„Hörst du Gruppe oder Mann – rette sich wer kann“
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Im Sommerinterview der ARD mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bleibt die Migrationskrise absolutes Tabuthema. Keine einzige Frage wurde zu den Flüchtlingsproblemen in Deutschland gestellt. Und das, obwohl die Gewalt weiter eskaliert. Für den neuen Chef des ARD-Hauptstadtbüros, der das Interview führte, ist das Thema offenbar nicht der Rede wert.
Darüber sprachen am Montagmorgen Waldi Hartmann und Julian Reichelt mit Christian Opitz bei NIUS LIVE.
„Der Aufstieg des Islam ist das, was Menschen in Deutschland massivste Sorgen bereitet“
Reichelt: „Das wichtigste Thema, das derzeit das Land bewegt, findet wie so häufig in der ARD, ihren Nachrichtenformaten und in der Tagesschau schlichtweg nicht statt. Dass es sich bei Migration um das wichtigste Thema des Landes handelt, das ist ja nicht unsere Meinung, unsere Ansicht. Das geht aus den Nachwahlbefragungen bei der Europawahl vollkommen eindeutig hervor. Der Aufstieg des Islam ist das, was Menschen in Deutschland massivste Sorgen bereitet und die einzelne Sorge, die am meisten gestiegen ist. Dieses ganze Thema Migration – warum ist vollkommen klar: Wir erleben es alle auf unseren Straßen. Zu dieser einen Thematik Migration, das Thema, das die Menschen am meisten bewegt, hat die ARD es tatsächlich geschafft, keine einzige Frage zu stellen.“
Waldi hatte seine Hoffnung auf den neuen Chef des ARD-Hauptstadtbüros gesetzt, er sagt: „Dabei hatte ich zuerst Hoffnung. Es hat ja einen Wechsel in der Spitze des Hauptstadtbüros der ARD stattgefunden, wir reden von der ARD. Der neue Chef heißt Markus Preiß, und auf den hatte ich, muss ich ganz ehrlich sagen, auch einige Hoffnungen gesetzt.“

Markus Preiß – in ihn hatte Waldi Hoffnung gesetzt
Waldi weiter: „Ich hatte mir gedacht, jetzt kommt ein echter Journalist, der geht auch in die Weichteile. Das muss er ja gar nicht. Er muss einfach nur seine Pflichtübung, seine Pflichtaufgabe ausüben. Und das hat er nicht gemacht. Das hat mich entsetzt. Dafür wurde eine Viertelstunde mit Aufarbeitung von Corona verbracht. Das ist vorbei. Da haben Gerichte schon gesprochen. Das kann man schon noch mal thematisieren, aber doch nicht die Hälfte der Sendezeit.“
„Das ist die Realität, die aus dieser unkontrollierten Migration in Deutschland hervorgegangen ist.“
Opitz leitet ein: „Die einzige Frage, die ein bisschen was mit Migration zu tun hatte, tauchte nicht im Sommerinterview auf, sondern in einem digitalen Format. Das heißt: Frag selbst. Schauen wir und hören wir mal rein.“
Opitz weiter nach dem Video: „Im Sommerinterview haben wir festgestellt: Migration war gar kein Thema. In diesem Format aus tausenden Zuschauerfragen eine einzige Frage. Ist das glaubhaft?“
Reichelt sagt zu dieser Frage: „Laut ARD bewegt die Zuschauer beim Thema Migration offenbar am meisten: Warum benutzt der Kanzler auf einmal rechte Rhetorik, wenn er von Abschieben spricht? Dann die Antwort von Olaf Scholz. Seine Antwort auf illegale Migration ist dieses Einwanderungsgesetz. Was heißt mehr Migration und das neue Staatsangehörigkeitsrecht? Was heißt mehr deutsche Pässe für Menschen, die mutmaßlich illegal zu uns gekommen sind?“
Waldi antwortet: „Die Verramschung des deutschen Passes.“
Reichelt erzählt von einer persönlichen Begegnung mit den Folgen der Migration: Gestern, als ich aus Hamburg wiedergekommen bin, bin ich zufällig selbst wieder an einem Tatort vorbeigefahren. Ich glaube, es ist in diesem Jahr das dritte Mal, dass ich an einer Blutspur in Berlin vorbeigehe, vorbeifahre. Persönlich. Das könnte sogar das vierte Mal sein, das in Berlin, in der Uhlandstraße – einfach einen Messer-Toten im Hausflur gefunden. Das, was am Wochenende sich in Bad Oeynhausen in einem Kurort zugetragen hat, ist noch viel dramatischer. Eine Gruppe, wie es immer so schön heißt, junger Männer, die Täterbeschreibung südländisch, das wird niemanden mehr überraschen, hat sich auf zwei andere junge Männer gestürzt. Einer davon mittel-verletzt, einer davon schwerst-verletzt. Dem haben sie einfach den Schädel eingeschlagen.
Reichelt weiter: „Wir kennen seinen Zustand nicht. Von heute Morgen gibt es noch kein Update. Eine Gruppe junger Männer – südländischer Typ. So werden Sie beschrieben. Nachts in einem Park. Zwei junge Männer überfallen, zusammengeschlagen und dem einen den Schädel eingeschlagen. Das ist tatsächlich die Realität, die aus dieser unkontrollierten Migration in Deutschland hervorgegangen ist. Und es ist die Aufgabe und die Pflicht, im Sommerinterview genau diese Themen anzusprechen. Mein neuer Satz ist: Hörst du Gruppe oder Mann – rette sich, wer kann.“
„Eine gewisse Lebensfremde“
Reichelt geht auf den Live-Chat ein: „Christoph Rother schreibt uns im Live-Chat: Scholz sollte die Tagesschau in einfacher Sprache moderieren. Ich finde, das ist ein interessanter Punkt. Die ARD hat gerade ein neues Format aufgelegt, die Tagesschau in einfacher Sprache. Und macht dann aber das Sommerinterview mit dem Bundeskanzler in der kompliziertesten, unverständlichsten, schwurbeligsten Sprache und grätscht da nicht rein. Versucht es einfach nicht.“

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) im Sommerinterview der ARD
Reichelt weiter: „Das ist immer wieder das Bemerkenswerte, woran man, auch so eine gewisse Lebensfremde erkennt. Jeder Mensch, der dem Bundeskanzler gegenübersitzt, ist ja eigentlich interessiert, neugierig, gespannt und will doch wissen: Was denkt er? Und dann sagt er in keiner Antwort, was er denkt. Jeder normale Mensch hätte den Reflex zu sagen: Moment mal, ich möchte jetzt wissen, was Sie denken. Sie sind doch der Bundeskanzler. Dieser Reflex ist in der Maschinerie des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes mühsam abgeschliffen worden. Da möchte niemand wissen, was der Bundeskanzler wirklich denkt. Sie geben sich zufrieden mit einer Sprache, die weiter weg vom Menschen nicht mehr sein könnte.“
Waldi findet: „Diese einfache Sprache ist meiner Meinung nach im Prinzip eine Nivellierung des Bildungsstandes. Wenn ich das zulasse, wenn ich immer das Angebot immer tiefer hänge, will ja keiner mehr höher.“
„Pflicht und Freiwilligkeit gehen nicht besonders gut zusammen“
Waldi geht auf die Pläne der Regierung zur Bundeswehr ein: „Wo ich den Kopf schüttle, ist dieser Optimismus, dass diese freiwillige Wehrpflicht, die Bundeswehr aufstockt. Ich glaube nicht an die Freiwilligkeit. In Friedenszeiten das waren das die Lockmittel. Du kannst dort einen Busführerschein machen, du kannst einen LKW-Führerschein machen, geh zum Bund und du kannst einen Beruf dort lernen. Jetzt ist Krieg rund um uns und es wird überlegt, ob Bodentruppen aus Richtung Frankreich geschickt werden. Also überlegt man, ob Bodentruppen dorthin geschickt werden. Da wird sich jeder 18-Jährige wohl genau überlegen. Wenn ich jetzt da freiwillig bin, dann bin ich drei Monaten nach meiner Grundausbildung plötzlich in der Nähe von Donezk. Deswegen ist die Freiwilligkeit, meiner Meinung nach, gar kein gar keine Grundlage.“
Für Reichelt passt das Konzept der Regierung nicht zusammen: „Man muss auch einfach klar einmal festhalten: Das Wort Pflicht und Freiwilligkeit gehen nicht besonders gut zusammen. Deswegen hieß die Wehrpflicht früher auch Wehrpflicht und nicht Wehr-Freiwilligkeit, weil man halt hinmusste, wenn dieser Staat das gesagt hat. Ich finde, es gibt sehr viele gute Gründe für eine Wehrpflicht, aber dann kann nicht Olaf Scholz, der sie politisch verantwortet, sagen: Aber Kinder, ohne mich. Ihr könnt schon mal vormarschieren. Ich sitze hier und viel Spaß! Und da ist man doch einfach fassungslos.“
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