FDP-Kemmerich war 28 Tage Ministerpräsident: „Meine Wahl hat ein großes Störgefühl zum Umgang mit der Demokratie hinterlassen“
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Seine Wahl war vollkommen demokratisch – und wurde dennoch wie ein Fehler behandelt und rückabgewickelt. Thomas Kemmerich (FDP) war 28 Tage Ministerpräsident von Thüringen, wurde mit den 45 Stimmen ins Amt gewählt, Amtsinhaber Bodo Ramelow (Linke) damit abgewählt.
Die öffentliche Debatte damals: Darf ein FDP-Mann mit den Stimmen der AfD zum Regierungschef gewählt werden? Rechtlich lautete die Antwort eindeutig ja. Politisch war die Amtsführung nicht möglich, sagt Kemmerich jetzt im Gespräch mit „Schuler! Fragen, was ist“.

Thomas Kemmerich im Interview mit NIUS-Politik-Chef Ralf Schuler
Und der FDP-Mann verrät, dass Parteichef Christian Lindner in den Plan eingeweiht war, dass Kemmerich antreten würde, sollte es zu einem 3. Wahlgang kommen: „Ich habe ihn informiert, drei Tage vorher, wo die Diskussion dann an den Punkt kam. Und er hat immer gesagt: das entscheidet ihr. Wir können das von außen nicht beurteilen.“ Noch am Tag vor der Wahl sei er in Berlin unterwegs gewesen und wurde ausgelacht, weil er ja keine Chance hätte. „Eine halbe Stunde nach der Verkündung des Wahlergebnis waren alle schlauer …“

Thomas Kemmerich wird wieder als Spitzenkandidat in Thüringen antreten.
SPD und Grüne hätten sofort abgewunken, als es um eine mögliche Regierungsunterstützung ging. Die CDU habe zuerst mit der FDP gesprochen und das dann nach einer Ansage der Bundespartei unterlassen. „Am Abend des Wahltages standen wir politisch alleine da und meine Familie und meine Person unter unheimlich persönlichem Druck von außen, von der Straße. Insofern war das Amt weder politisch ausübbar noch persönlich durchhaltbar.“ Selbst die damalige Kanzlerin Angela Merkel (CDU) schaltete sich aus Südafrika ein, nannte die Wahl mit AfD-Stimmen „unverzeihlich“, das Ergebnis müsse rückgängig gemacht werden.
Kemmerichs Bilanz dieser Wahl: „Ich weiß von vielen Leuten, die sagen: Dieser Tag oder der Umgang mit ihrer Wahl, Herr Kemmerich, hat bei mir ein großes Störgefühl zum Umgang mit der Demokratie hinterlassen.“
Das ganze Interview lesen Sie hier:
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Ralf Schuler
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