„Deutschland den Deutschen“: SPD macht mit rechtsextremer Parole Wahlkampf
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Das geschmacklose Party-Video von Sylt hat es zu bundesweiter Berühmtheit geschafft: Die Tagesschau nahm sich stolze 2.12 Minuten, um das 14-Sekunden-Video zu besprechen, selbst der Bundeskanzler reagierte, nannte die Parole „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“, die dort gesungen wurde, „eklig“ und „nicht akzeptabel“.
In der SPD-Parteizentrale hatte man das wohl nicht mitbekommen, denn nicht einmal 24 Stunden nachdem das Sylt-Video viral ging, veröffentliche die SPD ein neues Wahlplakat für die Europawahl am 9. Juli. „Deutschland den Deutschen“, stand da in großen Lettern. Dahinter, viel kleiner: „die unsere Demokratie verteidigen“.

Mit diesem Plakat wollte die SPD für die Europawahl werben.
Die SPD übernahm also eine der, laut Bundeskanzler, „ekligen“ und „nicht akzeptablen“ Parolen, wohl um den Vorfall von Sylt für den Europa-Wahlkampf zu instrumentalisieren. Dass „Deutschland den Deutschen“ als beliebte Parole auf Demos von Rechtsextremen gilt, war den Machern offenbar egal. Offenbar auch, dass der Wortlaut Nicht-Deutsche, die sich für die Demokratie einsetzen, ausschließt.
Die Welle der Kritik ließ nicht lange auf sich warten, die SPD reagierte schnell und löschte das Plakat wieder – nebst Entschuldigung:
„Wir haben gerade einen Post veröffentlicht, mit dem wir aufs Schärfste verurteilen, was wir alle in einem Video aus Sylt gesehen haben. Dabei haben wir es nicht geschafft, einen Ton zu treffen, der alle mitnimmt. Dafür möchten wir uns aufrichtig entschuldigen. Uns geht es darum, klar zu machen, dass wir dieses Land nicht den Rechtsextremen und Hasspredigern überlassen wollen. Wir wollen unsere Demokratie und unsere Freiheit verteidigen. Lasst uns diesen Kampf gemeinsam solidarisch weiterführen!“, hieß es in einer Story bei Instagram.
SPD-NRW mit KI-Video zum Sylt-Vorfall
Auch die SPD in Nordrhein-Westfalen versuchte sofort, mit dem Video aus Sylt politisch Kapital zu schlagen: Die Partei legte ein von einer künstlichen Intelligenz kreiertes Lied über die unkenntlich gemachten Bilder aus Sylt, mit einem neuen Text: „Nazis raus! Keiner braucht Faschos! Trinkt euren Aperol alleine! Ihr tanzt wie 1933!“
Die kritischen Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: „Bitte hört auf damit. Bitte“, kommentierte etwa der Militär-Experte Carlo Masala. NIUS-Kolumnist Ben Brechtken kommentierte: „Ihr tanzt wie 1933. Wie sehr kann man die Nazizeit verharmlosen?“ SPD NRW: „Ja!“. Auch aus der eigenen Partei kam Kritik, etwa von Henrik Hamann, Mitarbeiter der SPD-Abgeordneten Johannes Schätzl: „Reicht jetzt mit schlecht sein für heute.“
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