Kanzler-Inszenierung: Warum es so ein Foto mit Merkel nie gegeben hätte
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- Die offiziellen Fotos des Bundeskanzlers sollen Bodenständigkeit und allürenloses Arbeiten ausstrahlen.
- Auch Angela Merkel versuchte Fotos und Fotografen zu kontrollieren.
- Beim Besteigen von Flugzeugen ließ sie sich nur ungern fotografieren.
Himmel wirkt immer. Seit auch der letzte Nachwuchspolitiker verstanden hat, dass Politik heute auch mit Bildern gemacht wird, ist die Kontrolle über Fotos und Fotografen zu einem wichtigen Job von Pressesprechern und anderen Hintersassen geworden. Der Himmel über dem Kanzler ist weit, zeigt leicht Zirruswolken. Auch wenn sich die Wolken nicht nach den Wünschen von Olaf Scholz (SPD) richten, sie lassen uns Bewegung fühlen, Ferne, keine wolkenlose Sorglosigkeit.
Scholz' Vorteil: Seine Frisur sitzt immer
Es ist ein Foto, das es von Kanzlerin a.D. Angela Merkel (CDU) nie gegeben hätte. Hier steht der Fotograf im Innern des Kanzlerfliegers im vorderen, privaten Teil, wo er sich nur mit ausdrücklicher Erlaubnis aufhalten darf. Merkel hat Fotos von sich im Flieger fast nie zugelassen. Zu abgehoben. Zu elitär. Auch auf der Gangway ließ sie sich nur ablichten, wenn es protokollarisch unausweichlich war.
Als langjähriger Kanzler-Reporter erinnere ich mich, dass im hinteren Teil der Maschine, wo die Presse in der Economy (gegen Bezahlung) mitfliegen durfte, meist die Türen geschlossen wurden, bevor Merkels Limousine an der vorderen Treppe vorfuhr und sie als Letzte hinaufstieg. Selbst aus den Bullaugen konnten die Fotografen hinten wegen des spitzen Winkels sie dabei nicht erwischen. „Boarding completed!“
Beim Boarden hat Scholz einen entscheidenden Vorteil gegenüber Merkel: Seine Frisur ist nicht in Gefahr, durch eine boshafte Windboe in unkontrollierbares Gestrüpp verwandelt zu werden und später im Text über wichtige Gespräche zum Feixen zu verleiten. Beim Empfang durch fremde Staatslenker, die nach der Landung unten an der Treppe auf dem roten Teppich warteten, ließ sich Merkel Haare und Makeup von der stets mitreisenden Visagistin Petra Keller richten und so weit als möglich fixieren.
Inszenierung als dynamischer Treppensteiger
Scholz inszeniert sich hier als dynamischer Treppensteiger, ein Bein noch leicht angewinkelt vom federnd-sportlichen Gang. Ein Mann, der in der weiten Welt unter weitem Himmel unterwegs ist. Locker, ohne Krawatte, normal, erdverbunden, einer von uns, soll das wohl heißen und vor allem mit seiner legendären Aktentasche, um die sich inzwischen das Bonner Haus der Geschichte und die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung als späteres Exponat streiten.
Das sichtlich abgewetzte, Arbeit und Allürenlosigkeit symbolisierende Stück (Modell: „Times 16“, 40 mal 34 Zentimeter) ist rund vierzig Jahre alt. Scholz hat sie sich noch währende seiner Zeit als Rechtsreferendar in Hamburg gekauft und schleppt sie seither auch im Kanzleramt, auf internationalen Gipfeln und Reisen mit sich herum. Sein Vorvorgänger Gerhard Schröder (SPD) schmückte sich mit Maßanzügen von Brioni und teuren Cohiba-Zigarren, Scholz mit einem schmucklosen Gebrauchsutensil. Inszenierung ist beides. Und doch auch ein wenig bezeichnend.
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Ralf Schuler
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