„Die Sozialisten wüten, weil wir gewinnen“: Argentiniens Präsident Milei predigt den Geist der Freiheit
Ein Beitrag von
Draußen fährt er durch Feindesland, drinnen ist er der Messias!
Als die liberale Hayek-Gesellschaft vor Monaten verschämt anfragte, ob Argentiniens Präsident Javier Milei (53) bereit wäre, die „Hayek-Medaille“ entgegenzunehmen, konnten die Mitstreiter von Vorstandschef Prof. Stefan Kooths (Institut der Weltwirtschaft, Kiel) ihr Glück kaum fassen: Milei sagte zu und erschien am Samstagnachmittag höchstselbst im Hotel Hamburg Hafen. Rund um den Tagungsort herrschte Ausnahmezustand, die Polizei nebst Wasserwerfern, war auf Proteste von Kapitalismuskritikern vorbereitet, Medien schossen sich auf den „Turbokapitalisten“ ein, der im Wahlkampf mit einer Kettensäge geschwenkt hatte, als Zeichen dafür, wie er den verfetteten Staat zurückstutzen werde.
Drinnen, hoch oben im Turmsaal mit Blick über den Hamburger Hafen, dagegen wird Milei erwartet wie eine Lichtgestalt. „Es gibt eine Hoffnung“, sagt Carlos A. Gebauer vom Hayek-Vorstand unter johlendem Applaus, als der strubbelköpfige Argentinier einzieht. Er verkörpere ein Stück „Weltgeschichte“ und solle bloß nicht glauben, was er in Deutschland über sich und die Hayek-Gesellschaft lese.
Man sei fest mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung verbunden und habe im Vorfeld des Besuchs eine ganze Menge Geschenke bekommen, die man Milei übergeben solle.

Milei bei der Festrede in Hamburg.
Von Löwen und Schafen
Gebauer hat für diesen Tag eine Krawatte mit Löwen an, weil Milei einmal gesagt hat, er wolle „nicht Schafe führen, sondern Löwen wecken“. Seine Hemdmanschetten werden von silbernen Kettensägen-Knöpfen zusammengehalten. Für Kooths ist Milei einer jener „Bahnbrecher, die in höchster Not auftauchen“. Einer, der einen politischen Kurswechsel durchziehe, statt populistische Versprechen zu machen. Milei löse die Fesseln, die die Menschen daran hindern, sich selbst zu helfen.
Kein Wunder, dass der Jubel im Saal keine Grenzen kennt. Die Wirtschaftsliberalen der Hayek-Gesellschaft sind in Deutschland eine klare Minderheit, die ihre liberale Weltsicht auch auf das gesamte Verhältnis von Staat und Bürger beziehen. Gegen Bevormundung, für Eigentum und schlanken Staat. Milei ist für die Liberalen einer, der in Argentinien vormacht, wie man einen verkrusteten Beamtenstaat zurückschneidet und verfilzte Staatswirtschaft zerschlägt.
Im ersten halben Jahr seiner Regentschaft hat er 22.000 Beamten entlassen, große Staatsprojekte gestoppt und die Staatsausgaben zusammengestrichen, was die internationale Kreditfähigkeit wieder erhöht hat und, so hofft der Ökonom, Investitionen und Konjunktur wieder anbläst. Nur wenige Regenten westlicher Ländern gehen die Probleme so direkt und konsequent an.
Der imaginierte Kampf gegen Rechtsaußen
„Ola todos“ (Hallo zusammen), sagt er lächelnd, als er endlich nach der Preisverleihung ans Rednerpult tritt. Seine Schwester Karina, die ihn managt und die er zur Generalsekretärin gemacht hat, sitzt in der ersten Reihe. Er trägt einen schwarzen Anzug, blaue Krawatte und schwarze Sneaker. In den Texten über ihn wird Milei als Populist und Rechtsaußen tituliert, doch hier in Hamburg erzählt er eher zurückhaltend, wie er als Ökonomie-Student lange die Lehren von John Maynard Keynes gelernt und nachgebetet habe. Erst nach und nach fällt ihm auf, dass sie in der Praxis nicht funktionieren, er mit Prognosen falsch liegt oder etwa die Krise um toxische Kreditverbriefungen auf dem US-Immobilienmarkt nicht vorausgesehen oder erklären kann.
Lesen Sie auch bei NIUS: „Ultrarechter Kettensägenmann“: Bei Tagesschau diskreditieren linksradikale Autoren argentinischen Präsidenten Milei
Es ist die Geschichte eines Akademikers, der merkt, dass er falsch liegt und irgendwann durch Zufall die Ökonomen der österreichischen Schule wie Hayek und den liberalen Ludwig von Mises liest und merkt: „Ich habe 25 Jahre etwas Falsches unterrichtet.“ Milei erzählt, wie er in TV-Shows als „Anarchokapitalist“ eingeladen worden sei und gegen vier, fünf Kritiker anreden musste, die jeden niederbrüllen, der nicht ihrer Meinung ist. Ein bekanntes Phänomen. Belustigung im Saal. Während Corona wird er noch bekannter, weil die Leute seine Videos sehen und seine Schwester, die er „der Chef“ nennt, ihm gesagt hat, er müsse seine Vorträge über Hayek präsentieren wie ein „Konzert der Stones“.

Wurde im Juni in Spanien wie ein Rockstar empfangen: Javier Milei
Inflation im Griff und Kulturmarxismus im Blick
„Da kamen Politiker und beschwerten sich, wie man denn so einen Langhaarigen auf den Bildschirm lassen könne, der die Zentralbank abschaffen wolle“, erzählt er. „Wir waren gefährlich, weil wir Bücher lasen, lernten und Lehren aus unseren Fehlern zogen.“ Seine Bilanz: „Wir haben die Inflation in den Griff bekommen und das Defizit runtergefahren. Das Wachstum zieht wieder an. Deshalb sind die Sozialisten so rabiat, weil es funktioniert!“
Es ist genau das, was die Hayek-Gesellschafter hören wollen. Endlich probiert es mal einer, zeigt dem „Kulturmarxismus“ die Instrumente der Freiheit. „Wir gewinnen!“, ruft Milei zum Schluss. Der Saal steht und johlt. Gestandene ältere Herren, junge Männer und Frauen, die Liberalismus, liberales Wirtschaften, soziale Marktwirtschaft und Eigenverantwortung im deutschen Politikbetrieb vermissen. Für sie ist Milei der Hoffnungsträger schlechthin.

Wird beim Besuch von Mileis keine militärischen Ehren noch eine Pressekonferenz abhalten: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD).
Für Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) eher nicht. Er hat für Milei einige Stunden später am Sonntag einen Termin freigeräumt, die ursprünglich geplanten militärischen Ehren und die Pressekonferenz wieder abgesagt. So weit geht die Freundschaft zu „Turbokapitalisten“ nun doch wieder nicht.
Auch bei NIUS: Milei in Davos: Ein Weckruf für den freien Westen
Mehr NIUS:
Die skurrilsten Beschlüsse des Linken-Parteitags
Regierungs-Kommission fordert die AfD-Rente – die große NIUS-Analyse zu den 33 Empfehlungen
Bericht: Das will die AfD an deutschen Schulen und Universitäten verändern
Erst „faschistische Politik“ unterstellen, dann Reue bekunden: Linken-Chef bittet CDU um Entschuldigung
„Den Garaus machen“: Linke-Fanatiker ruft auf Parteitag zu Mord an Kapitalisten auf
33 Empfehlungen im Wortlaut: Das sind die wahren Pläne der Renten-Kommission
Neues Heizungsgesetz: Deutsche Umwelthilfe kündigt Klimaklage vor Bundesverfassungsgericht an
Neuer Linken-Chef Pantisano: Es gibt keinen Unterschied zwischen der CDU und den Faschisten
Mehr NIUS:
Erst „faschistische Politik“ unterstellen, dann Reue bekunden: Linken-Chef bittet CDU um Entschuldigung
„Den Garaus machen“: Linke-Fanatiker ruft auf Parteitag zu Mord an Kapitalisten auf
33 Empfehlungen im Wortlaut: Das sind die wahren Pläne der Renten-Kommission
Neues Heizungsgesetz: Deutsche Umwelthilfe kündigt Klimaklage vor Bundesverfassungsgericht an
Neuer Linken-Chef Pantisano: Es gibt keinen Unterschied zwischen der CDU und den Faschisten
Climate-Trouble: „Sie steckten mich in einen fensterlosen Raum“ – wie ein kritischer Professor aus seiner Universität gemobbt wurde
Kretschmer kritisiert AfD-Strategie: „Das bloße Ausgrenzen bringt nichts“
Aus Angst vor einer AfD-Regierung: Innenminister planen neue deutsche Sicherheitsarchitektur
Ralf Schuler
Artikel teilen
Kommentare