Debatte um linke Richterin Brosius-Gersdorf: Hochsauerlandkreis wendet sich gegen Friedrich Merz
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Ungewohnter Gegenwind aus der Heimat: In der Debatte um die Wahl der linken Richterin Frauke Brosius-Gersdorf muss sich Friedrich Merz ausgerechnet Kritik aus den Sauerländer-Unionsverbänden gefallen lassen. Doch nicht nur das: Auch der Verband der katholischen Studentenverbindungen kritisiert den Kanzler in seiner Haltung zu Brosius-Gersdorf.
Dabei galt der Hochsauerlandkreis immer als sicherer Rückzugsort, um Kraft für die Arbeit in Berlin zu tanken. Seine Fahrradtouren durch die kleinen Ortschaften des HSK haben fast schon Tradition, bei Bratwurst und Bier gab sich der gebürtige Briloner gern als Sauerland-Versteher.

Die Menge lauscht nur seinen Worten: Hier hatte er den Rückhalt sicher.
Kein Rückhalt mehr im HSK
Den engen Draht in die Heimat scheint er allerdings verloren zu haben. Denn das Bekenntnis des Bundeskanzlers zur Richterin, für die die Menschenwürde erst ab der Geburt gilt, trifft im Sauerland auf harten Widerstand: „Wenn die Frau tatsächlich gewählt werden sollte, kann man eigentlich das C aus dem Parteinamen streichen“, heißt es anonym aus dem CDU-Stadtverband in Schmallenberg. Stattdessen wünscht sich der Mann vom Kanzler mehr eigene Beharrlichkeit: „Man sollte nicht alles, was von der SPD kommt, automatisch mittragen, nur weil sie Koalitionspartner ist.“

Auf seiner Radtour schaute Friedrich Merz selbstverständlich in Schmallenberg vorbei.
Auch aus dem Ortsverband Bödefeld kommt Kritik. Wenn gerade bei der Neubesetzung des Verfassungsgerichtes der Schutz des ungeborenen Lebens nicht viel zähle, „finde ich das schon sehr fragwürdig“, sagt Daniel Gierse.
Das Verhältnis zur eigenen Verfassung stellt auch ein Mitglied der Bestwiger CDU infrage: „Als Richterin am Bundesverfassungsgericht hat sie die Aufgabe unsere Verfassung zu schützen und nicht sich mit einer solchen Aussage gleich gegen den 1. Artikel unseres Grundgesetzes zu stellen“, sagt der Christdemokrat zu NIUS. So dürfe nicht mit unserem Grundgesetz umgegangen werden, ist er sich sicher.
Kritik aus dem eigenen Verband
Die Kritik reicht über die Grenzen des Sauerlandes hinaus. Selbst der Dachverband, in dem Merz’ katholische Studentenverbindung Bavaria Bonn organisiert ist, meldete sich am Donnerstag zu Wort. Der Vorsitzende im Rat des Cartellverbandes der katholischen Studentenverbindungen, Claus-M. Lommer, berichtet von Beschwerden im Verband: „In den letzten Tagen wurde mir gegenüber in steigendem Maße das Unverständnis über den Vorschlag, Frau Brosius-Gersdorf zur Bundesverfassungsrichterin zu wählen, zum Ausdruck gebracht.“ Sie vertrete aus seiner Sicht eine Position zu Menschen und Lebensschutz, „die mit den Grundwerten des katholischen Cartellverbandes (CV) zu einer uneingeschränkt geltenden Menschenwürde nicht in Einklang steht.“ Der Cartellverband ist unter den Akademikerverbänden der größte in Deutschland.

Auch Merz ist stolzes Mitglied des Cartellverbandes – und verliert dort jetzt den Rückhalt
Katholische Kritik gibt es aber auch noch von anderer Seite. Ein Mitglied der Mescheder Abtei Königsmünster greift den CDU-Chef ebenso scharf an. Für ihn sei die Würde des Menschen unantastbar, auch ein ungeborener Mensch besitze sie, „weil sie immer eine empfangene, unverfügbare Gabe bleibt und aus christlicher Sicht dem Menschen von der Zeugung bis zum Tod anhaftet. Für ihn sei es unverständlich und beschämend, dass Merz eine Richterin unterstütze, die genau das anders sehe – und nicht müde werde, ihre Meinung in die Debatten um die Abtreibungsproblematik einzubringen.

In der Benediktiner-Abtei in Meschede ärgert man sich über Merz‘ Aussagen.
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