Grundwortschatz reduziert! Kinder sprechen immer schlechter deutsch, Schulen fordern immer weniger
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„Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“, hat der Philosoph Ludwig Wittgenstein einmal gesagt. Die Welt des deutschen Nachwuchses dürfte demnach deutlich kleiner werden.
32,5 Prozent der Neuntklässler erreichen nach einer Studie des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) nicht einmal den geforderten Mindeststandard. Das ist eine Verschlechterung um 16 Prozentpunkte im Vergleich zu 2015, als dieses Wissen schon einmal abgefragt wurde. 44 Prozent der Schüler sagen, dass sie sich ohnehin nicht für Deutsch interessieren.
Die Details des „Bildungstrend Deutsch“ sind alarmierend:
- Im Lesen wird der Mindeststandard für den mittleren Schulabschluss (MSA) bundesweit von 32,5 Prozent der Neuntklässler nicht erreicht. Am schlechtesten schneidet dabei Bremen mit 46,8 Prozent ab, am besten steht Sachsen mit 23,1 Prozent da.
- Beim verstehenden Zuhören erreichen 34,4 Prozent der Schüler den MSA-Mindeststandard nicht. Am höchsten ist der Anteil auch hier in Bremen mit 49 Prozent. In Berlin verfehlen 41,9 Prozent der Neuntklässler den Mindeststandard, in Nordrhein-Westfalen 40,7 Prozent.
- Bei der Orthografie sieht es nicht besser aus. Bundesweit verfehlen 22,3 Prozent der Schüler des 9. Jahrgangs im Bereich Orthografie den Mindeststandard für den MSA. Auch hier ist der Anteil in Bremen mit 35,7 Prozent am höchsten, gefolgt von Nordrhein-Westfalen (29,1 Prozent) und Berlin (26,4 Prozent).

Durch „Smartphone statt Märchenbuch“ kennen Kinder das Präteritum nicht mehr.
Diktate mit einem Notendurchschnitt von 4,5
In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) schildert eine Lehrerin aus Baden-Württemberg, die anonym bleiben möchte, dass viele Kinder das Präteritum nicht mehr beherrschen, weil ihnen keine Märchen mehr vorgelesen werden, in denen das gängig war. Diktate mit einem Notendurchschnitt von 4,5 seien in Deutsch keine Seltenheit, Deutsch-Hausaufgaben gebe sie in den neunten und zehnten Klassen nicht mehr auf, weil sie nur von höchstens zehn Prozent erledigt würden, und bei den Deutsch-Klausuren der Abschlussklassen fehlten nicht selten vierzig Prozent der Schüler – mit Entschuldigung der Eltern.
Dabei sei das Sprachversagen nicht auf Migranten oder soziale Problemfälle begrenzt, so die Lehrerin, auch Doppelverdiener-Eltern hätten „fast schon eine Scheu, Leistung von ihren Kindern einzufordern“.
Grundwortschatz dramatisch eingedampft
Die Schule trage daran eine beachtliche Mitschuld, sagt Josef Kraus, langjähriger Präsident des Deutschen Lehrerverbandes. „Die Stundenzahlen werden gekürzt, die Lehrpläne verflacht und der geforderte Grundwortschatz reduziert“, sagt Kraus zu NIUS. Diese regelrechte Eindampfung des „Grundwortschatzes“ sei dramatisch. „Noch vor rund drei Jahrzehnten verlangten die Bundesländer von den zehnjährigen Schülern einen aktiven und orthographisch beherrschten Grundwort-,Schatz‘ von 1100 bis 1300 Wörtern. Heute sind es nur noch gut 500 Wörter (in Bayern, Rheinland-Pfalz, NRW) bis 700/800 Wörter (in Brandenburg und Baden-Württemberg).“

Josef Kraus war von 1987 bis Juni 2017 Präsident des Deutschen Lehrerverbandes.
Gleichzeitig dürfen Kinder – in Baden-Württemberg etwa – mit der „Gendersprache“ traktiert werden: mit „Schüler/_:*Innen“, mit „Fußgehendenbrücke“ oder „Backendenhandwerk“. Ideologiekritisch betrachtet, ist dies nichts weniger als der Versuch, die Gesellschaft über Sprachregelungen umzukrempeln.
Sein Fazit: „Mit anderen, mit harten Worten: In der Folge bekommt das nachwachsende Sprachvolk den Sprachverfall quasi mit der pädagogischen Muttermilch und mittels medialer Zwangsernährung eingeflößt.“
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Ralf Schuler
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