Frankreichs Energieministerin: Deutsche Verlogenheit bei Atom-Strom
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- Frankreichs Energieministerin wirft Deutschland „Widerspruch“ bei Energiepolitik vor.
- Deutschland drohe „von Atomenergie seiner Nachbarn abhängig zu werden“.
Während die deutschen Atomkraftwerke seit Mitte April ruhen, fließen kräftig Atomstrom-Importe aus dem Ausland in unsere Netze – vor allem aus Frankreich. Die dortige Energieministerin Agnès Pannier-Runacher nennt diese deutsche Energiepolitik „Widerspruch“ und legt Deutschland nahe, selbst wieder auf Atomkraft zu setzen.
Wörtlich sagte sie dem Handelsblatt: „Es ist ein Widerspruch, einerseits massiv französischen Atomstrom zu importieren und andererseits jeden Text und jede Gesetzgebung in der EU abzulehnen, die den Mehrwert dieser kohlenstoffarmen Energieform anerkennt.“ Deutschland riskiere immer mehr, so die französische Energieministerin, „von der Atomenergie seiner Nachbarn abhängig zu werden. Die Niederlande sind ebenfalls Nettostromexporteur nach Deutschland und erwägen den Bau neuer Reaktoren.“

Isar II, das letzte deutsche Atomkraftwerk, wurde im April 2023 vom Netz genommen
„Verantwortung, die eigene Versorgung sicherzustellen“
▶︎ Fakt ist: Seit Abschaltung der verbliebenen drei Kernkraftwerke, hat Deutschland einen ungewöhnlich großen Import-Überschuss, vor allem aus den Atom-Nationen Frankreich, Niederlande und Schweiz. Allein im Juni wurden 3,7 Milliarden Kilowattstunden mehr importiert als exportiert – rund zehn Prozent des Strombedrafs.
Jedes Land müsse jedoch, so Pannier-Runacher, „seiner Verantwortung nachkommen, die eigene Versorgung sicherzustellen und einen Beitrag zur Stabilität des europäischen Netzes zu leisten“.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Frankreich im Herbst und Winter 2022 stark von Strom-Importen aus Deutschland abhängig war – zahlreiche Kernreaktoren mussten gewartet werden. Pannier-Runacher: „Frankreich hat sehr hohe Standards bei der nuklearen Sicherheit. Die Atomkapazitäten waren im vergangenen Jahr wegen routinemäßiger Wartungsarbeiten reduziert. Daneben mussten einige Reaktoren wegen Korrosion heruntergefahren werden. Die Situation war kompliziert, mittlerweile haben wir sie aber gut unter Kontrolle.“
Frankreich stünde zudem nicht allein mit dem Plan, mit sauberer Kernkraft die Zukunft zu planen – im Gegenteil: „Die Frage der Atomkraft geht weit über Frankreich hinaus. Eine Allianz von 14 EU-Staaten will sich in ihrem Energiemix künftig auch auf die Atomkraft verlassen. Die Kernenergie macht 50 Prozent der dekarbonisierten Elektrizität und 25 Prozent der gesamten Stromproduktion in Europa aus. Die Staaten, die der Atomenergie feindlich gegenüberstehen, sind in der Minderheit.“

Deutschland bezieht Atomstrom aus Frankreich, hier das AKW in Saint Laurent-Nouan
Deutschland setze auf „fossilen Brennstoff“
Indirekt forderte Pannier-Runacher sogar, Deutschland müsse auf Kernkraft setzen: „Da die Verfügbarkeit von Wind- und Solarstrom je nach Wetterlage variiert, sind steuerbare Grundkapazitäten nötig, um Schwankungen von Angebot und Nachfrage auszugleichen. Frankreich hat sich für die Atomkraft entschieden. Auch Deutschland muss CO2-arme Lösungen finden, um seinen eigenen Strombedarf auszubalancieren.“ Die einzige steuerbare und CO2-arme Energiequelle ist die Atomkraft – Deutschland will derweil auf Gaskraftwerke setzen, einen „fossilen Brennstoff“, wie die französische Energieministerin feststellt.
Der nächste „Widerspruch“ der deutschen Energiepolitik: „Wir haben uns in Europa alle dem Ausstieg aus den fossilen Energien bis 2050 verpflichtet und fordern dieses Ziel auf internationaler Ebene ein. Die Schaffung neuer fossiler Kapazitäten scheint mir dazu im Widerspruch zu stehen. Das stellt ein Glaubwürdigkeitsproblem im Kampf gegen den Klimawandel dar.“
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