Crash-Prophet Marc Friedrich: „Der Euro wird entweder digitalisiert oder geht unter“
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Er ist Volkswirt und Bestsellerautor und erreicht mit seinen Videos auf Youtube Hunderttausende Zuschauer: Marc Friedrich (48) beschäftigt sich seit Jahren mit den Entwicklungen an den Finanzmärkten, und sein Ausblick sieht nicht rosig aus. Für „Schuler! Fragen, was ist“ habe ich ihn gefragt, warum er glaubt, dass der Niedergang des Euro bereit begonnen habe.
„Schauen Sie sich an, wie der Dollar, wie der Euro sich entwerten gegenüber anderen Sachwerten wie Gold oder Bitcoin. Wir sehen auch, dass die Europäische Zentralbank (EZB) seit Jahren im Dauerkrisenmodus ist und den Euro retten muss, dass die Maastrichter Kriterien gebrochen werden mussten und Billionen ins System gepumpt werden mussten, damit der Euro überhaupt noch überlebt. Das sind Anzeichen.“

„Wir sind jetzt tatsächlich im Endspiel“
Die Geschichte zeige allerdings, so Friedrich, dass sich solche Prozesse des Niedergangs sehr lange hinziehen. Im Schnitt funktionieren Geldsysteme zwischen achtzig und einhundert Jahren. „Und das ist seit 2000 Jahren der Fall. Also alle 80 bis 100 Jahre kommt ein neues Geldsystem. Geld kommt und geht. Allein im letzten Jahrhundert hatten wir in Deutschland mehrere unterschiedliche Währungen und der Euro ist gerade mal süße 25 Jahre jung, hat aber jetzt schon offiziell 40 Prozent an Kaufkraft verloren. Aber wenn sie einen anderen Gegenwert dagegen nehmen, wie Aktienmärkte, Gold oder Bitcoins, liegt der Verlust bei über 95 Prozent. Das merken die Menschen da draußen natürlich. Wir sind jetzt tatsächlich im Endspiel.“
Friedrich ist überzeugt: „Der Euro wird in den nächsten Jahren definitiv entweder digitalisiert werden, damit man ihm noch ein bisschen Lebenszeit einhauchen kann, oder er wird verschwinden.“

Er ist überzeugt, dass der Euro „ein Fehlkonstrukt“ ist, „weil eine Wirtschafts- und Währungsunion zwischen unterschiedlich starken Volkswirtschaften noch nie funktioniert hat, weil es absoluter Wahnsinn war, schwache Volkswirtschaften wie Griechenland oder Italien mit starken Volkswirtschaften wie Deutschland in ein Währungskorsett zu betten. Und jetzt haben wir das Dilemma. Jetzt sehen wir halt diese Rettungsorgie seit 2012. Und wie gesagt, ohne das Brechen der Maastrichter Kriterien wäre der Euro schon längst passé.“
„Krisen können nicht durch die Druckerpresse gelöst werden“
Und noch etwas steht für Friedrich fest: Schulden lösen keine Probleme. „Was Sozialisten und Linke immer gut können, ist, immer neue Schulden zu machen. Noch nie hat sowas funktioniert. Man kann nicht durch neue Schulden nachhaltig und langfristig Wirtschaftswachstum generieren. Man kann damit keine Krisen lösen oder versuchen, dass alle reich werden. Ansonsten wäre ja Simbabwe oder Venezuela oder auch die DDR immer noch unter uns und wären die reichsten Länder, die es jemals gab.
Krisen können nicht durch die Druckerpresse gelöst werden. Man kann temporär die Probleme abdecken und übertünchen, aber die Schuldenberge werden irgendwann so groß, dass man Inflation bekommt und dass die Menschen einfach das Vertrauen in das Geldsystem verlieren und dann Alternativen suchen.“

Friedrich leitet seine düsteren Prognosen auch aus dem Blick in die Wirtschaftsgeschichte her und erkennt dort Muster, die uns heute wieder aktuell vorkommen. Nach historischen Zäsuren „fängt man mit einem harten, guten Währungssystem an, das limitiert ist, das gedeckt ist durch einen Sachwert, auf den sich die Menschen verständigen können. Und dann wird es aufgeweicht durch die Politiker, weil Schulden einfach zu attraktiv sind. Man möchte Wahlversprechen finanzieren. Die Kriege sind zu teuer, das Heer ist zu teuer, und auf einmal fängt man an, zunächst unmerklich zum Beispiel durch die Münzentwertung (Reduzierung des Edelmetallfeingehalts der Münzen; Anm. d. Red.) oder durch die Aufhebung des Goldstandards dieses System auszuhebeln. Und dann erodiert auch das Vertrauen. Dann beginnt eine Schuldenspirale, es kommen Wirtschaftskrisen, Spekulationsblasen, Populisten werden stärker, die Unzufriedenheit steigt, und dann endet es meistens in Revolution oder Krieg.“
Neues Geldsystem „spätestens Anfang der dreißiger Jahre“
Kritiker nennen Friedrich einen „Crash-Propheten“, der sein Geschäft mit den Krisen mache. Ein Vorwurf, den der gebürtige Baden-Württemberger ernst nimmt. Natürlich gehen nicht immer alle Prognosen auf, sagt er. Und doch habe er mit vielen seiner Analysen richtig gelegen. Auf einen genauen Zeitpunkt eines Währungscrashs will er sich gleichwohl nicht festlegen. „Wir sind schon mittendrin in diesem Paradigmenwechsel“, sagt er. „Ich glaube, wir spüren es ja auch: Das Geld zerrinnt zwischen den Händen. Wenn Sie an der Tankstelle sind, wenn Sie Stromrechnung bezahlen. Die Menschen merken einfach, es reicht vorne und hinten nicht mehr. Es rumort, viele Dinge werden künstlich verteuert durch verschiedenste Aufschläge für Öko-Umlagen oder ähnliches.“
Doch er entlässt auch die Politik nicht aus der Verantwortung. „Dazu die Inkompetenz der Regierungen und die moralischen Ziele, die man verfolgt, das Klima zu retten, alle zu impfen usw. Das sind natürlich auch alles wichtige Punkte, die aber dazu führen, dass die Krise sich verschlimmert. Das Heizungsgesetz war ganz, ganz schlimm, da wurde die Unsicherheit noch größer. Die Deindustrialisierung kommt hinzu, weil Unternehmen keine Planungssicherheit mehr in Deutschland haben und dann sagen: Wir gehen lieber woanders hin. All das spielt mit rein.
Aber grundlegend hat unser jetziges Geldsystem einfach einen Fehler, und dieser Fehler wird sich in den nächsten Jahren ausspielen. Deshalb würde ich sagen, vielleicht noch diese Dekade, aber spätestens Anfang der dreißiger Jahre wird es eine Währungsreform geben müssen oder ein neues Geldsystem.“
Hier sehen Sie das ganze Gespräch:
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Ralf Schuler
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