Erst zu spät, dann dreist: Will die Bahn diese AfD-Politikerin „deportieren“?
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Die Deutsche Bahn will die AfD-Politikerin Beatrix von Storch in die Wüste verfrachten – ohne Rückfahrt. Nun wird Kritik laut, der Staatskonzern würde trotz der historischen Dimension in Deutschland über die „Deportationen“ unliebsamer Politiker sinnieren.
Von Storch hatte sich zuvor über die Verspätung ihres Zuges von Berlin nach München geärgert: „25 Minuten verspätete Abfahrt. Nach 3 Minuten Fahrt Durchsage: Wir müssen nach dem nächsten Halt noch eine Drehfahrt machen – zusätzlich 15 Minuten“, schrieb sie bei X (früher Twitter) und schimpfte polemisch über das offensichtliche Missverhältnis zwischen der Zuverlässigkeit der Bahn und der gelebten politischen Korrektheit des Konzerns in der Öffentlichkeit: „Wie ganz Deutschland: nix mehr auf die Kette kriegen, aber im rosa Tütü mächtig viel Haltung zeigen.“

Mit diesem Post machte Beatrix von Storch ihrem Ärger Luft.
Von Storch ergänzte den Post mit einem Foto eines ICE mit Regenbogenflagge, der gerade am Gleis gegenüber eingefahren war. Ihr Zug kam am Ende mit 70 Minuten Verspätung in München an.
Die Bahn konterte, nutzte das Ausgangsfoto und verfrachtete von Storch via Bearbeitung in die Wüste. Dazu die Worte: „Wir freuen uns, dass Sie Ihr Ziel trotzdem erreicht haben. Die Rückfahrt fällt leider aus.“

Der kritisierte Konter der Bahn.
Dass die Grundsatz-Kritik von Beatrix von Storch über die Unzuverlässigkeit der Bahn berechtigt ist, erleben täglich Millionen Deutsche – das belegen auch die Zahlen, wonach mehr als 40 Prozent aller Züge der Bahn zu spät kommen (ausgefallene Züge sogar ausgenommen). Dass es nicht die oberste Aufgabe der Bahn ist, mit bunt lackierten Zügen politische Position zu beziehen, sondern zuverlässig Zug zu fahren, ist auch unzweifelhaft – die provokante Wortwahl der AfD-Politikerin mal außer Acht gelassen. Dass ein Unternehmen seine Kunden öffentlich verächtlich macht, zumal so aktiv in die politische Debatte eingreift, ist ebenso fragwürdig.
ARD-Korrespondent Gabor Halasz kritisiert: „Vielleicht auf den ersten Blick lustig. Auf den zweiten nicht mehr so. Wer die AfD zurecht dafür kritisiert, dass sie Menschen irgendwo entsorgen will, sollte nicht mit gleicher Münze zurückzahlen.“
Selbst SPD-Europapolitiker Michael Roth, der nicht gerade als Verteidiger von AfD-Politikern bekannt ist, schreibt: „Liebe Bahn, ich bekämpfe die AfD ja auch nach allen (legalen) Regeln der Kunst. Aber kümmert Euch doch bitte erstmal darum, dass ich Bahnskeptikern, Familien mit kleinen Kids und Menschen mit Beeinträchtigungen Euren Laden wieder guten Gewissens empfehlen kann.“
Die fraktionslose Abgeordnete Joana Cotar schreibt: „Himmel, ist das erbärmlich. Ihr Verein ist so kaputt, dass ausländische Touristen sogar davor warnen, in Deutschland die Bahn zu benutzen und Sie wollen – als Staatsbetrieb – Ihnen nicht genehme Politiker, die genau diese Zustände anprangern, ins Nirgendwo deportieren?“
Über den Begriff „deportieren“ wird nun gestritten: Unliebsame Menschen an einen Ort zu bringen, von dem sie nicht mehr zurückkehren sollen, war während der Nazi-Zeit traurige und schreckliche Praxis der Deutschen Reichsbahn, der Vorgängerorganisation der heutigen Deutschen Bahn.
Von Storch selbst sagt zu NIUS: „Das ist das Böhmermann-Prinzip, das die Deutsche Bahn hier anwendet: Einen historischen mehr als fragwürdigen Vergleich ziehen unter dem Deckmantel vermeintlicher Satire. Das ist aber nicht lustig, so ein Vergleich geht nicht, gerade bei einem Staatskonzern.“
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