur über sie gesprochen, so der Schriftsteller. „Wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk seinen in den Statuten verankerten Auftrag wirklich wahrnehmen würde“, müsste dort mehr mit Vertretern der AfD gesprochen werden. „Wenn es denn die Erzählung ist, dass man die AfD sachlich und sachgemäß stellen will, dann müsste es eben auch geschehen in einer Talkshow. Was ich statt dessen erlebe, ist dann meistens eine Vier-gegen-eins-Politik, wenn überhaupt einer eingeladen wird, dann sind vier dabei, die auf ihn einhacken oder unterbrechen. Oder es wird keiner eingeladen, sondern ein Stellvertreter, Herr Linnemann von der CDU, der dann diese Positionen annähernd vertreten darf und sich dann noch rechtfertigen muss.“
Als Ursache für das Erstarken der AfD sieht Tellkamp unter anderem die Migrationskrise der Jahre 2015/2016. Die anfängliche Willkommenskultur sei damals nur ein Teil der Wahrheit gewesen, so Tellkamp in dem Gespräch. „Gleichzeitig kamen aber auch die Probleme hinterher: Was bedeutet das, so viele aufzunehmen in kurzer Zeit? Was heißt Integration eigentlich? Welche Rolle spielt dann unsere Sprache, unsere Kultur, die ja bedroht war? Oder ist man sofort AfD und Nazi, wenn man sagt: Es gibt eine Kultur, und sie ist schützenswert.“
Tellkamp: Bekenntnis zur deutschen Kultur hat nichts mit rechter Ecke zu tun
Tellkamp hält diese Fragestellungen ausdrücklich für berechtigt. „Wir haben das Recht auf eine Kultur, die von uns kommt und die tradiert werden kann. Wer diese Einwände gebracht hat, der ist ja sofort verdrängt und in einen gewissen Bezirk verschoben worden. Das habe ich nicht persönlich alleine erlebt, das haben viele tausend Menschen erlebt, die sich dann zurückgenommen haben, je nach Temperament, oder sich gewehrt haben. Dann wurde die Keule schlimmer. Haben sie sich noch mehr gewehrt, dann wurde es wieder schlimmer. Das ist so ein Urerlebnis gewesen, wo viele gesagt haben: Wir sind nicht fremdenfeindlich, aber Einwände gegen Migration zu bringen, zu Trennen zwischen Flucht und Migration, bei allen Zwischenstufen dazwischen, auf Recht und Gesetz zu bestehen. Darauf zu bestehen, wie ich zum Beispiel, dass wir eine eigene Kultur haben, die es wert ist, tradiert zu werden, heißt gerade deshalb nicht, dass ich deswegen andere minder schätze. Das ist einfach Unfug! Und dieser Unfug ist journalistisch massiv verbreitet worden und hat viele Menschen zum Nachdenken gebracht, und wird ja noch verbreitet. Es hört ja nicht auf.“
Tellkamp verwahrt sich dagegen, durch sein Bekenntnis zur deutschen Kultur in die rechte Ecke gestellt zu werden. „Sie sind ja sofort ein Fremdenfeind, wenn sie sagen: Jawohl, ich bin ein deutscher Schriftsteller, ich liebe Goethe, ich liebe Schiller. Ich komme nun mal nicht aus Afrika. Gleichwohl hat der afrikanische Kollege jedes Recht, seine Kultur zu mögen, und die lese ich genauso. Das ist doch kein Problem. Aber das ist für viele offenbar nicht zusammen zu denken ohne Abwertung. (…) Es geht um einen Identitätskern: Wer sind wir, und wer wollen wir bleiben?“
Gleichzeitig rechnet der Schriftsteller auch mit der Kulturszene ab. „Es ist ein Irrtum zu glauben, dass die Kulturbranche politisch sehr wach wäre. Das ist nicht der Fall. Viele sind naiv, haben ein einfaches Weltbild. Bei vielen geht es auch schlicht um Förderung, um Fördertöpfe.“
Noch mehr News:
- Demonstratives Händeschütteln mit AfD-Leuten: Warum die AfD unsichtbar bei der CSU-Klausur in Seeon dabei ist
- AfD 24 Prozent rauf – Abstand zwischen Union und AfD halbiert: Diese Umfrage belegt den Magdeburg-Aschaffenburg-Effekt
- Jan Fleischhauer bei „Schuler! Fragen was ist“: „Die Grünen liefern Comedy-Gold!“
- Ein Land, in dem die AfD gar keinen Wahlkampf mehr machen muss
- CDU-Vize Prien prahlt mit AfD-freiem Wahl-O-Mat-Ergebnis – und blamiert sich
- Danke Rot-Grün, macht bitte weiter so!
- Islamisten-Terror, Klima, Migration: Wie Deutschland zu einer sprachlosen Gesellschaft wird
- Literat Tellkamp: „Ich sehe wieder eine neue Art von Staatskunst aufblühen, die gefördert wird, die die Preise kriegt“
- Wie lang kann die Regierung das Volk eigentlich ignorieren?
- Matthias Berger ist das Zünglein an der Waage im Sächsischen Landtag: „Das Land ist doch einfach marode“
Mehr NIUS:
Die skurrilsten Beschlüsse des Linken-Parteitags
Regierungs-Kommission fordert die AfD-Rente – die große NIUS-Analyse zu den 33 Empfehlungen
Bericht: Das will die AfD an deutschen Schulen und Universitäten verändern
Erst „faschistische Politik“ unterstellen, dann Reue bekunden: Linken-Chef bittet CDU um Entschuldigung
„Den Garaus machen“: Linke-Fanatiker ruft auf Parteitag zu Mord an Kapitalisten auf
33 Empfehlungen im Wortlaut: Das sind die wahren Pläne der Renten-Kommission
Neues Heizungsgesetz: Deutsche Umwelthilfe kündigt Klimaklage vor Bundesverfassungsgericht an
Neuer Linken-Chef Pantisano: Es gibt keinen Unterschied zwischen der CDU und den Faschisten
Mehr NIUS:
Erst „faschistische Politik“ unterstellen, dann Reue bekunden: Linken-Chef bittet CDU um Entschuldigung
„Den Garaus machen“: Linke-Fanatiker ruft auf Parteitag zu Mord an Kapitalisten auf
33 Empfehlungen im Wortlaut: Das sind die wahren Pläne der Renten-Kommission
Neues Heizungsgesetz: Deutsche Umwelthilfe kündigt Klimaklage vor Bundesverfassungsgericht an
Neuer Linken-Chef Pantisano: Es gibt keinen Unterschied zwischen der CDU und den Faschisten
Climate-Trouble: „Sie steckten mich in einen fensterlosen Raum“ – wie ein kritischer Professor aus seiner Universität gemobbt wurde
Kretschmer kritisiert AfD-Strategie: „Das bloße Ausgrenzen bringt nichts“
Aus Angst vor einer AfD-Regierung: Innenminister planen neue deutsche Sicherheitsarchitektur
Ralf Schuler
Artikel teilen
Kommentare