Inselgruppen im Pazifik versinken nicht, sie werden größer! Was sagen Sie nun, Frau Baerbock?
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Die Fotos gingen um die Welt: Außenministerin Annalena Baerbock mit nackten Füßen am Strand des Inselstaates Fidschi – die ARD titelte: Der „Blaue Kontinent“ ruft um Hilfe. Dass ein Kontinent rufen kann, wusste man bis dahin nicht – aber es ging ja um den Klimawandel, da können ganze Erdteile sprechen.
Noch nie war ein deutscher Chefdiplomat so weit gereist, um das Klima zu retten – genau 16 000 Kilometer von Deutschland entfernt. Das war Anfang Mai 2024.

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock mit Einheimischen am Strand
Die Außenministerin hatte die Reise auf sich genommen, um die Welt darauf aufmerksam zu machen, dass im Pazifik ganze Inselgruppen versinken. So weit, so schlecht. Was hängen blieb, waren die Bilder der barfüßigen Außenministerin in traumhafter Südsee-Kulisse. Bilder können (wie Kontinente) nicht sprechen. Könnten sie es, hätten sie in Baerbocks Worten wohl gesagt: Ich möchte noch einmal den Fidschi-Sand unter meinen Füßen spüren, bevor die ganze Insel versinkt.
Mahnungen mit langer Tradition
Heute, wenige Monate später, nun dies: Wissenschaftler der University of Auckland fanden heraus – viele Südseeinseln wachsen, trotz Meeresspiegelanstiegs. Diese bahnbrechende Entdeckung muss man etwas genauer erklären – weil sie konträr zu den Einlassungen der Außenministerin stehen. Wissenschaftsjournalist und Buchautor Axel Bojanowski („Was Sie schon immer übers Klima wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten“, Westend-Verlag) hat in der Welt die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft zusammengefasst.
„Mahnungen, die Südseeinseln würden untergehen, haben eine lange Tradition“, schreibt Bojanowski. Die 1196 Inseln der Malediven hätten einer Prognose des UN-Umweltprogramms UNEP von 1989 zufolge bereits verloren sein sollen. 2009 hielt die Regierung der Malediven effektvoll eine Sitzung am Meeresgrund ab, um die Gefahr zu unterstreichen – inzwischen haben die Malediven durch künstliche Landgewinnung Fläche dazu gewonnen. Sie bauen neue Flughäfen auf Meereshöhe – trotz gestiegener Meeresspiegel. Das Land kämpft mit Ingenieurskunst gegen den Klimawandel. Und hat Erfolg damit.

Baerbock bei der Begrüßungszeremonie auf den Fidschi-Inseln
Die Forscher der Auckland-Universität stellten fest: Von 30 Atollen im Pazifik und im Indischen Ozean, die sie vermessen haben, sei in den vergangenen Jahrzehnten keines geschrumpft. Und von 709 Inseln habe nur jede Zehnte Land verloren, fast 90 Prozent hätten sich vergrößert und würden stabil bleiben. Eine Studie im Fachblatt „Anthropocene“ bestätigt den Befund für andere Atolle. „In den vergangenen Jahrzehnten zeigten die Atoll-Inseln keine weit verbreiteten Anzeichen einer physischen Destabilisierung angesichts des Meeresspiegels.“ Untersuchungen auf den Malediven haben ebenfalls bestätigt, dass dortige Atolle mit dem Meer mitwüchsen. Sie wachsen nicht nur auf natürliche Weise. Auf der mit Sandaufschüttung künstlich geschaffenen Insel Hulhumalé leben mittlerweile 50.000 Einwohner.
Auch wenn diese Untersuchungen nicht exakt dort stattfanden, wo Außenministerin Baerbock ihre Füße vom Südseewasser umspülen ließ – mit Ingenieurskunst und mit Leidenschaft kann man sich gegen Klimawandel stemmen, ohne immer nur darüber zu jammern.
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