E20-Benzin: Neues EU-Benzin trotz Verbrenner-Aus?
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Die EU-Kommission unter Präsidentin Ursula von der Leyen (CDU) prüft derzeit die Zulassung eines neuen Ottokraftstoffs mit bis zu 20 Prozent Bioethanol. Das geht aus einem Bericht der Bild-Zeitung hervor. Aktuell lässt die maßgebliche Kraftstoffnorm für Ottokraftstoff in den meisten europäischen Staaten Ethanolbeimischungen bis zu zehn Prozent (E10) zu.
Im Vergleich zu den bisherigen Varianten würde sich bei E20-Kraftstoff der Bioethanol-Anteil verdoppeln: Während das klassische Super-Benzin (E5) mit höchstens fünf Prozent Ethanol auskommt und E10 in vielen EU-Ländern verbreitet ist, bestünde E20 aus bis zu 20 Prozent Bioethanol und 80 Prozent fossilem Benzin.
Das entsprechende Bioethanol wird vor allem aus nachwachsenden Rohstoffen wie Getreide, Mais oder Zuckerrüben gewonnen. Ziel der Kommission ist es nach eigenen Angaben, den Anteil erneuerbarer Energien im Verkehrssektor zu erhöhen und die CO2-Emissionen des bestehenden Fahrzeugbestands zu senken.
In einem Schreiben argumentiert Ursula von der Leyen, dass höhere Biokraftstoffbeimischungen eine Rolle bei der Dekarbonisierung spielen könnten, wobei die Wirkung stark von Herkunft und Herstellung des Bioethanols abhängt. Die Kommission wolle im Rahmen der Revision des politischen Rahmens für Kraftstoffe eine Zulassung von E20 „in Betracht ziehen“. Allerdings sollen unter anderem mögliche Probleme bei der Motorenverträglichkeit älterer Fahrzeuge geprüft werden.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU)
Pilotprojekte laufen bereits
Derzeit gibt es bereits erste praktische Erfahrungen mit E20 in Deutschland. Seit Oktober 2023 läuft in Mannheim ein Pilotprojekt von CropEnergies, bei dem an einer öffentlichen Tankstelle Super E20 für eine geschlossene Flotte von Fahrzeugen angeboten wird. Bis Herbst 2025 waren dort bereits rund 35.000 Liter des Kraftstoffs abgegeben worden. Nennenswerte technische Probleme wurden bislang nicht bekannt. Aus dem Projektumfeld wird von überwiegend positiven Rückmeldungen berichtet, unter anderem zu ruhigem Motorlauf und hoher Oktanzahl.
Doch es gibt auch klare Grenzen für E20. Ethanol besitzt eine niedrigere Energiedichte als reines Benzin, weshalb Experten mit einem Mehrverbrauch von etwa zwei bis drei Prozent rechnen. Zudem ist nicht jedes Fahrzeug für den höheren Ethanol-Anteil geeignet. Aussagen zu Freigaben beziehen sich bislang vor allem auf einzelne Hersteller und Motorenreihen; eine einheitliche, herstellerübergreifende Freigabe für alle Fahrzeuge ab einem bestimmten Baujahr gibt es nicht. Bei älteren Modellen, Oldtimern und manchen Motorrädern scheinen Korrosionsrisiken an Dichtungen, Kraftstoffleitungen oder Einspritzsystemen möglich.

Seit Oktober 2023 läuft in Mannheim ein Pilotprojekt von CropEnergies, bei dem an einer öffentlichen Tankstelle Super E20 für eine geschlossene Flotte von Fahrzeugen angeboten wird.
Drei bis fünf Cent pro Liter günstiger
Preislich könnte E20 für Autofahrer interessant werden. Weil Bioethanol nicht in gleicher Weise der CO2-Bepreisung unterliegt, dürfte der Literpreis an der Zapfsäule um einen niedrigen einstelligen Centbetrag unter dem von herkömmlichem E10 liegen. Ob sich der Vorteil jedoch im Alltag bemerkbar macht, hängt vom tatsächlichen Mehrverbrauch und den endgültigen Steuerregelungen ab. Auch wenn die Kommission den Vorschlag „mit Priorität“ prüfen will, ist eine breite Einführung in Deutschland frühestens für 2027 oder 2028 zu erwarten, da zunächst europäische Normen, Zulassungen und Herstellerfreigaben angepasst werden müssen.
Generell scheint fraglich, wie verlässlich die Ankündigung aus Brüssel ist. Die EU hat für neue Pkw und leichte Nutzfahrzeuge ab 2035 faktisch das Ziel von null CO2-Emissionen am Auspuff festgelegt. Das betrifft Neuzulassungen, nicht den Weiterbetrieb bereits vorhandener Fahrzeuge. Eine klare Abkehr von diesem Ziel ist bislang nicht festgelegt.
Die wichtigsten Fragen und Antworten zu E20
Was bedeutet E20 beim Tanken?
E20 ist Ottokraftstoff mit maximal 20 Prozent Bioethanol. E20 kann den Anteil erneuerbarer Energien im Kraftstoffmix erhöhen und CO2-Emissionen im Verkehr senken.
Welche Autos dürfen E20 tanken?
Eine generelle Freigabe gibt es nicht. Ob ein Fahrzeug E20 verträgt, hängt vom jeweiligen Modell und der Herstellerfreigabe ab. Diese muss im Einzelfall geprüft werden.
Wird E20 günstiger als E10?
Der Literpreis von E20 könnte durch den höheren Bio-Anteil leicht niedriger sein als E10. Durch möglichen Mehrverbrauch kann sich der finanzielle Vorteil relativieren.
Senkt E20 die CO2-Emissionen?
Beim Verbrennen (Tank-to-Wheel) ja, da weniger fossiler Kraftstoff verbrannt wird. Die gesamte Klimabilanz hängt stark von der Herstellung und dem Anbau des Bioethanols ab.
Gibt es E20 bereits an Tankstellen?
E20 gibt es derzeit in Deutschland nur in einzelnen Pilotprojekten, etwa in Mannheim. Eine breite Markteinführung gibt es noch nicht.
Gibt es E20 für Diesel?
Diesel trägt keine E-Bezeichnung. Der Standard ist B7 (bis sieben Prozent Biodiesel). Rapsöl oder HVO100 werden als Alternativen geprüft.
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