Merz’ verhängnisvolle Faszination des Autoritären
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„Ich sehe genau, wer klatscht und wer nicht!“, sagte Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz (CDU) nach übereinstimmenden Berichten verschiedener Teilnehmer am Dienstagnachmittag in der Sitzung der Unionsfraktion mit Blick auf die Kritiker des Rentenpakets. Es fällt schwer, darin keine drohende Attitüde erkennen zu wollen. Es ist die jüngste Entgleisung des Regierungschefs in einer immer wiederkehrenden Herrenreiter-Tonlage.
Es ist die verhängnisvolle Faszination des Autoritären, die Merz immer wieder heimsucht, die gerade auch im Umgang mit engen Vertrauten für Verletzungen sorgt und von Mitarbeitern auf seinen strengen Vater zurückgeführt wird, dessen Anforderungen er nie genügt habe.
Chef mit Stromberg-Allüren
Da war die gespielte Herablassung und der Wink mit den Dienstwagenschlüsseln im Wahlkampf (Januar 2025): „Was meinen Sie, wie flexibel und freundlich die werden, wenn wir denen die Schlüssel vorhalten für ihre Autos …“ Man schämt sich fremd bei dieser Szene der Herablassung und gespielten Großkotzigkeit. Künftige Koalitionspartner, die der Union aus der Hand fressen. „Ich mache es der SPD bewusst nicht leicht“, ließ er Ende August gönnerhaft beim CDU-Landesparteitag in Niedersachsen wissen, als wolle er den Koalitionspartner SPD wie ein Schulkind zu besseren Leistungen anspornen. „Wenn diese Partei die Kraft besitzt, migrationskritisch zu werden und industriefreundlich zu werden, dann hat diese Partei auch eine Chance, in der Regierung Tritt zu fassen.“ Ein Chef mit Stromberg-Allüren gibt dem Mitstreiter einen väterlichen Tipp mit auf den Weg.
„Das wird sich nicht wiederholen, habe ich denen gesagt“, ruft Merz beim Deutschlandtag der Jungen Union in Rust von der Bühne, um sein Machtwort an die Bundestagsfraktion zu illustrieren, die im Streit um die Richterwahl versagt habe. Ein Chef, der zornig ist mit seinen Hintersassen und auf offener Bühne den Zuchtmeister heraushängen lässt. Immer wieder gibt es diese Passagen, in denen ein Merz sich in eine Pose überlegener Unangreifbarkeit wirft.

Bundeskanzler Friedrich Merz auf dem Deutschlandtag
Befremdliche Inszenierung eines Machtgestus
Auf dem Landesparteitag der CDU Sachsen-Anhalt lobte er die Debatte des Unionsnachwuchses über das Rentenpaket, als müsse man diesen jungen Leuten auch mal einige Flausen gönnen. Dann kommen aber am Ende die Erwachsenen und sagen, wann Schluss ist. „Dies ist eine Diskussion, die wir jetzt allerdings auch abgeschlossen haben, zu der wir eine Entscheidung getroffen haben“, sagte Merz und sprach direkt und namentlich die jüngste Bundestagsabgeordnete Anna Aeikens im Saal an.
Wie bizarr und kurios diese immer wiederkehrenden Arroganz-Anfälle sind, illustriert nichts deutlicher als Merz selbst, der noch im Wahlkampf in einem spektakulären Auftritt nach dem Anschlag von Aschaffenburg erklärte, „am ersten Tag im Amt des Bundeskanzlers im Wege der Richtlinienkompetenz“ das Bundesinnenministerium zu drakonischen Maßnahmen an der deutschen Grenze anweisen zu wollen. Ein Auftritt, der erkennbar von der Unterzeichnung der ersten Dekrete des US-Präsidenten Donald Trump inspiriert war und den entschlossenen Durchgriff eines möglichen Kanzlers Friedrich Merz illustrieren sollte. Ein Gestus, der schon damals befremdlich inszeniert wirkte, weil ein deutscher Kanzler nicht am ersten Tag seine Richtlinienkompetenz zieht. Man muss es so klar sagen: Es war einfach inszenierter Humbug! Eine bewusste und bewusst irreführende Anscheinserweckung.
Das bestätigte Merz übrigens indirekt auf dem Parteitag in Sachsen-Anhalt selbst: „Diese Faszination des Autoritären: Da muss mal einer kommen, der auf den Tisch haut. Setz’ dich mal durch. Mach’ von deiner Richtlinienkompetenz Gebrauch, hau mal auf den Tisch … Liebe Freundinnen und Freunde, so funktioniert Demokratie nicht! So können sie in einem offenen Land und in einer freiheitlichen Demokratie nicht regieren.“
Stimmt. Fragt sich nur, warum Friedrich Merz es dann doch immer wieder tut.
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Ralf Schuler
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