Heizen & Tanken: So brutal teuer wird der CO2-Preis wirklich!
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Der CO2-Preis der Europäischen Union steht heftig in der Kritik. Die Industrie beklagt einen riesigen Wettbewerbsnachteil gegenüber dem EU-Ausland und warnt vor dem Verlust von Hunderttausenden Arbeitsplätzen. Doch auch für Otto Normalverbraucher könnte der CO2-Preis brutal teuer werden.
Wie teuer könnte es werden?
NIUS zeigt in vier Grafiken, wie viel teurer es für Autofahrer und Häuslebauer mit konventionellen Heizungen wirklich werden könnte:

Jeder Liter Benzin könnte im Jahr 2030 schlimmstenfalls mit bis zu 90 Cent CO2-Steuer belegt werden, rund 77 Cent mehr als heute. Eine Zusatzbelastung von 6 Cent pro Liter Benzin wäre der Bestfall.

Beim Diesel könnte der CO2-Aufschlag mit mehr als 1 Euro noch drastischer ausfallen. Auf 21,4 Cent wird die CO2-Steuer pro Liter aber gewiss steigen.

Eine vierköpfige Familie, die mit Öl heizt könnte durch den CO2-Preis mit bis zu 2000 Euro zusätzlich belastet werden – pro Jahr.

Auch Familien, die mit Gas heizen, werden durch die CO2-Preis zusätzlich zur Kasse gebeten: mindestens um weitere 100 Euro, schlimstenfalls um bis zu 1400 Euro.
CDU-Politiker spricht von „Unwahrheit“ und AfD-Erzählung
Der CDU-Politiker Andreas Jung spricht von einer „Unwahrheit“, die die AfD verbreite, obwohl auch beispielsweise der ADAC vor möglichen Preissprüngen warnt. „Das ist absolut falsch“, sagt Jung in einem Instagram-Video-Beitrag, bei dem er die Kommentar-Funktion abgestellt hat. Denn wichtig sei, so der CDU-Politiker, „auch im europäischen System gibt es Preisdeckelung und diese Preisdeckelung stellt sicher, dass in den nächsten fünf Jahren der europäische Preis etwa auf dem Niveau bleibt, auf dem der deutsche Preis heute ist.“

Der CDU-Politiker Andreas Jung glaubt, entgegen zahlreicher Einschätzungen von Experten, an einen stabilen CO2-Preis.
Richtig ist, dass die EU-Kommission den Preis pro Tonne CO2 im Jahr 2030 auf 60 bis 80 Euro schätzt, was Benzin „nur“ um weitere 5,9 Cent, Diesel „nur“ um weitere 6,7 Cent verteuern würde. Diese EU-Prognose gilt jedoch nur unter der Annahme, dass zahlreiche Klimaschutzmaßnahmen bis dahin vollzogen worden sind und der Stabilisierungsmechanismus der EU funktioniert.
Experten sehen große Unsicherheiten und halten exorbitante Preissprünge für möglich
Zahlreiche Experten kommen jedoch mit Blick auf die Entwicklung des CO2-Preises in den Jahren nach 2027 auf ganz andere, zum Teil deutlich höhere Größenordnungen:
„Die Entwicklung des Preispfades ab 2027 ist sehr unsicher. Zum einen wird der Preis ab 2027 am Markt über eine Mengenbegrenzung (‚Cap‘) gebildet und hängt somit von der Nachfrage nach Zertifikaten ab. Zum anderen ist die Ausgestaltung des Übergangs zum EU-ETS 2 noch unklar“, heißt es in einem Sondergutachten des Expertenrats für Klimafragen aus dem Jahr 2024 wörtlich.

Der Expertenrat für Klimafragen beschreibt die Preisentwicklung des CO2-Preises ab 2027 als „sehr unsicher“.
Dr. Michael Pahle, Leiter der Arbeitsgruppe „Klima- und Energiepolitik“ am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) beschreibt die Entwicklung des CO2-Preises durch den EU-Zertifikatehandel als „unsicher“. Es gebe zahlreiche Studien, die versuchten zu berechnen, wie sich der CO2-Preis entwickeln werde. Dabei kämen jedoch Preisspannen von 60 bis 380 Euro für das Jahr 2030 heraus – also gigantische Unterschiede und Unsicherheiten bei der Preis-Entwicklung.
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) in Karlsruhe rechnet derweil bereits 2027 mit einem CO2-Preis pro Tonne von 220 Euro, was sich mit der Warnung des ADAC von bis zu 39 Cent mehr pro Liter Sprit deckt. Stefan Gerwens, Leiter Verkehr beim ADAC, erklärt gegenüber Bild: „Der nationale CO2-Preis liegt 2025 bei 55 Euro pro Tonne, 2026 wird er maximal 65 Euro betragen. Ab 2027 fällt der Festpreis weg, dann bestimmt der europäische Markt, wie teuer es wird. Ab 2027 müssen wir davon ausgehen, dass sich der CO2-Preis im Kraftstoffpreis perspektivisch mindestens verdoppelt – das wären dann insgesamt 35 bis 38 Cent pro Liter.“
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