Militär-Historiker Neitzel: So wichtig ist Selenskyjs PR-Offensive für die Ukraine
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- Wie Churchill inszeniert sich Selenskyj als „Kriegs-Premier“, sagte Sönke Neitzel bei „Schuler! Fragen, was ist“.
- Die Inszenierung Selenskyjs als „künstliche Gestalt“ und Ikone sei enorm wichtig, so der Militär-Historiker.
- Andrij, Melnyk, der frühere Ukraine-Botschafter in Deutschland, sei zuweilen „rüpelhaft“ und undiplomatisch aufgetreten, habe die Deutschen aber aufgerüttelt.
Der Potsdamer Militärhistoriker Prof. Sönke Neitzel hat die PR-Inszenierung des Ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyyj gerechtfertigt. Gegenüber „Schuler! Fragen, was ist“ sagte Neitzel, erhalte die Selbstvermarktung Selenskyjs bis hin zu Auftritten in Glamour-Magazinen für wichtig. „Für mich ist Selenskyj der Winston Churchill des 21. Jahrhunderts. Winston Churchill war ein hoch unbeliebter Mann in Großbritannien bis der Krieg ausbrach. Und er ist dann, nachdem NS-Deutschland besiegt war, auch gleich wieder abgewählt worden von den Briten, obwohl er die Briten durch die dunkelste Zeit ihrer Geschichte geführt hat. Aber er war eben ein Kriegs-Premier, der sich auch entsprechend inszeniert hat, der entsprechend kommuniziert und Reden gehalten hat.“
Die Bedeutung des ukrainischen Präsidenten könne man kaum überschätzen, so Neitzel. „Selenskyj ist von enormer Bedeutung als eine Stimme, als ein Gesicht, auch als eine Identifikationsfigur zumindest für Teile der Ukrainer. Ich will mir nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn ein russisches Spezialkommando Selenskyj am 24. Februar getötet hätte. Ich glaube, dass man solche Referenzpunkte, solche ikonischen Gestalten braucht, die natürlich ein Stück weit auch künstliche Gestalten sind. Die Inszenierung ist sehr wichtig.“
Diplomat Melnyk: Undiplomatischer geht's nicht!
Eine gemischte Bewertung gab Neitzel über den früheren Botschafter der Ukraine in Deutschland Andrij Melnyk ab. Dieser sei zuweilen „rüpelhaft“ aufgetreten, so der Militärhistoriker. „Melnyk war die Inkarnation der undiplomatischen Kommunikationsform. Undiplomatischer kann man, glaube ich, nicht kommunizieren. Eine sehr ungewöhnliche Rolle für einen Diplomaten. Aber er hat den Deutschen sozusagen mit Brachialgewalt den Spiegel vorgehalten. Auch wenn ich nicht alle seine Äußerungen als glücklich erachten würde, ist es eine Funktion gewesen, die zumindest dazu beigetragen hat, dass Teile der Deutschen aus ihrem seligen Schlaf, aus ihrer Pippi-Langstrumpf-Welt, aufgewacht sind. Melnyk hat dafür gesorgt, dass es nicht wegdiskutiert werden konnte, weil er auch mit großer Zuverlässigkeit in die Talkshows eingeladen wurde und da die Leute zum Teil rüpelhaft konfrontiert hat. Es hat sich auch niemand getraut, ihn in die Schranken zu weisen. Auch wenn er meines Erachtens überzogen hat, hat er einen Beitrag geleistet, den deutschen Michel zu schütteln.“
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Ralf Schuler
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