Militärhistoriker Neitzel bei Schuler! Fragen, was ist: „Natürlich begeht auch die Ukraine Kriegsverbrechen“
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- Der Potsdamer Militärhistoriker geht davon aus, dass bisher rund 100.000 Menschen auf Seiten der Ukraine gefallen sind oder verletzt wurden. Auf russischer Seite sollen es doppelt so viele sein.
- Neitzel bei Schuler! Fragen, was ist: „Letztlich werden beide Seiten verlieren.“
- Amerikaner wussten von dem bevorstehenden Einmarsch.
Der Potsdamer Militärhistoriker Prof. Sönke Neitzel geht davon aus, dass auch die Ukraine in Kriegsverbrechen verstrickt ist. Im Gespräch mit „Schuler! Fragen, was ist“ sagte Neitzel: „Wir haben es hier natürlich mit einem Informationskrieg zu tun, wie jeder Krieg ein Informationskrieg ist. Das ist schon seit der Antike so, nur die Medien verändern sich. Dass natürlich die Ukraine, aber auch westliche Staaten ein Interesse daran haben, Russland möglichst schwarz zu malen, ist offensichtlich und ist ein politisches Interesse. Natürlich, um das ganz deutlich zu sagen, begeht auch die ukrainische Seite Kriegsverbrechen.“
Neitzel will diese Feststellung allerdings ausdrücklich in das Gesamtgeschehen des Krieges eingebettet wissen. „Man kann aber, da spreche ich als Gewaltforscher, Kriegsverbrechen, zum Beispiel das Töten von Gefangenen, ganz unterschiedlich erklären. Es gibt eine situative Erklärung – in the heat of the battle sind schon immer Kriegsgefangene getötet worden. Das wird auf beiden Seiten passieren, weil beide Seiten einer bestimmten Kampfsituation ausgesetzt sind, in der Kriegsgefangene umgebracht werden. Es gibt aber auch bestimmte Dispositionen zur Gewalt und es gibt natürlich auch Befehle, Kriegsgefangene zu töten.
„Armeen haben schon einen eigenen Footprint.“
„Die Frage wird sein, die können wir noch nicht abschließend beantworten: Ist nicht in Russland eine andere Disposition zur Gewalt da, eine andere Bereitschaft, und sind nicht auch radikalere Befehle gegeben worden? Ich würde mal darauf tippen, dass wir auch Kriegsverbrechen der Ukraine haben, aber in sehr viel geringerem Ausmaß als auf der russischen Seite.“
Er wolle keine psychologische Kollektiv-Diagnose stellen, so Neitzel. Es gebe aber Anhaltspunkte, die dafür sprechen, dass die russische Seite grausamer vorgehe. „Die russische Armee ist jetzt nicht dafür bekannt, besonders gewalthemmend vorzugehen. Wir wissen ja auch über die massiven Misshandlungen der Wehrpflichtigen in der russischen Armee. Es gibt auch Gewalt in anderen Armeen, es gibt auch Misshandlungen, es gibt auch Kriegsverbrechen in anderen Armeen. Aber die Nato hat in Afghanistan einen anderen Krieg geführt, als die russische Armee. Auch die Nato hat Zivilisten umgebracht, und auch die Nato hat Kriegsverbrechen begangen. Aber da waren schon unterschiedliche Dispositionen und Größenordnungen. Armeen haben schon einen eigenen Footprint.“
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Ralf Schuler
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