Diese Regierung hat mehr Angst vor Atomkraftwerken als vor Atomraketen
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Beim NATO-Gipfel in Washington gaben die USA und Deutschland bekannt, ab 2026 Langstreckenwaffen in der Bundesrepublik zu stationieren. Von rot-grüner Seite regt sich keinerlei Protest. Das war mal ganz anders.
Die frühen 80er, das war die Zeit von ÖKOPAX, wie man den Ökopazifismus bzw. das Zusammengehen von Umwelt- und Friedensbewegung nannte. Mit dem Friedensthema stellten die als Umweltpartei gestarteten Grünen ihre Verankerung in der Gesellschaft auf eine erweiterte Basis. Bei Demonstrationen gegen den NATO-Doppelbeschluss, der die Stationierung von Pershing-II-Raketen und Cruise Missiles (Marschflugkörpern) in Deutschland als Antwort auf die sowjetischen SS20-Raketen vorsah, marschierte die erste Generation der Partei vorneweg.
„Petting statt Pershing“ – Lang ist's her ...
Mit dabei: prominente Grüne wie Petra Kelly und Gert Bastian, dann als bekennender Sympathisant auch Otto Schily, Joschka Fischer, Jürgen Trittin, Antje Vollmer. Damals gaben sie sich pazifistisch, forderten die „Entmilitarisierung der Gesellschaft". Sie reihten sich ein bei K-Gruppen, Christen und damals so genannten Alternative, Maoisten, Gewerkschaftern und Radikalpazifisten. Einige der Mitglieder standen, wie sich später herausstellte, unter dem Einfluss der Stasi, sollten als „nützliche Idioten“ die Nachrüstung der NATO verhindern.
Auf ihren Plakaten und Spruchbändern stand „Petting statt Pershing“ und „Frieden schaffen ohne Waffen“, sie skandierten „Hopp, hopp, hopp, Atomraketen-Stopp“ und malten die Katastrophe vom unmittelbar bevorstehenden Atomkrieg an die Wand. Angst war das vorherrschende und verbindende Gefühl und wurde auch nach Kräften befeuert. Atomkraft und Raketen – diese Kombination war der ultimative Endgegner. Nicht nur für die Grünen. Auch Sozialdemokraten, die mit Helmut Schmidts Politik nicht einverstanden waren, demonstrierten mit: Erhard Eppler an vorderster Front, der Juso Olaf Scholz im Tross.

Olaf Scholz (rechts neben dem Fahnenträger) 1983 bei einer Demonstration im Bonner Hofgarten.
„Der Atomtod bedroht uns alle“
Das Schlüsseldokument der damaligen Friedensbewegung war der „Krefelder Appell": „Der Atomtod bedroht uns alle – keine neuen Atomraketen in Europa.“ Petra Kelly, Galionsfigur der damals noch jungen Partei Die Grünen, sprach auf der Friedensdemo im Bonner Hofgarten im Oktober 1983, an der – angeblich – 300.000 Menschen teilnahmen. Die Protestwelle sollte die Grünen, die 1980 bei der Bundestagswahl nur 1,5 Prozent geholt hatten, drei Jahre später in den Bundestag tragen.
Einmal in der Regierungsverantwortung, wollte ein Joschka Fischer, inzwischen Außenminister, von Pazifismus nichts mehr wissen, und unterstützte 1999 den NATO-Einsatz im Kosovo. Damals musste er seine Parteifreunde noch mit flammenden Reden überzeugen. Vom Pazifismus ihrer Gründerjahre verabschiedeten sich die Grünen seinerzeit, aber die Ablehnung der friedlichen Nutzung der Kernkraft, die sie bis heute als „Hochrisikotechnologie“ bezeichnet, blieb. Den Atom-Ausstieg als ihr Herzensprojekt drückten sie selbst mitten in einer Energiekrise ohne Rücksicht auf Verluste durch.

Zufrieden: Der Grüne Jürgen Trittin sieht den „Drachen“ Atomkraft erlegt.
Heute haben die Kinder des Hofgartens selbst mit Langstreckenraketen auf deutschem Boden, die eine Reichweite von mehr als 2000 Kilometern haben und sich mit atomaren Sprengköpfen bestücken lassen, wie Tomahawk oder Dark Eagle, kein Problem. Anton Hofreiter begeistert sich für moderne Waffensysteme und geißelt Kanzler Olaf Scholz für dessen Zögerlichkeit bei der Lieferung von „Taurus“-Marschflugkörpern.
Annalena Baerbock setzt sich immer wieder dafür ein, dass mehr Waffen geliefert werden. Und Robert Habeck trifft sich mit Vertretern der Rüstungsindustrie und fordert eine Steigerung der Produktion von Waffen und Munition. Die Grüne ja niemals in Kriegs- und Krisengebiete liefern wollten.
Im Jahr 2024 halten die einstigen Ökopaxe, die sonst den Strahlentod fürchten, die Stationierung von Atomraketen für völlig unproblematisch. Wenn das Petra Kelly gewusst hätte...
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