„Brauner Bodensatz“ und Müll-Vergleich: Warum wir aufhören müssen, AfD-Wähler zu beschimpfen
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- Als Reaktion auf die Wahl von AfD-Landrat Robert Sesselmann vergreifen sich ausgerechnet stolze Demokraten in der Wahl der Mittel.
- AfD-Anhänger sehen sich bestätigt, dass die Demokratie versagt.
- Stabilisierung der AfD erfolgt auch durch ihre Gegner.
In Sonneberg wird ein AfD-Landrat gewählt, und das politische Deutschland steht Kopf. FDP-Chef Christian Lindner rät, zur Not lieber die Linkspartei zu wählen, wenn man denn protestieren wolle, als AfD. Thüringens Verfassungsschutzchef Stephan Kramer sagt, „wir sind bei ungefähr 20 Prozent braunem Bodensatz in der Bundesrepublik“ und sortiert ein Fünftel der Deutschen mal eben ein in das Schubfach entmenschlichter Nazis.
Politisch missliebige Menschen als Unrat
Die Social-Media-Abteilung der Berliner Verkehrsbetriebe findet es angemessen und witzig, einen Tweet zu posten, auf dem ein durchgestrichener Burger und ein durchgestrichener AfD-Schriftzug zu sehen sind über der Zeile: „Danke, dass du den Zug sauber hälst!“ Politisch missliebige Menschen als Unrat, Herbeiwünschen eine AfD-freien Zone, gedankliche Anleihen an düstere Zeit.
Das öffentliche Online-Format Funk titelt: „Björn Höcke, Alice Weidel, Friedrich Merz und Markus Söder haben was gemeinsam: Sie sind rechts.“ Michael Voß, Chef vom Dienst bei MDR-aktuell twittert: „Macht mit: Schützt die Demokratie und boykottiert den Landkreis Sonneberg im Tourismus, in der Wirtschaft und auf allen Ebenen. Es darf später nicht wieder heißen, man habe es nicht gewusst.“ Eine vorweggenommene „Machtergreifung“ als Vorwand für Boykott im Dienste der Demokratie…
Besorgte Demokraten werden plötzlich ganz undemokratisch
Kriminalisieren, entmenschlichen, boykottieren – während das Thüringer Landesverwaltungsamt die „Demokratietauglichkeit“ des AfD-Landrats überprüfen will, sind es ausgerechnet die um Demokratie besorgten Demokraten, die sich geradezu blindwütig in der Wahl der Mittel vergreifen und das Lager der AfD-Anhänger und Sympathisanten noch weiter zusammenschweißen.
Auch wenn es sich schwer messen lässt, welchen Anteil Ausgrenzung, Anfeindung und Paria-Behandlung an Entschlossenheit und Zusammenhalt AfD-naher Milieus haben, dass es gruppendynamische Auswirkungen hat, wenn man zwanzig Prozent potenzieller AfD-Wähler erklärt, nicht zur Demokratie zu gehören und unzulässige Ansichten zu vertreten. Auch das Brandmauer-Mantra der Union wird in AfD-nahen Milieus als Verweigerung verstanden, sich ihrer Themen annehmen zu wollen.
Mit anderen Worten: Volksvertretung findet nur bei gefälligen Meinungen statt. Wer die AfD auf Dauer stützen will, muss genau so weitermachen.
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Ralf Schuler
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