Leidensgeschichten statt Leistungsbereitschaft: Die linke Jammer-Jugend im Bundestag
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Schlimme Schicksale im Deutschen Bundestag. „Ich kann mir gerade nicht vorstellen, mit Ende vierzig noch im Bundestag zu sitzen“, sagte der Grünen-Abgeordnete Bruno Hönel (28) im SPIEGEL. Zwar habe der Beruf auch viele schöne Seiten. „Aber klar, teilweise ist dieser Betrieb auch pervers.“
Klar, viele Menschen da draußen können sich das unfassbare Elend der Abgeordneten gar nicht vorstellen. „Wenn man nach einem harten Tag dann in die stille Wohnung kommt, kann das schwierig sein. Manchmal fühle ich mich auch einsam.“ Auch der Druck und das Pensum seien hoch.

Wie fordernd ist die Arbeit im deutschen Bundestag? Im neuen SPIEGEL klagen mehrere Politiker an, wie sehr die Arbeit an die Substanz geht.
Und das für lumpige 11.227,20 Euro im Monat. Plus 5.051,54 Euro „Aufwandspauschale“ monatlich. Noch härter trifft es den SPD-Abgeordneten Robin Mesarosch, der durch den Job sogar mit der Lebensrealität vieler Menschen konfrontiert wird, die er zu vertreten vorgibt: „Familie und Politik sind nicht vereinbar. Faktisch muss man sagen: Mein Sohn und die Politik stehen jetzt in einem zeitlichen Konkurrenzverhältnis. Und das lässt sich nicht auflösen.“ Leidensgeschichten statt Leistungsbereitschaft.
Grausam! Hätte die BILD ehedem vermutlich diesen Horror betitelt. Beruf und Familie in Konkurrenz? So erbarmungslos ist der Bundestag! Im Alltag bleibe ein Großteil der Arbeit an seiner Partnerin hängen, gibt der 33-jährige Sozialdemokrat zu Protokoll. „Wenn ich früher andere Männer erlebt habe, die behaupteten, nicht kürzertreten zu können, habe ich das immer für eine faule Ausrede gehalten. Und jetzt bin ich selbst in dieser Situation. Ich setze etwas fort, das ich gesellschaftlich überwinden wollte. Das ist ein beschissenes Gefühl.“

Generation Selfie: SPD-Politiker Mesarosch setzt zum Handyfoto mit der Ex-Verteidigungsministerin Christine Lambrecht an.
Immerhin: Spätes Lernen ist besser als lebenslange Borniertheit. Wer sich fragt, ob der Eindruck täuscht, dass nachwachsende Politiker nicht mehr an das Format früherer Generationen heranreichen, der könnte hier ein Indiz dafür finden, dass es nicht nur Nostalgie ist, was hier mitschwingt. Es ist vielmehr ein völlig unrealistisches Bild von Leben und Arbeit, eine seltsam weltfremde Vorstellung eines vermeintlichen Anrechts auf Erfülltheit und Gestaltungsspielräume, die der Großteil der Menschen nicht hat.
Was sollen Handwerker sagen?
Und es ist kein Zufall, dass besonders Nachwuchs-Politiker des linken Spektrums klagen, deren Verbindung zur realen Lebenswelt noch zusätzlich knapp ist. Was sollen Klempner, Krankenschwestern oder Sicherheitsleute im Schichtdienst sagen, die für einen Bruchteil der Abgeordnetendiät ihre Lebenszeit drangeben? Von Erfüllung und Lebenssinn ganz zu schweigen.
Trucker, die ihren Feierabend auf trostlosen Rastplätzen verbringen, weil sie das allermeiste transportieren, was wir täglich konsumieren und dabei ebenfalls wochenweise von zu Hause weg sind. Bei marginalem Pensionsanspruch. Handwerker, die die Woche über auf Montage in billigen Quartieren absteigen und abends mit den Kindern facetimen. Pflegekräfte, Ärzte im Schichtdienst, Verkäuferinnen, denen die Ladenöffnungszeiten den Arbeitsrhythmus vorgeben und nicht die Kita-Öffnungszeiten, Bauleute bei Wind und Wetter… Sie alle müssen sich hier die bestbezahlte Jammer-Jugend des Landes anhören, ohne in Wut und Bitterkeit zu verfallen.

Ein Klempner repariert einen Durchlauferhitzer: harte Arbeit für weitaus weniger Geld.
Auch die 23-jährige Sozialdemokratin Lilly Blaudszun, die zwar nicht Bundestagsabgeordnete, aber eine Art SPD-Influencerin ist, berichtet davon, wie anstrengend der Wahlkampf 2021 gewesen war: „Es sind irre Zustände. Aber du hast gar keine Zeit, das zu checken, wenn du da drinhängst. Man fängt um fünf Uhr morgens an zu arbeiten und ist abends nur zu Hause, um ins Bett zu fallen“. In der Politik werde auf eine dauerhafte Erreichbarkeit bestanden, so Blaudszun. Auch auf Grund dieser Eindrücke habe Blaudszun Angebote für politische Ämter ausgeschlagen – und appelliert an die Politik, eine andere Arbeitskultur vorzuleben.
Man könne beobachten, dass viele in der Politik mit der Zeit dünnhäutiger würden, gereizter, sagte SPD-Mann Mesarosch. „Ich will kein Arschloch werden in der Politik.“ Das ist zumindest ein lobenswerter Vorsatz. Zum weltfremden Schnösel ist es allerdings nicht mehr weit.
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