Bürgermeister, Bundesbank, Ministerium: Diese Behörden suchen aktuell Chauffeure von Ihrem Steuergeld
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Die Wirtschaft steckt in einer Rezession, laut der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) schließen jeden Tag rund 60 Unternehmen ihre Pforten. Kein Grund für Bürgermeister, Richter und andere Amtsträger auf ihren Luxus des Alltags zu verzichten. Zahlreiche Behörden suchen aktuell per Stellenausschreibung Chauffeure für ihre Führungskräfte.
In Schleswig-Holstein sucht etwa die Innenministerin Magdalena Finke (CDU) für ihre Behörde weitere Fahrer. Ein leerer Punktekatalog wird vorausgesetzt. Außerdem wird es vor Einstellung „eine entsprechende Fahrprobe“ geben, um die Eignung des Chauffeurs für die hohen Ansprüche der Ministerin zu prüfen.

Das Innenministerium sucht weiter Fahrer als „Vertretung der ständigen persönlichen Fahrerinnen und Fahrer der Mitglieder der Landesregierung“
Reem Alabali-Radovan braucht mehr Fahrer
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMW) fragt: „Das Führen von modernen Kraftfahrzeugen ist Ihre Berufung?“ Und präzisiert: „Dann warten beim Entwicklungsministerium folgende Aufgaben auf Sie: Die Durchführung von Fahrten für die Leitungsmitglieder und sonstigen, zu Dienstfahrten berechtigten Personen, die Übernahme der Vertretung der Chefkraftfahrer, die Durchführung von mehrtägigen Dienstreisen im Inland bei dienstlichem Bedarf, die Durchführung von Kurier- und Transportfahrten inkl. Be- und Entladen von kleineren Lasten sowie die Pflege und Reinigung der Dienstkraftfahrzeuge.“

„Durchführung von Fahrten für die Leitungsmitglieder und sonstigen, zu Dienstfahrten berechtigten Personen“ – auch das Ministerium von Reem Alabali-Radovan sucht Chauffeure.
Im Verhältnis zu anderen Behörden zahlt das BMZ aber nicht ganz so üppige Gehälter. 3.500 Euro brutto monatlich sind inklusive Bundeszuschlag in der Entgeltgruppe 4 TvÖD vorgesehen. Leider ist die Bewerbungsfrist bereits am 1. Dezember 2025 abgelaufen.
Frisch im Amt sucht der Bonner Oberbürgermeister einen Fahrer
Einen schicken 5er-BMW gönnt sich der Oberbürgermeister von Bonn, Guido Déus. Der CDU-Politiker ist erst seit zwei Monaten im Amt und stellt fest: Ohne persönlichen Fahrer sind seine Termine nicht schaffbar. Nach Informationen des Bonner Generalanzeigers kostet der passende Dienstwagen sogar mehr als 100.000 Euro.

Der Bonner Oberbürgermeister Guido Déus ist frisch im Amt, will jetzt einen persönlichen Fahrer.
Für den OB von Gelsenkirchen fährt die Müllabfuhr
Spannend ist die Umsetzung der Stadt Gelsenkirchen: Dort sucht man über die städtische Müllabfuhr „Gelsendienste“ einen Fahrer für den Oberbürgermeister, der „verantwortlich für die professionelle und sichere Beförderung unserer Oberbürgermeisterin, Bürgermeister/-in und Vorstandsmitglieder/-innen auf dienstlichen Fahrten“ sein soll.

Wer den Gelsenkirchener Oberbürgermeister chauffieren möchte, sollte sich bis zum 20. Dezember bewerben.
Ein Taxifahrer sollte der künftige Chauffeur aber nicht sein. Die Behörde schreibt, dass der Bewerber „idealerweise im Besitz der Zertifizierung ‚Vorstandsfahrer/-in DEKRA-D1‘“ sein sollte.
Stadt Halle benötigt für den Oberbürgermeister gleich zwei Fahrer
Wegen knapper Kassen musste sich der Oberbürgermeister der Stadt Halle (Saale), Alexander Vogt, schon mehrfach erklären. Denn in seinem Rathaus stehen sogar zwei Fahrer bereit. Könnte man da nicht einen Fahrer einsparen, fragt etwa SPD-Stadtrat Philipp Pieloth. Der Bürgermeister verteidigte sich, wie die Mitteldeutsche Zeitung berichtet: Es gebe keinen Fahrer nur für Vogt persönlich. Stattdessen seien die Fahrer für den ganzen Fuhrpark da. Der zweite Fahrer werde vor allem für den Transport von Dokumenten zwischen den Verwaltungsstandorten genutzt, aber auch als Ersatz für Urlaub und Krankheit.

Auch Vogt fährt einen schicken 5er-BMW; die Beschaffung erfolgte allerdings durch den Vorgänger.
Wichtig ist Vogt auch der Hinweis, dass er ja gar nicht so verschwenderisch sei. In der Nachbarstadt Magdeburg hätte man im Rathaus sogar drei Fahrer. Na dann!
Düsseldorfer Richter sucht ebenfalls Chauffeur
Dr. Werner Richter möchte für dienstliche Termine nicht selbst hinter das Lenkrad. Das geht aus einer Stellenanzeige beim Land NRW hervor, wo explizit ein Chauffeur für den Präsidenten des Oberlandesgerichts Düsseldorf gesucht wird. Und die Vergütung ist attraktiv: etwa 4.200 Euro monatlich fließen aus den Steuerkassen an den künftigen Chauffeur. Hinzu kommt „eine Rundumversorgung durch die betriebliche Altersversorgung bei der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL)“.

Auch der Präsident des Oberlandesgerichts Düsseldorf möchte sich von Steuergeld chauffieren lassen.
Auch die Bundesbank benötigt Chauffeure
Prof. Dr. Joachim Nagel ist Präsident der Deutschen Bundesbank. Der ehemalige Referent für Wirtschaft- und Finanzpolitik beim SPD-Parteivorstand hat zwar keine nennenswerte Berufserfahrung in der freien Wirtschaft. Er und andere „Leitungskräfte“ benötigen zur Absolvierung ihres stressigen Alltags aber dennoch Chauffeure – ganz wie die echten Bank-Vorstände dieser Welt.

Die Deutsche Bundesbank nennt sich selbst eine „besondere Bank“. Da scheint es logisch, dass man Chauffeure braucht.
Aktuell sucht die Behörde mindestens zwei Fahrer. Eine „möglichst unfallfreie Fahrpraxis“ wird als Qualifikation vorausgesetzt.
Hessisches Digitalministerium fährt mit Chauffeuren, nicht mit Robotaxis
Auch das hessische Ministerium für Digitalisierung und Innovation suchte kürzlich einen „Personenkraftwagenfahrer (m/w/d) im inneren Dienst der Zentralabteilung EG 4 PKW-Fahrer-TV-H, Pauschalgruppe II (3.805,71 € brutto im Monat; nach dem geltenden Tarifvertrag beträgt die zu leistende Arbeitszeit zwischen 199 bis 224 Stunden / Monat, Standort: Wiesbaden)“. Explizite Aufgabe des Kandidaten: Vertretung der persönlichen Fahrer der Ministerin und des Staatssekretärs.
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Philippe Fischer
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