„Syrien sieht schlimmer aus als Deutschland 1945“: Außenminister Wadephul irritiert mit schrägem Vergleich
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Außenminister Johann Wadephul (CDU) hat sich in einer hitzigen Sitzung der CDU/CSU-Fraktion gegen Vorwürfe gewehrt, die seine jüngsten Äußerungen zur Rückkehr syrischer Flüchtlinge betreffen – und die eigene Fraktion mit einem schiefen historischen Vergleich geschockt: In der Fraktionsrunde am Dienstag sagte der 62-Jährige, der erst kürzlich Syrien besucht hatte, dass es in Syrien „schlimmer“ aussehe als in „Deutschland 1945“. Über seine Äußerungen berichtet die Bild exklusiv.
Demnach soll Wadephul eine „halbstündige apokalyptische Autofahrt durch die Mitte von Damaskus“ beschrieben haben, so Bild, und erwähnte seinen Besuch im Vorort Harasta, der im Bürgerkrieg von 2011 bis 2024 verwüstet wurde.
Der Vorfall passt in ein Muster: Wadephuls Amtszeit ist geprägt von einer Reihe außenpolitischer Fehltritte, die Kritiker als „außenpolitisches Harakiri“ bezeichnet haben. Schon vor der Syrien-Reise hatte er Abschiebungen syrischer Straftäter sabotiert, indem er bürokratische Hürden im Auswärtigen Amt aufbaute und die Kooperation mit Damaskus verzögerte. „Mal eben so“, so spotten Parteifreunde, habe er eine Politik umgedreht, die unter dem Vorgänger noch als Erfolg gefeiert wurde.
Im Zusammenhang mit der Unterstützung Deutschlands für Israel in seinem Krieg gegen die terroristische Hamas meinte Wadephul, er sei „nicht sicher, ob alle strategischen Ziele Israels erreicht werden können und ob dies langfristig der Sicherheit Israels dient“, als könne er das besser beurteilen als die Israelis selbst, die sich seit 1948 in einer äußerst feindseligen Weltregion behaupten müssen. Erneut reagieren Außenpolitiker und Strategen der Union irritiert.

Der Außenminister zeigte sich zu Tränen gerührt – wohlgemerkt bei einem Pressetermin.
Der Hintergrund des Streits: Wadephul hatte zuvor argumentiert, die massive Zerstörung Syriens mache eine Rückkehr der Flüchtlinge nahezu unmöglich. Damit stellte er sich gegen Stimmen in der Union, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Innenminister Alexander Dobrindt (CSU), die sehr wohl Abschiebungen fordern – und darauf verweisen, dass die Deutschen nach dem Krieg ebenfalls das „zerbombte Deutschland wieder aufgebaut“ hätten. In Syrien selbst hatte der Minister lediglich die Abschiebung weniger Straftäter thematisiert und eine breitere Rückführung infrage gestellt.
Kanzler Merz griff daraufhin persönlich ein, um die Wogen zu glätten. In der Fraktionssitzung lobte er Wadephul für dessen „hohes Ansehen“ in der Region, betonte aber klar: Es gebe „keine Asylgründe für Syrer mehr“, da der Krieg beendet sei. Die Regierung wolle die „massenhafte Rückkehr“ von Syrern fördern. Wadephul selbst versicherte erneut: Er befürworte Abschiebungen von Straftätern, mit denen bereits begonnen worden sei, sowie Rückführungen von Nicht-Integrierten, die Bürgergeld beziehen. „Niemand müsse ihn oder das Auswärtige Amt ‚von der Notwendigkeit von Rückführungen‘ überzeugen“, sagte er laut Bild. Allerdings ginge es nur um eine „überschaubare Zahl von Personen“, wie er zuvor im Amt hervorgehoben hatte.

Kinder am Straßenrand von Damaskus
Spahn will bessere Kommunikation
Fraktionschef Jens Spahn (CDU) nutzte die Debatte für eine spitze Kritik: Eine bessere Kommunikation hätte verhindert, dass „eine Äußerung reiche, wie aktuell zu Syrien, um die gerade im Bereich irregulärer Migration sehr erfolgreiche Arbeit mit Streit“ zu überdecken. Der Vorwurf an Wadephul war unmissverständlich – der Minister steht weiter unter massivem Druck in einer Debatte, die die Union vor der sensiblen Migrationsfrage spaltet.
Ob der Syrien-Streit der Anfang vom Ende seiner Amtszeit ist, bleibt abzuwarten; in der Partei munkelt man bereits von einem baldigen Personalwechsel.
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