Die CDU verschweigt beim Gedenken die verstorbene Mutter des Hanau-Attentäters – und verweigert Begründung
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Wie viele Personen sind beim Attentat in Hanau am 19. Februar 2020 gestorben? Eigentlich eine Frage, die sich einfach beantworten lässt. Der Täter, Tobias R., tötete Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov. Und: Gabriele Rathjen, seine eigene pflegebedürftige Mutter. Diese wird im kollektiven Gedenken – ob von SPD, Grünen, der Integrationsbeauftragten oder Bundeskanzler Olaf Scholz – ausgeschwiegen. Doch auch die CDU verzichtet darauf, der Mutter zu gedenken.
In einem Beitrag vom 19. Februar auf X heißt es: „Heute vor vier Jahren ermordete ein rechtsextremistischer Terrorist neun Menschen bei einem rassistischen Anschlag in #Hanau. Menschenverachtender Hass & Hetze sind ein Gift, das sich nicht ausbreiten darf. Wir alle müssen uns dem geschlossen entgegenstellen, denn #RassismusTötet“. Dazu ist eine Kachel abgebildet, auf der die neun Namen der Opfer mit Migrationshintergrund gezeigt werden mit der Forderung: „#SayTheirNamens“.

Die CDU-Gedenkkachel auf X.
Besonders brisant: Noch vor drei Jahren noch, im Jahr 2021, veröffentlichte die CDU eine Gedenkkachel, in der ausdrücklich aller zehn Opfer gedacht wird. Auch etwa Manuel Ostermann, Polizeigewerkschafter und CDU-Politiker, nannte alle Namen inklusive Gabriele Rathjen.
Passt der Name nicht ins Opferschema?
Der Name Gabriele Rathjens ist inzwischen zum Politikum geworden, weil zahlreiche Beobachter vermuten, ihr Ausschweigen habe politische Gründe. Weil Gabriele Rathjen nicht ins Schema des Opfers mit Migrationshintergrund passe und das Bild eines psychisch gestörten Täters mit persönlichen Motiven nachzeichne, so die Argumentation, komme es denjenigen gelegen, die die Motivlage des Tobias R. auf Rassismus reduzierten. „Von Grünen, Linken und SPD hätte ich ja erwartet, die getötete Gabriele Rathjen auszublenden, aber dass die CDU dies auch macht, zeigt, wo die Union inzwischen steht: Inmitten der 3 oben genannten Parteien“, schreibt etwa der Autor Peter Borbe auf X.

2021 führte das CDU-Gedenken noch den Namen der Mutter des Attentäters auf.
Auch auf Anfrage von NIUS wollen sich die Christdemokraten nicht zu dem Vorfall äußern. „Im Zusammenhang mit dieser Kommunikation wollte ich höflich bei Ihnen anfragen: Warum hat die CDU sich entschieden, in diesem Jahr nicht mehr Gabriele Rathjen zu gedenken? Wie erklären Sie die Veränderung in der Kommunikation, die sich vollzogen hat im Zeitraum der letzten 2 Jahre?“ wollte NIUS am Montag, um 9:30 Uhr von der Pressestelle der CDU wissen. Insgesamt sechs Anrufe und mehr als 30 Stunden später hat die CDU trotz mehrfacher Nachfragen noch immer nicht geantwortet.
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