Merz tauscht seinen General: Kampfansage an die linke CDU
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Ist DAS der Befreiungsschlag für CDU-Chef Friedrich Merz?
Mit einer knappen Pressemitteilung entließ Merz am Dienstagnachmittag seinen Generalsekretär Mario Czaja und will nun mit seinem engen Vertrauten Carsten Linnemann, Chef der CDU-Grundsatzkommission, als neuem Anführer der Abteilung Attacke in die Operation Kanzleramt starten.
Czaja weg! Linnemann kommt! Was steckt hinter dem CDU-Beben?
Eine General-Abrechnung: „Merz ist seit längerem klar, dass Czaja ihm nicht den Rücken freihält, sondern im Gegenteil immer neue Probleme schafft“, sagt einer aus dem engeren Kreis des CDU-Chefs. Angefangen hatte es mit dem Durchsetzen der Frauenquote auf dem CDU-Bundesparteitag im September 2022 in Hannover, die maßgeblich von Czaja vorangetrieben worden war. „Gebracht hat es der Union gar nichts, es hat lediglich die Unterstützer von Merz enttäuscht, die ihn mit 62 Prozent zum Vorsitzenden gewählt hatten“, so der Insider.
CZAJA, DER PROBLEM-MAGNET: Als Ende 2022 der Bautzener CDU-Landrat Udo Witschas sich weigerte, Turnhallen für Migranten zur Verfügung zu stellen, stellte Czaja den Parteifreund in aller Öffentlichkeit bloß („Wir distanzieren uns mit Nachdruck von der Wortwahl des Bautzener Landrates…“) und zog damit ein regionales Skandälchen völlig unnötig auf die Bundesebene der Union. Im Februar betrieb der Generalsekretär den Ausschluss des früheren Verfassungsschutzchefs Hans-Georg Maaßen, wegen „parteischädigenden Verhaltens“ (NIUS berichtete) und fiel damit grandios auf die Nase. Das zuständige Parteigericht lehnte am Dienstag den Rausschmiss ab und ließ auch Merz als Verlierer dastehen. Czaja war nach NIUS-Informationen mit vor Ort, als die Maaßen-Entscheidung in Erfurt verkündet wurde.

Kennen und schätzen sich schon lange: Merz und Linnemann
DER GRÜNEN-KURS: Als Merz unlängst die Grünen zum Hauptgegner der Union erklärte, widersprach Czaja mehr oder weniger deutlich, und es blieb Merz auch nicht verborgen, dass sein Generalsekretär sich intern offen illoyal gegenüber dem Chef zeigte. Das interessiere ihn nicht, habe Czaja mehrfach Parteifreunden gesagt, die auf Differenzen zu Merz hinwiesen. Der Ex-Generalsekretär galt intern als Verfechter schwarz-grüner Bündnisse, kam mit seiner Stellvertreterin Christina Stumpp nicht zurecht und wird intern für eine ganze Reihe missglückter Personalentscheidungen verantwortlich gemacht. Zuletzt hatte Merz Christian Wohlrabe als neuen Berater und Kampagnen-Chef engagiert, der vor Jahren durch hasserfüllte Tweets über Merz aufgefallen war.
Noch im Abgang machte Czaja am Dienstag Abend klar, auf welchem Kurs er die Union sehen wollte: Er wünsche der CDU, „dass sie den eingeschlagenen Kurs der Öffnung und Weiterentwicklung von einer Mitgliederpartei zu einer Mitmachpartei, die sich für eine neue Zugehörigkeitskultur mit Maß und Mitte in der Breite der Gesellschaft stark macht, konsequent weiterverfolgt“. Der „eingeschlagene Kurs“ wird aktuell von 26 Prozent der Wähler goutiert.
DER SINNESWANDEL: „Die gezielte Attacke von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst auf Merz in einem Gastbeitrag für die FAZ hat ihm endgültig die Augen geöffnet, dass er mit diesem Team untergehen wird“, so ein enger Merz-Unterstützer zu NIUS. Als dann noch eine regelrechte Pannenserie von Czaja in jüngster Zeit hinzukam, ein gemeinsames Papier mit der CSU eher bei CSU-Chef Söder ankam als bei Merz, und Czaja es nicht schaffte, den geplanten Referenten, Fußballer Philipp Lahm, zum CDU-Konvent zu holen, musste Merz selbst in letzter Sekunde Eisschnelläuferin Claudia Pechstein engagieren.

General-Tausch: Linnemann (l.) soll auf Czaja folgen
„Das ist der letzte Schuss für Merz“, sagt der Insider. „Aber wenn der sitzt, dann war es das für den linken Flügel der Union.“ Denn Fakt ist: Mit Carsten Linnemann zieht Merz nicht nur einen loyalen, klugen und im Umgang angenehmen Mitstreiter zu sich, sondern setzt auch ein klares Zeichen für einen konservativ-liberalen Kurs.
Merz und sein Neuanfang: Eine Kampfansage an die linke CDU!
Im Interview für „Schuler! Fragen, was ist“ machte Linnemann vor wenigen Wochen klar, wie sein Kurs aussieht: „Du wusstest ja in Deutschland jahrelang nicht, was ist eigentlich der Unterschied zwischen der CDU und der SPD, weil wir in der Großen Koalition zusammengearbeitet haben. Ich kann nur dazu raten, die FDP weiter mit an Bord zu halten, auch die SPD, und bei den Grünen nicht einfach nur hinterherlaufen, sondern wirklich offen zu sein und am besten in den Wahlkampf zu gehen und zu sagen: Was ist eigentlich 100 Prozent Union?“

Interview am Tegernsee: NIUS-Politik-Chef Ralf Schuler mit CDU-Vize Linnemann. Hier finden Sie das ganze Gespräch:
Mit der Berufung Linnemanns tut Merz nun zur Halbzeit der Legislaturperiode das, was seine Unterstützer von Anfang an von ihm erwartet hatten: Er schart ein enges, eingeschworenes Team um sich, um die Machtfrage in der Union klar für sich zu entscheiden. O-Ton Linnemann im Inteview am Tegernsee: „Für mich persönlich ist es normal und gesetzt, dass jemand, der Parteichef und Fraktionsvorsitzender, Oppositionschef im Deutschen Bundestag ist, dass der ein Zugriffsrecht hat, wenn er denn will. Friedrich Merz hat gesagt, dass wir das im nächsten Spätsommer entscheiden. Deshalb habe ich es davor auch gesagt. Dazu stehe ich, und wenn Friedrich Merz es machen will, hat er meine volle Unterstützung.“
Gewonnen ist damit noch lange nichts. Aber die Chancen für den Sauerländer sind besser geworden. Er hat jetzt einen Mann an seiner Seite, der seinen Kurs nicht nur stützt, weil das Amt es erfodert – sondern auch aus eigener Überzeugung zu 100 Prozent mitträgt …
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Ralf Schuler
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