Fieser Verdacht um Habeck-Gespräch im Spiegel: Hat der Vizekanzler etwa einen Interviewpartner gekauft?
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Im Oktober machte das Wirtschaftsministerium auf eine gerade veröffentlichte Diskussion im Magazin Spiegel aufmerksam. Sie hatte zwischen Minister Robert Habeck und dem bulgarischen Politologen und Politikberater Ivan Krastev stattgefunden.
Eine entscheidende Information fehlte in der Printausgabe komplett, in der Online-Version wurde sie nur angedeutet: Ivan Krastev hatte eine Woche zuvor noch für Habecks Ministerium gearbeitet. Was als „Diskussion“ zwischen einem unabhängigen Experten und einem Politiker inszeniert wurde, war in Wahrheit ein Gespräch zwischen einem interessengeleiteten Politologen und einem ebenso interessengeleiteten Politiker.

Eine Woche vor dem Spiegel-Gespräch hatte Krastev einen Vortrag bei einem Führungskräfte-Workshop des Bundeswirtschaftsministeriums gehalten.
Krastev war parteiisch, Spiegel-Leser wussten’s nicht
Dies brachte nicht etwa eine investigative Recherche ans Licht, sondern stand dann sogar im Spiegel selbst – allerdings erst zwei Monate später. Am 25. Dezember griff der Journalist Gerald Traufetter sein Gespräch mit dem Minister und Krastev, welches er auch moderiert hatte, in einem großen Habeck-Jahresrückblick auf, wobei er munter drauf lostippte:
„Habeck lädt Krastev zu einem Workshop ins Ministerium ein. Er will, dass auch seine Leitungsebene begreift, was da über ihnen zusammengebrochen ist – und wie man es künftig vermeidet, in einen solchen Sturm der Entrüstung zu geraten. Eine Woche darauf stellt er sich in einem Streitgespräch für den Spiegel mit Krastev dessen schmerzhaften Analysen.“
Das heißt: Der Grünen-Minister ließ sich und die Ministeriumsführung von Krastev politstrategisch beraten. NIUS wollte vom Habeck-Ministerium wissen, ob Krastev dafür bezahlt wurde und – falls ja –, wie viel Geld er dafür erhielt. Nach mehreren Tagen und zweimaligem Nachhaken kam schließlich die Antwort: Krastev habe noch keine Rechnung gestellt. Damit ist zumindest bestätigt, dass ein Anspruch auf Entlohnung besteht.

Das Wirtschaftsministerium verbreitete das Spiegel-Interview sofort. Es war offensichtlich in seinem Sinne.
Krastev unterstützte die Bundesregierung beim Erreichen ihrer Ziele. Damit war sein Denken und Handeln innerhalb des „Spiegel-Gesprächs“ nicht unabhängig, sondern parteiisch. Ahnen konnte der Leser das jedoch nicht.
Man muss dem Spiegel nicht einmal schlechte Absichten vorwerfen. Es ist fehlendes Problembewusstsein. Es gilt ihm offenbar als normaler Journalismus, einen Politologen als einen konfrontativen Gesprächspartner zu präsentieren, mit dem Habeck ein wirkliches „Streitgespräch“ führen könne, obwohl ein arbeitsähnliches Verhältnis zwischen beiden vorliegt.
Um das im Interview Gesagte richtig einzuordnen, hätte der Leser vom Spiegel darüber in Kenntnis gesetzt werden müssen. Das sollte journalistischer Minimalstandard sein.
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