Ex-Präsident überstrahlt Vorwahlkampf: Trump gewinnt die Debatte, ohne dabei zu sein
Ein Beitrag von
Ex-Präsident Donald Trump hat mal wieder einen PR-Coup gelandet. Statt an der Debatte der Präsidentschaftskandidaten der Republikanischen Partei teilzunehmen, traf er sich mit Tucker Carlson zum Interview. Das Video klickt sich derzeit rekordverdächtig.
Moderator Tucker Carlson im Interview mit Donald Trump.
US-Moderator Tucker Carlson sprach in seiner Einstiegsfrage aus, was sich viele Beobachter des Wahlkampfs in den USA fragten: „Warum sind Sie nicht bei der Fox News-Debatte in Milwaukee heute Nacht?“, wollte er am Mittwochabend in einem Interview auf der Plattform X von Ex-Präsident Donald Trump wissen. Viele Leute hätten ihn das gefragt, antwortete Trump. Aber er führe nunmal in den Umfragen mit 50 bis 60 Prozent.
Und deshalb frage er sich, „warum ich eine oder zwei Stunden dort sitzen und von Leuten belästigt werden soll, die überhaupt nicht für das Amt des Präsidenten kandidieren sollten“. Dazu noch „bei einem Sender, der mir, ehrlich gesagt, nicht besonders gewogen ist“, erklärte Trump. Fox News hätte „wie verrückt auf Ron DeSanctamonius gesetzt, und jetzt haben sie ihn aufgegeben. Ich glaube, das ist ein hoffnungsloser Fall.“
Fast zeitgleich traten in Milwaukee sieben Männer und eine Frau zur ersten Fernsehdebatte der Republikanischen Partei an – aber eben ohne Trump, der die Einladung ausgeschlagen hatte. Stattdessen gelang ihm der PR-Coup mit einem Gespräch bei Tucker Carlson, das parallel stattfand. Das Video ist derzeit mit über 150 Millionen Klicks auf dem Weg, das bestgeklickte Video in der Geschichte von X, ehemals Twitter, zu werden.
Stirbt das Fernsehen aus?
Auf diesen medialen Wandel spielte auch Carlson an: „Als Präsidentschaftskandidat haben Sie offensichtlich nicht mehr das Bedürfnis, im Fernsehen aufzutreten. Glauben Sie, dass das Fernsehen langfristig ausstirbt?“, fragte er und legte Trump den Ball auf den Elfmeterpunkt. „Das Kabelfernsehen hat an Glaubwürdigkeit verloren“, antwortete der US-Präsident genüsslich. „Gucken Sie auf MSNBC. MSNBC ist so schlecht. Es ist so falsch, was sie tun und was sie sagen. Es sind Fake News. Es gibt also MSNBC und CNN, die absolut keine Einschaltquoten mehr erzielen. Ich meine, die sind wirklich tot. Auch Fox News ist ganz unten, wie Sie wissen. Und die guten alten Zeiten sind längst vorbei.“
Im Gespräch ließ Trump kein gutes Haar an den meisten Kandidaten, die mit ihm um die republikanische Bewerbung für das Präsidentenamt kämpfen. Asa Hutchinson, Ex-Gouverneur aus Arkansas und bekannter Anti-Trumper, nannte er „schwach und erbärmlich“. Den ehemaligen Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, bezeichnete Trump als „bösen Menschen“, der selbst „in New Jersey nur noch acht Prozent Zustimmung hat. Und jetzt kandidiert er für das Präsidentenamt.“

Der Durchschnitt aller Umfragen in den USA zeigt: Trump führt das Rennen der Republikaner klar an Quelle: fivethirtyeight.com
Tucker Carlson sprach den Ex-Präsidenten natürlich auch auf die zahlreichen juristischen Verfahren an, die derzeit gegen Trump laufen, wenngleich harte Nachfragen ausblieben. „Die Wahl wurde manipuliert. Es war eine manipulierte Wahl“, wiederholte der 77-Jährige seine bekannten Vorwürfe, für die jedoch noch vor keinem Gericht in den USA konkrete Beweise vorgelegt wurden. Es wirke, als könnten sie Trump 20 mal anklagen, aber die republikanischen Vorwahlen würde er trotzdem nicht verlieren, bemerkte Carlson. Die amerikanische Bevölkerung habe es eben verstanden, so Trump. „Sie verstehen es wirklich.“
Biden sei ein „korrupter Mensch“
Dennoch gab sich Trump siegessicher für die Wahl im November. „So eine Stimmung wie jetzt habe ich noch nie erlebt.“ Egal wo er hinkomme, seien „die Leute auf der Straße völlig aus dem Häuschen. Sie mögen mich und ich weiß, dass sie meine Politik lieben.“ Grund für den Stimmungswandel sei, „dass der korrupte Joe Biden so schlecht ist. Er ist der schlechteste Präsident in der Geschichte unseres Landes. Ich glaube nicht, dass er es bis zum nächsten Tor schaffen wird, aber man weiß ja nie.“

Tucker Carlson und Donald Trump im Gespräch
Biden sei „ein korrupter Mensch“, so korrupt, dass er den Namen „Crooked Hillary“ gestrichen habe. „Ich mache nicht zwei Leute auf einmal. Ich nutze es jetzt für Joe, weil er „Crooked Joe“ ist.“ „Glauben Sie, dass er es bis November 2024 schaffen wird?“ hakte Carlson nach. „Nun, ich denke, er ist geistig schlechter dran als körperlich, und körperlich ist er nicht gerade ein Triathlet.“ „Glauben Sie denn, der Rest der Welt schaut auf Biden und denkt, dass jemand anderer die Regierung leitet?“, fragte der ehemalige Fox News Moderator. Die Antwort von Trump war klar: „Nun, das muss jemand anderer sein. Ich glaube nicht, dass er fähig ist, irgendetwas zu tun.“
Aber auch vor anderen Kandidaten der Demokraten habe er keine Angst, etwa wenn Gavin Newsom antreten würde, der Gouverneur von Kalifornien. Dieser habe eine genauso schlechte Bilanz vorzuweisen wie Biden. „Wenn ich mir San Francisco anschaue, was ist aus dieser unglaublichen Stadt geworden? Noch vor kurzem war sie eine der großartigsten Städte der Welt, und jetzt sieht alles sehr traurig aus. Wie praktisch alle von den Demokraten geführten Städte. Den von den Republikanern geführten Städten geht es sehr gut, weil sie die Leute verhaften, wenn es Verbrechen gibt“.
Parallel läuft die Debatte der Republikaner in Milwaukee
Und die Debatte der restlichen Bewerber der Republikaner? „Für den abwesenden Spitzenkandidaten hätte es kaum besser laufen können“, kommentierte die Washington Post am Donnerstag. „Die Kandidaten, die ihn schlagen wollen, verbrachten einen Großteil der Debatte damit, so zu tun, als sei er gar nicht im Rennen.“
Fast während der gesamten ersten Stunde der zweistündigen Debatte wurde Trump im Wesentlichen nur von einer Kandidatin erwähnt: der ehemaligen Gouverneurin von South Carolina, Nikki Haley. Sie warf Trump mit anderen Republikanern auf der Bühne in einen Topf und warf ihnen allesamt unverantwortliche Ausgaben vor. Ansonsten vermieden es die Mitbewerber, ihn hart zu attackieren. Das schützte die Trump-Gegner Chris Christie und Asa Hitchinson jedoch nicht vor lauten Buhrufen des Publikums, als sie Trump als Gefahr für das Land darstellten. Selbst Trumps Intimfeind, der Sender MSNBC, sprach dem Ex-Präsidenten zu, die Debatte gewonnen zu haben, ohne vor Ort gewesen zu sein.
Der in den Umfragen Drittplatzierte, Unternehmer Vivek Ramaswamy, konnte hingegen punkten. Der 38-Jährige mischte sich auch häufig ein und nutzte die relativ laxe Durchsetzung der Debattenregeln durch die Fox News-Moderatoren, um sich selbst in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stellen. Einig waren sich die meisten US-Blätter über den größten Verlierer der Debatte: Ron DeSantis. Der Gouverneur aus Florida verlor als Zweitplatzierter in den Umfragen der vergangenen Wochen konstant an Zustimmung. Viele Amerikaner sprechen dem 44-Jährigen das nötige Charisma ab.
Laut in der Halle wurde es vor allem, als die GOP-Präsidentschaftskandidaten gefragt wurden, ob sie Donald Trump als Präsidentschaftskandidaten unterstützen würden, falls er von einem Gericht verurteilt werden würde.
Vivek Ramaswamy hob sofort die Hand. Ihm folgten Nikki Haley, die als Trumps Botschafterin bei den Vereinten Nationen diente, Senator Tim Scott aus South Carolina, der Trump dabei half, Rassismusvorwürfe abzuwehren, und Gouverneur Doug Burgum aus North Dakota, der darum kämpft, überhaupt als Präsidentschaftskandidat anerkannt zu werden.
Gouverneur Ron DeSantis aus Florida, der einst als der aussichtsreichste Herausforderer Trumps galt, schaute nach links und rechts und hob dann die Hand – erst nachdem die vier anderen dies getan hatten. Schließlich hoben auch Mike Pence, Trumps Vizepräsident, und Chris Christie zögerlich die Hand.
Die Debatte am Mittwoch war das erste Mal, dass die GOP-Kandidaten gemeinsam auf einer Bühne diskutierten. Die nächste Debatte findet am 27. September in der Ronald Reagan Gedenkbibliothek in Kalifornien statt und wird erneut von Fox News präsentiert.
Mehr NIUS:
Die skurrilsten Beschlüsse des Linken-Parteitags
Regierungs-Kommission fordert die AfD-Rente – die große NIUS-Analyse zu den 33 Empfehlungen
Bericht: Das will die AfD an deutschen Schulen und Universitäten verändern
Erst „faschistische Politik“ unterstellen, dann Reue bekunden: Linken-Chef bittet CDU um Entschuldigung
„Den Garaus machen“: Linke-Fanatiker ruft auf Parteitag zu Mord an Kapitalisten auf
33 Empfehlungen im Wortlaut: Das sind die wahren Pläne der Renten-Kommission
Neues Heizungsgesetz: Deutsche Umwelthilfe kündigt Klimaklage vor Bundesverfassungsgericht an
Neuer Linken-Chef Pantisano: Es gibt keinen Unterschied zwischen der CDU und den Faschisten
Mehr NIUS:
Erst „faschistische Politik“ unterstellen, dann Reue bekunden: Linken-Chef bittet CDU um Entschuldigung
„Den Garaus machen“: Linke-Fanatiker ruft auf Parteitag zu Mord an Kapitalisten auf
33 Empfehlungen im Wortlaut: Das sind die wahren Pläne der Renten-Kommission
Neues Heizungsgesetz: Deutsche Umwelthilfe kündigt Klimaklage vor Bundesverfassungsgericht an
Neuer Linken-Chef Pantisano: Es gibt keinen Unterschied zwischen der CDU und den Faschisten
Climate-Trouble: „Sie steckten mich in einen fensterlosen Raum“ – wie ein kritischer Professor aus seiner Universität gemobbt wurde
Kretschmer kritisiert AfD-Strategie: „Das bloße Ausgrenzen bringt nichts“
Aus Angst vor einer AfD-Regierung: Innenminister planen neue deutsche Sicherheitsarchitektur
Björn Harms
Artikel teilen
Kommentare